Kastl bei Kemnath
04.11.2026 - 15:39 Uhr

Bürgerversammlung Kastl: Großprojekte fordern Gemeinde

Zwei Großprojekte machen in Kastl fast 90 Prozent der Investitionen des laufenden Haushalts aus. Die Rücklagen und ein Kredit müssen zur Deckung eingesetzt werden. Die Bürger haben nur wenig auszusetzen.

In einem detaillierten Rechenschaftsbericht ließ Bürgermeister Hans Walter in der Bürgerversammlung das Jahr in Kastl Revue passieren. Fast 60 Bürgerinnen und Bürger zeigten zusammen mit den Gremiumsmitgliedern am Montagabend im TSV-Sportheim ihr Interesse am Gemeindegeschehen. Zunächst berichtete Walter von einer seit drei Jahren konstanten Einwohnerzahl von 1491 Bürgern, die seit 2020 um 60 Personen gewachsen sei. Dazu gehören 67 ausländische Mitbürger. Im Jahr 2025 wurden 18 Kinder geboren (2024: 23), fünf Ehen (2024: 13) wurden geschlossen. Die Kirchen verzeichneten 2026 zwölf Austritte. Zwölf Wohnhäuser wurden 2025, drei im Jahr 2026 neu gebaut.

Sportheim wird saniert

„Die Sanierung des TSV-Sportheimes ging mit dem Bau der Außenanlagen, dem barrierefreien Zugang und Pflasterarbeiten weiter. Das Gemeinschaftswerk geht dank vieler helfender TSV-Mitglieder dem Ende zu“, so der Rathauschef. Bislang schlagen 384.814 Euro Bauausgaben zu Buche. Die Gemeinde steuerte bisher 38.481 Euro bei, Bund und Land 193.333 Euro als Zuschüsse. Die TSV-Mitglieder erbrachten bis Ende 2025 insgesamt 2936 Stunden an Eigenleistung.

In den vergangenen Jahren wurden rund 88.000 Euro, davon 32.242 Euro für den Schützenverein (300 Mitglieder) und 55.857 Euro für den TSV (780 Mitglieder), von der Gemeindekasse als Zuschüsse ausgereicht.

Das Wohnbaugebiet Lettenwiese umfasst 29 Bauparzellen. Davon sind 17 bebaut. Das Senkendorfer Gewerbegebiet umfasst 1,5 Hektar und ist bereits vollständig verkauft, erschlossen und von zwei Firmen großteils bebaut.

Noch schuldenfrei

Der Haushalt 2026 umfasst eine Rekordsumme von 10,3 Millionen Euro mit enthaltenen Investitionen von 5,97 Millionen Euro. Es mussten 1,4 Millionen Euro der Rücklage entnommen und ein Kredit von 1,1 Millionen Euro eingeplant werden. Größte Bauausgaben 2026 sind der Glasfaserausbau mit 2,4 Millionen Euro und der Kita-Neubau mit 2,9 Millionen Euro. Die Personalkosten mit 1,4 Millionen Euro machen 33 Prozent des Verwaltungshaushalts aus. Die Schulverbandsumlage sei seit 2019 um 95 Prozent auf 174.350 Euro gestiegen, so der Bürgermeister. Die Gewerbesteuereinnahmen sind auf 400.000 Euro gesunken, die Stromkosten um 27 Prozent. 808.000 Euro werden als Kreisumlage fällig. Bislang sei die Kommune noch schuldenfrei.

Die Gemeinde trägt das Kita-Defizit in Höhe von 285.650 Euro. 77 Kinder besuchen die Einrichtung. In das neue Kita-Gebäude investiert die Gemeinde vier Millionen Euro, bei einer staatlichen Förderung von 1,2 Millionen Euro. „Ab dem 1. Juli erhebt der Freistaat einen Wassercent in Höhe von 0,11 Euro je Kubikmeter Trinkwasser. Dieser wird auf die Frischwassergebühr von 1,89 Euro draufgeschlagen“, so das Gemeindeoberhaupt. Der Ausbau des Glasfasernetzes schlägt mit insgesamt 2,4 Millionen Euro zu Buche, bei 2,07 Millionen Euro Förderung.

Die Nutzung des Baxi sei rückläufig. Von fast 1000 Beförderungen im Vorjahr sei die Fahrgastzahl auf 747 Nutzer gesunken. Walter rief dazu auf, das Baxi und den mobilen Dorfladen mehr zu nutzen. Der Bauhof setzte die Bankette entlang der Ortsdurchfahrt Weha instand.

Neue Jugendbeauftragte ist Christina Ackermann. Das Bauhofteam verstärkt Sebastian Kausler. Die Entscheidung des Gemeinderats, die Erweiterung und Sanierung des FFW-Gerätehauses Kastl fünf Jahre hinauszuschieben, sei wegen der Finanzlage der Gemeinde alternativlos gewesen. Rund 165.000 Euro werden für ein neues Löschfahrzeug für die FFW Unterbruck investiert. Als Gesamtförderung werden 41.600 Euro erwartet. Gut aufgestellt ist man mit einer auf dem Ökokonto verbuchten und ökologisch aufgewerteten Fläche von 15.499 Quadratmetern, die für künftige naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen zur Verfügung steht.

Nur wenig hatten die Teilnehmer an den Leistungen der Kommune auszusetzen. Ein Bürger aus Wolframshof brachte das Thema Winterdienst mit meist nicht vermeidbaren Schneehaufen vor dem Hauseingang und Garage vor. Unverständnis zeigte er auch für die von Bürgern selbst getätigte Ersatzpflanzung von Obstbäumen teils auf Privatgrund entlang des Weges von Wolframshof zum Torfhaus. Dieser führe auch über nicht im Eigentum der Kommune stehende Privatgrundstücke. Walter erwiderte dazu, dass der Weg in nächster Zeit vermessen wird und ins Gemeindeeigentum überführt werden soll.

Neue Haltestelle

Ein Unterbrucker Bürger ärgerte sich über die zu Fuß von Unterbruck zur Kastler Schule laufenden Schulkinder, obwohl sie auf gleicher Strecke vom Schulbus überholt werden. Eine Haltestelle für den Zustieg wäre sinnvoll. Eine Bürgerin schlug vor, die bereits bei Verwaltung und Schule funktionierende Zusammenarbeit gleich durch eine „Gemeindehochzeit“ mit der Stadt Kemnath zu erweitern. Walter ergänzte dazu, dass derzeit keine Gebietsreform zu erwarten ist. Dem Vorschlag wurde durch einen Teilnehmer der Verlust der eigenen Gemeindeidentität entgegengehalten. „Zudem gehören zu einer Hochzeit auch immer zwei Heiratswillige“, meinte der Bürgermeister zum Ende der Bürgerversammlung.

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