Kaimling bei Vohenstrauß
01.07.2019 - 09:21 Uhr

Viele schmucke Zeitzeugen

Der Ökumenische Arbeitskreis bietet im schönen Luhetal eine Marterlwanderung an, die auf großes Interesse stieß. Viele Anekdoten vergangener Zeiten werden ins Gespräch gebracht.

Die Schönbergerkapelle auf der Anhöhe über Kaimling ist ein richtiges Glaubensjuwel und Anlaufpunkt für viele Wanderer. Der Ökumenische Arbeitskreis mit Rudolf Großmann (Vierter von links) wusste viele Details über dieses Kirchlein. Bild: dob
Die Schönbergerkapelle auf der Anhöhe über Kaimling ist ein richtiges Glaubensjuwel und Anlaufpunkt für viele Wanderer. Der Ökumenische Arbeitskreis mit Rudolf Großmann (Vierter von links) wusste viele Details über dieses Kirchlein.

Der Luhetalort war der dritte Ortsteil der bisherigen sechs Wanderungen, die der Ökumenische Arbeitskreis für eine überkonfessionelle Marterlwanderung auserkor. Der wunderschöne Sommerabend machte die Tour mit Rudolf Großmann, Claudia Reinl und Pastoralreferent Maximilian Pravida zu einem unvergesslichen Erlebnis für die Teilnehmer. Nach der Ankunft in Kaimling bei der Dorfkirche „Maria Immaculata“ ging Großmann in der Geschichte zurück bis zur ersten Besiedlung durch Slawen und den nachfolgenden wechselnden Herrschaftsgeschlechtern. „Um 1910 muss neben dem Glockenturm eine Holzkapelle und ein Feldkreuz gestanden haben.“

Den geplanten Bau einer Hauberrisserkapelle machten Unstimmigkeiten, ein Hochwasser und die beiden Weltkriege zunichte. Erst 1949 gründete sich ein Kapellenbauvorstand und die Grundsteinlegung der heutigen Kirche erfolgte am 16. Juli 1950. Auf dem ehemaligen Kapellenstandort befindet sich heute ein Bildstock, den Hans Hagn um 1930 aufstellte. Eigentlich wollte er eine Kapelle errichten, doch wegen Genehmigungsproblemen entschied sich Hagn dann für einen Bildstock. Das heutige Feldkreuz sowie die Bank wurden von Gerhard Hagn (Hausname Schlosser) 2003 zur Ehre Gotte errichtet. Zudem ist auch ein Totenbrett vorhanden, das Gerhard Hagn stiftete. „Der Kaimlinger Siegfried Lukas wünschte sich immer ein Totenbrett“, wusste Großmann. Als er im Jahr 2012 verstarb, fertigte Schreiner Gerhard Hagn das Totenbrett und stellte es an dieser Stelle auf. Als nächste Station erwanderten die Teilnehmer, darunter auch die zwei Mädels von zweitem Bürgermeister Uli Münchmeier, die den Weg tapfer meisterten, das Feldkreuz der Familie Faltenbacher.

1919 errichtete Franz Faltenbacher ein Holzkreuz, weil sein Sohn aus dem Ersten Weltkrieg gesund heimkehrte. Dieses Kreuz wurde 31 Jahre später durch das jetzige Feldkreuz ersetzt, berichtete Großmann. Faltenbacher ist sehr betrübt, weil durch die Flurbereinigung die Standfläche des Feldkreuzes der Stadtgemeinde Vohenstrauß zugeteilt wurde. „Der Platz verkam dann zusehends und beim Bau der Schönbergerkapelle wurde das Areal in den heutigen Zustand versetzt. Fritz Schönberger der Erbauer der Kapelle und unvergessener Porzellanmaler, renovierte das Kreuz immer wieder. Nach gut eineinhalbstündiger Wanderung durch die Natur von Kaimling und lauschigen Temperaturen kam die Gruppe schließlich an der Schönbergerkapelle an. Die Ehefrau des verstorbenen Kapellenerbauers Therese Schönberger wartete dort bereits auf die Besuchergruppe und öffnete das schmucke Juwel, damit die Sommerhitze entweichen konnte.

Eigentlich sollte die Kapelle in unmittelbarer Nähe des Feldkreuzes im sogenannten „Kapellenspitz“ gebaut werden. Ein Jahr lang arbeitete Fritz Schönberger als ehemaliger Chefdesigner der Porzellanfabrik Seltmann mit seinen Freunden vom Männergesangsverein „Liederkranz“ unermüdlich an diesem Kleinod. Den Altar schnitzte der Erbauer selbst in 250 Arbeitsstunden, fasste ihn und malte das Muttergottesbild auf eine 60 Mal 80 Zentimeter große Keramikfliese, die er bei 800 Grad brannte und so für die Nachfahren ein Meisterwerk schuf. Am 13. Juli 1997 wurde die Kapelle von Roggensteins Pfarrer Gerhard Schmidt, Michldorfs Pfarrer Alfons Forster und dem damaligen Kaplan und heutigen Dekan und Stadtpfarrer Johannes Lukas von St. Konrad in Weiden, der aus Roggenstein stammt, feierlich geweiht. Dabei regnete es in der gesamten Großgemeinde in Strömen. Lediglich um die Kapelle schien die Sonne, erinnerte sich Großmann.

Eine weitere markante Begebenheit: Vor 17 Jahren fiel ein großer Lindenbaum einem Sturm zum Opfer. Dabei wurden aber weder die Kapelle noch das Feldkreuz in Mitleidenschaft gezogen. Im Juli vor sechs Jahren stahlen Unbekannte zweimal die Dachrinnen der Kapelle. Fritz Schönberger renovierte auf dem Gebiet der Großgemeinde Vohenstrauß und weit darüber hinaus viele Flurmale, rief Großmann in Erinnerung. Danach wurden rasch Bierbänke und -tische aufgebaut und ein Picknick in froher Runde abgehalten.

Die Schönbergerkapelle auf der Anhöhe über Kaimling ist ein richtiges Glaubensjuwel und Anlaufpunkt für viele Wanderer. Der Ökumenische Arbeitskreis mit Rudolf Großmann (Vierter von links) wusste viele Details über dieses Kirchlein. Bild: dob
Die Schönbergerkapelle auf der Anhöhe über Kaimling ist ein richtiges Glaubensjuwel und Anlaufpunkt für viele Wanderer. Der Ökumenische Arbeitskreis mit Rudolf Großmann (Vierter von links) wusste viele Details über dieses Kirchlein.
 
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