16.08.2019 - 12:30 Uhr
Kastl bei KemnathOberpfalz

Kräutersträuße im Akkord

Kräutersträuße binden gehört seit vielen Jahren zu den regelmäßigen Tätigkeiten des Frauenbundes in Kastl. Auch der Altarschmuck für den Gottesdienst an Maria Himmelfahrt gehört dazu und erfährt alle Jahre große Bewunderung.

16 Frauen sorgten mit vereinten Kräften rasch für 100 Sträuße. Im Rundgang wurde für eine gute und gleichbleibende Mischung garantiert.
von C. & W. RupprechtProfil

Traditionen erhalten, das wird in Kastl großgeschrieben. Dafür sorgen die Vereine, die Kirchengemeinde und der Katholische Frauenbund. Alle Jahre wieder treffen sich die Mitglieder einen Tag vor dem Festtag Maria Himmelfahrt und binden rund 100 Kräutersträuße. In diesem Jahr machten sich die Organisatorinnen im Vorfeld große Sorgen, ob wegen der heißen Sommertage noch genügend Blüten vorhanden sind. Denn viele Pflanzen durchliefen den Reifeprozess wegen der Hitze einfach viel früher. Doch vereint schafften es die Frauen wieder. Zahlreiche Blumenspenden gingen ein, wofür sich die Damen des Frauenbundes herzlich bedanken. Die Sträuße enthielten Kräuter, Blumen, Getreide und grünen Zierrat. Von Gegend zu Gegend gibt es kleine Unterschiede. In Kastl steht eine Rose im Mittelpunkt. In anderen Regionen wird die Königskerze in die Mitte gesetzt. Wenn die Kräutersträuße oder Kräuterbuschen, wie sie in anderen Gegenden genannt werden, im Gottesdienst geweiht wurden, schreibt man ihnen eine gesundheitsfördernde Wirkung für Mensch und Tier zu. Bereits das Sammeln der Kräuter, die mit Dankbarkeit geerntet werden sollen, ist eine sinnliche Erfahrung. Als Faustregel gelten verschiedene Zahlen, von 7 bis 99, die in der Bibel eine Rolle spielen: Zum Beispiel 7 Kräuter verwendet man, wenn man sich an der Anzahl der Schöpfungstage orientiert. 9 (3 mal 3) für die Zahl der Heiligen Dreifaltigkeit. 12 ist die Zahl der Apostel, 14 die Zahl der Nothelfer. 24 (2 mal 12) steht für 12 Stämme Israels aus dem Alten Testament und die 12 Apostel Christi aus dem Neuen Testament.

Mit der Kräuterweihe am 15. August wird landauf, landab an die legendäre Grabesöffnung Mariens erinnert. Die Apostel fanden dort nicht den Leichnam der Gottesmutter, sondern Rosen und Lilien. Vor dem Grab wuchsen die Lieblingskräuter Mariens. Die traditionelle Symbolik erklärt sich folgendermaßen: Die Rose in der Mitte des Straußes steht für die Maria. Eine Lilie ist das Symbol für Josef. Rosmarin soll zum guten Schlaf verhelfen, Salbei ist für den Wohlstand das Sinnbild, aber auch für Weisheit und Erfolg. Die Kamille steht für Glück und die Liebe. Wermut soll Kraft, Mut und Schutz geben, Minze sorgt für die Gesundheit. Arnika schützt gegen Feuer und Hagel. Auch Getreide darf nicht fehlen, es steht für das tägliche Brot. Meistens wird auch Wilde Möhre, Spitzwegerich und Basilikum beigegeben. Im Kräuterstrauß in Kastl befanden sich außerdem Majoran, Zitronenmelisse, Pfefferminze, Brennnessel, Nachtkerze und Bohnenkraut. Schon von Weitem konnte man die wohltuenden Düfte erschnuppern. Der Blick auf die kühlgestellten Sträuße war eine echte Augenweide. Nach getaner Arbeit stärkten sich die Frauen bei Kaffee und Kuchen im Pfarrheim.

Kräutersträuße im Korb, wohltuend für Auge und Gesundheit.
Die hundert Sträuße boten im kühlen Lager einen bunten und leuchtenden Anblick.
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