Kastl bei Kemnath
20.11.2024 - 10:19 Uhr
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Kastler Laienschauspieler kämpfen mit nervigen Angehörigen

Wie wird man im eigenen Haus die lästige Verwandtschaft los? Eine Antwort dazu gab die Laienspielgruppe Kastl mit ihrem Stück „Kalt erwischt“.

Eine gelungene Premiere feierten die Mimen der Kastler Laienspielgruppe am Samstagabend im ausverkauften Schützenheim. Darum geht’s: Urgestein und Stückeschreiberin der Kastler Theatertruppe Margit Stich als Lotte Zweistein genießt mit ihrem hektischen Gatten und Hobbybastler Ludwig (Thomas Deubzer) die Ruhe zu Hause. Ludwig verbringt die meiste Zeit mit seinem Freund Franz in der Werkstatt mit Experimenten. Ludwigs Schwester Carmen (Monika Stahl) hat wieder mal Zoff mit ihrem Lebensgefährten Gregor. „Schei, dass’d amal wieder kurz vorbeischaust“, sagt sie beim Anrichten eines Hefeteigs, der nicht aufgeht. „Wenn der Dag niat geiht, is d’Hefn oder die Bäckerin z’bleid“, kontert Carmen. „Old bist du wurn, ich hob sie ewig nimma gsehn“, sagten Lottes Nachbarinnen Traudl (Karin Heining) und Elfi (Angela Schöcklmann) zu ihr. „Wie schaut’s denn eigentlich mit unserem Tarot-Kurs aus?“, wollen sie eigentlich wissen.

Mit Lottes Tochter Anke (Eva Scharnagl) füllt sich das Haus weiter. Carmens Lebensgefährte und Koch Gregor (Reinhard Etterer) ist bisher mit seinen Heiratsanträgen bei Carmen abgeblitzt. „Houst du immer noch nicht Ja zu Deinem Soßenschwenkerer gsagt? Du wirst a immer älter“, sagt Elfi zu ihr. Währenddessen experimentieren der Hausherr und Franz in der „frauenfreien“ Werkstatt mit einer Schnapsbrennanlage und genehmigen sich dabei mehrere Stamperln.

Schriller Auftritt

Lottes Schwester Rosa (Martina Moller-Prieschenk) stößt mit ihrer weltfremden Tochter Linda zur illustren Damenrunde. Mit Beifall begrüßte das Publikum deren Ehemann Max (Josef Raps): Beim Anblick seines schrillen Anzugs bekamen die Anwesenden „Augenkatarrh“ und die Zuschauer Lachtränen. Als „Fruchtzwerg mit Erdbeergeschmack“ bezeichnet ihn die Bastlerrunde in der Experimentierwerkstatt.

Zum Spaß der Besucher beschimpfen sich Rosa und Schwager Ludwig als Papagei mit „ramponiertem Fahrgestell“ und „abgehalfterter Adonis“. Die Gäste laden derweil ihre Schmutzwäsche auf dem Küchentisch ab. Die Aussage „Montag ist Waschtag und Lotte die Waschmaschine“ sorgte für kräftigen Beifall. Auf Ludwig bricht mit „rückgradloser Schlappschwanz, Schisser und Drückeberger“ eine wahre Schimpftirade von Lotte herein, als er von ihr den Rausschmiss der Sippe fordert, obwohl er als Hausherr handeln sollte. Schallendes Gelächter gab es auf Carmens Frage zum Mittagsmahl: „Für dich gibt’s Arschleckerlis“, kontert Lotte.

Die drei Tarot-Anhängerinnen planen einen gemeinsamen Kartenlegeabend und Lotte kauft drei Pack Karten und eine falsche Anleitung. Anstelle eines Buches fürs Kartenlegen wurde ihr allerdings eines fürs Garten-Anlegen angedreht. Lottes Aussage „Wenn du nicht mehr weiterweißt, hilft ein Klosterfrau-Melissengeist“ brachte spontanes Gelächter. Ohne Tarot-Anleitung improvisiert Lotte das Kartenspiel mit den „olbernen Figuren“ und strickt sich selbst Zusammenhänge. Die erste Legerunde beobachten Lottes Gäste mit Spannung, die Theaterbesucher begleiten sie mit vielen Lachsalven.

Der vorausgesagte Knall passiert tatsächlich: Der Brennkessel in der Werkstatt ist explodiert und Ludwig beim als „Bumperer von Grafenwöhr“ eingeschätzten Knall verletzt worden. Um „außer Gefecht zu sein“, lässt sich Lotte nach dem vorgetäuschten Unfall von einer Freundin einen Finger eingipsen. „A weng schener heid sie’s scho machen kina“, bewertet die vermeintlich Verletzte den Monstergips. Nun startet Lotte mit Tochter und Nachbarinnen die Operation „WmdB – Weg mit der Bagage“ per Zukunftsdeutung mit Tarot-Karten mit großem Beifall. Entdeckt wird der Verlobungsring von Gregor im geschenkten Überraschungsei für Carmen. Mit den Spezialkarten sagt sie für ihre Schwester Rosa als Spezialfall einen Neustart mit Ehemann Max und reichlich Sex voraus. Daraufhin verlassen beide Frauen samt Anhang das Zweistein-Anwesen und die Familienruhe ist wieder hergestellt. „So funktioniert eine solide Partnerschaft“, resümiert Lottes Ehemann.

Zwei weitere Termine

Die begeisterten Theatergäste honorierten den Auftritt der Laienspielgruppe mit viel Szenen- und anhaltendem Schlussapplaus. „Unsere Premiere war super toll“, resümierte Margit Stich. „Wir hatten ein ausverkauftes Haus. Auch die Kartenvorbestellungen für weitere Auftritte laufen sehr gut.“ Zusätzlich werden noch zwei Vorstellungen am Freitag und Samstag, 29. und 30. November, angehängt. Der Kartenvorverkauf läuft bereits. An der Abendkasse sind noch Restkarten erhältlich. Die Reaktionen der Premierenbesucher seien durchwegs positiv gewesen. Das jüngste Mitglied der Laienspielgruppe Kastl Franziska Kneidl fasste den Abend so zusammen: „Ich bin das erste Mal beim Theaterspiel dabei. Ich hatte nur ein kleines bisschen Lampenfieber, aber das hat mich nicht beeinflusst. Es macht mir richtig Spaß. Ich bin in der tollen Gruppe bestens aufgenommen und unterstützt worden.“ Ruhe finde sie beim Spaziergang mit ihrem Hund.

Auch den Besuchern hat es gefallen: „Wieder mal ein gelungener Theaterabend für mich und meine Familie. Anstatt Fernsehen gab es Live-Spaß von der Kastler Schauspieltruppe“, hieß es aus den Zuschauerreihen.

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