11.10.2019 - 10:54 Uhr
Kastl bei KemnathOberpfalz

"Sind die absoluten Außenseiter"

Olympiasieger, Nationalkaderschützen nicht nur aus Deutschland - ab diesen Samstag haben es die Kastler Sportschützen mit besonderen Kalibern zu tun. Denn dann starten sie in Fürth in ihre Premierensaison in der ersten Bundesliga.

Simona Bachmayer, Lukas Haberkorn, Michael Buchbinder (Zweite, Vierter und Sechster von rechts) sowie Christine Schachner (links) und Maria Kausler (Dritte von links) von den Kastler Sportschützen starten diesen Samstag in Fürth in ihre erste Bundesligasaison.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

"Wir sind die absoluten Außenseiter", gibt sich Vorsitzender Wolfgang Raps realistisch. Es sei aber nicht aussichtslos, das Ziel Klassenerhalt zu erreichen. Wenn alles passe, sieht er die Luftgewehr-Mannschaft der Kastler Sportschützen fast auf einem ähnlichen Level wie die Konkurrenz, die mit "Nationalkaderschützen gespickt" sei. Dass in der ersten Bundesliga Süd nochmal ein anderer Wind weht als in der Klasse darunter, werden die Oberpfälzer voraussichtlich schon diesen Samstag spüren. Ab 15 Uhr heißt ihr Gegner SV Buch, den Raps eigentlich als "vermeintlich leichteren Gegner" eingeschätzt hätte. In der Vorsaison seien die Baden-Württemberger noch ein "hinterer Kandidat" gewesen. Doch diese hätten sich mit der Olympiasiegerin von Rio, Virginia Trasher (USA), zudem haben sie bereits die Schweizerin Petra Lustenberger unter Vertrag. Den Kader von Eichenlaub Saltendorf, gegen den es am Sonntag, 10 Uhr, geht, führt die deutsche Ausnahmeschützin Julia Simon an.

Vize-Meisterin als Ersatz

Während es unter den zwölf Teams der Liga einige mit teilweise fünf verschiedenen Nationalitäten gebe (wobei immer nur ein Ausländer pro Wettkampf starten darf), setzen die Kastler auf Talente aus der Region. Einzige Ausnahme in der Truppe mit Lukas Haberkorn, Maria Kausler, Simona Bachmayer, und Michael Buchbinder ist Christine Schachner aus Zell am See. Mit nach Fürth fährt Elena Zimmermann als Reserveschützin. Eine deutsche Vize-Meisterin von 2018 nur als Ersatz? Wolfgang Raps erklärt: Die anderen Fünf seien erfahrener. Zimmermann solle sich alles erst einmal anschauen. Dass sie aber trotzdem eingesetzt wird, will er nicht ausschließen. Es komme darauf an, wie sich ein Schütze beim Wettkampf fühle oder ob er beispielsweise irgendwelche Schmerzen oder Verspannungen habe. Nur wer "100 Prozent fit ist", stehe am Schießstand.

Unterstützung bekommen die Kastler von gut 40 Fans, die in einem Bus mit nach Franken fahren. Diese werden die Sportschützen im ersten und zweiten Durchgang (ab 15 und 16.30 Uhr) anfeuern. Beim dritten Durchgang ab 19 Uhr werden sie aber schon auf der Heimreise sein. Ist dieser vorbei, wird sich das Team noch zum Abendessen zusammensetzen und dann gleich ins Bett gehen, "schließlich müssen wir um 9 Uhr (am Sonntag) wieder in der Halle sein". Bis auf den Wettbewerb in Saltendorf (Landkreis Schwandorf) werde aufgrund der großen Entfernungen zu den Gegnern auswärts übernachtet, erläutert der Vorsitzende.

Dies, die Verpflegung während der Wettkampfphasen sowie den Bus zahlt der Kastler Verein. Auch wenn dessen Aktive "keine müde Mark fürs Antreten" bekommen, ergibt sich in dieser Saison mit sechs Wettkampfwochenende dennoch ein ansehnlicher Ausgabenposten, zumal jeweils auch ein Startgeld von 500 Euro (in der zweiten Bundesliga 250 Euro) an den Deutschen Sportschützenbund zu entrichten ist. Daher seien man auf Sponsoren angewiesen. In dieser Sportart sei die Suche danach aber schwierig, bedauert Raps. Dankbar ist er deshalb für die Unterstützung durch die Gemeinde (Kasten).

Drei Mal wöchentlich

Um sich gegen die Konkurrenz behaupten zu können, stand für die Nordoberpfälzer in den vergangenen vier bis sechs Wochen verstärktes Training an. Drei Mal pro Woche hätten die Kastler als Mannschaft oder individuell trainiert, "je nach Zeit wegen der Schule oder des Berufs", berichtet Raps. Davor hätten sie sich sowieso auf die deutschen Meisterschaften in München/Hochbrück (22. August bis 2. September) vorbereitet. Ihre Mission lautet Klassenerhalt, "auch wenn's schwer wird", räumt der Wehaer ein. Daher gilt: "Alles geben und uns gut verkaufen."

Hintergrund:

200 Stühle kein Problem: Kastler dürfen im eigenen Schützenhaus schießen

Sechs Wettkampfwochenenden stehen den zwölf Mannschaften in der ersten Bundesliga bevor. Die Begegnungen werden jeweils an zwei Tagen ausgeschossen, außer in Kastl. Das „Heimspiel“ der Sportschützen dauert nur einen Tag. Diese Regelung habe der Deutsche Schützenbund für alle Aufsteiger getroffen. Am Samstag, 23. November, wird laut Wolfgang Raps ein „kleiner Wettkampf“ ausgerichtet, bei dem neben dem Heimteam die SG Coburg, SV Niederlautenbach, SV Germania Prittlbach, KKS Königsbach und SV Pfeil Vöhringen antreten werden.

Für die Gäste wird es eine in dieser Saison einmalige Erfahrung sein. Denn statt in einer Turnhalle, wo sonst die Wettkämpfe ausgetragen werden, finden sie ein „richtiges“ Schützenhaus vor. „Da sind wir die einzige Mannschaft“, ist der Vorsitzende stolz. Die Vereinsheime der anderen seien zu klein. Lediglich Mitaufsteiger SSV Kronau dürfe auch daheim starten, dort sei aber ein Leistungszentrum angegliedert.

Den Kastlern war es wichtig, in den eigenen vier Wänden schießen zu dürfen. Der Antrag dafür sei beim Deutschen Schützenbund (DSB) gestellt worden. Dieser habe nur einen Gebäudeplan verlangt, auf dem ersichtlich sei, „dass wir die geforderten 200 Sitzplätze unterkriegen“. Auch verfügten die Sportschützen über 36 Schießstände, wobei eigentlich nur zehn plus zwei weitere als Reserve vorgehalten werden müssten. „Somit ändert sich bei den Wettkampfbedingungen nicht viel“, was Raps als kleinen Vorteil sieht. Noch schwerer wiegt die Kosten- und Zeitersparnis. Hätte in die Kemnather Turnhalle ausgewichen werden müssen, hätte der Verein die Schießstände entweder ab- und wieder aufbauen oder sie mieten müssen. Das hätte für ein Wochenende schon mal 1000 Euro gekostet, schätzt der Vorsitzende. „So aber bleibt auch die ganze Logistik mit Essen und Trinken im Haus.“ Die Vorbereitung der Wettkämpfe mit „Leinwände aufziehen und Musikanlage aufbauen hält sich nun in Grenzen“. Und bei der Anzahl der Stühle („Wir haben nicht so viele.“) hilft die Gemeinde mit welchen aus der Turnhalle aus.

Neu ist dagegen, dass die Schießergebnisse umgehend auf die Homepage des DSB gestellt werden müssen. „Das ist wie ein Live-Ticker beim Fußball“, erklärt Raps. Auch stellt nun der Verband die Wettkampfrichter. Doch auch hier können die Kastler sparen. Denn das Personal vom Oberpfälzer Schützenbund sei offiziell vom DSB anerkannt. So brauche niemand aus München zu kommen, und der Verein brauche die längere Anfahrt nicht zu zahlen. Die Übernachtung entfalle ebenfalls.

Für 23. November plant der Nordoberpfälzer Bundesligist „nichts besonderes. Das wird ein normaler Wettkampftag“. Normal soll aber nicht das Zuschauerinteresse sein. „Wir hoffen, das Haus voll zu bekommen“, wofür mit Plakaten die Werbetrommel gerührt werden soll. Mit dazu beitragen soll ein freier Eintritt. Raps wünscht sich „Halligalli, Kuhglocken, Musik und Gaudi“ zur weiteren Motivation seiner Schützen, denn „mit Stimmung kann man etwas regeln“.

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