(rpp) Wer nicht gut zu Fuß ist, konnte auch nur einen Teil der 54 Kilometer langen Strecke mitlaufen oder direkt nach Gößweinstein kommen. Am Ende hatten sich so viele Gläubige aus Kastl auf den Weg gemacht, dass sie die große Basilika komplett ausfüllten. Der Pilgergottesdienst in der Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit, ein Bauwerk vom berühmten Baumeister Balthasar Neumann, stellte den feierlichen Höhepunkt der Wallfahrt dar.
Ihn zelebrierte Domkapitular Thomas Pinzer, der als gebürtiger Kemnather die große Wallfahrttradition der Kastler kannte und würdigte. Ihre Gebetsanliegen brachte Geistliche vor Gott. In seiner Predigt ging er der Frage nach, was die Faszination der Wallfahrt ausmache, denn überall auf der Welt nehme die Anzahl der Pilger in den Wallfahrtsorten zu. Er fasste die Beweggründe in vier Punkten zusammen: Demut, Bewegung, Kraftquelle und Demonstration.
In dem alten Wort Demut sah Pinzer den Akt der Ergebenheit, den Mut zum Dienen. "Demütige Menschen wissen, dass es etwas Größeres gibt und dass sie Gott im Gebet begegnen können. Sie bringen ein persönliches Opfer, indem sie die Strapazen des Weges auf sich nehmen und wissen, dass Vieles im Leben nicht selbst bestimmt werden kann." "Das Eigentliche muss man sich von Gott schenken lassen."
Die Bewegung sei etwas Gutes. Menschen bewegten sich gerne. Die Wallfahrt stelle auch eine spirituelle Bewegung dar. Vieles verändere sich auf dem Weg, der Kopf werde frei und die Alltagssorgen werden klein oder verschwinden ganz. Kraftquellen seien Orte und Stätten, die helfen zu tragen und zu ertragen, was das Leben an Aufgaben bringt. Eine Wallfahrt sei schließlich auch eine bewusste Glaubensdemonstration. Der Pilger zeige, dass er es ernst meine mit seinem Glauben.
Zum ersten Mal hatten die Kastler um Wallfahrtsleiterin Frieda Zeitler eine Pilgerkerze im Gepäck, die im Gottesdienst gesegnet wurde und in Gößweinstein blieb. Sie wird künftig immer brennen, wenn die Oberpfälzer in den Fränkischen Wallfahrtsort kommen.
Den Gottesdienst gestaltete der Kastler Kirchenchor unter der Leitung von Albert Schraml mit den Liedern "Ich juble dir, halleluja!", "Wer glaubt ist nie allein" oder mit "Ohne Weg, ohne Steg, ohne Hilfe" musikalisch. Aber auch darüber hinaus brachten sich die Angehörigen der Pfarrgemeinde in den Gottesdienst mit ein. Andrea Heining trug die Lesung aus dem Evangelium vor. Der ehemalige Wallfahrtsleiter Josef Weidner übernahm das Amt des Messdieners, und auch die Ministranten waren aus Kastl mitgekommen.
Am Ende bat der Domkapitular die Glaubensgemeinde nach vorne in den Altarraum und wünschte den Anwesenden, dem Dreifaltigen Gott im Leben zu begegnen und auch in kleinen Dingen zu erkennen. Mit Begleitung von Uli Bär an der Posaune endete der Gottesdienst, als alle sangen: "Möge die Straße uns zusammenführen."
Kastl bei Kemnath
06.06.2018 - 19:06 Uhr
Glauben leben in Gößweinstein
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