06.05.2021 - 14:39 Uhr
Kastl bei KemnathOberpfalz

Maibaum hat in Kastl viele kleine Brüder

Auch in Kastl werden der große Maibaum und das dazugehörige Fest schmerzlich vermisst. Heuer gibt dafür aber mehrere kleinere Ausgaben.

Beim Spielplatz in Unterbruck steht heuer nur der kleine Bruder des sonst so stattlichen Maibaums. Er ist in Rot-Weiß gehalten.
von C. & W. RupprechtProfil

Der Maibaum ist ein Symbol für den Frühling und ausgelassener Stimmung im Freien. Mal gibt es ihn mit buntem spiralförmig bestrichenem Stamm, mal pur als Holzstamm, mal kunstvoll geschnitzt. Jede Gegend hat eigene Rituale entwickelt. So drückt eine blau-weiße Bemalung die Zugehörigkeit zu Bayern aus. Die Franken halten es mit Rot-Weißer.

Auch neue Traditionen bildeten sich aus. So hielt sich aus einem Jux heraus jahrelang in Schönbrunn bei Wunsiedel zum Maibaumaufstellen die Kür der „Frankenkönigin“. Natürlich war sie in den Farben Weiß und Rot gekleidet. Der Wagen, der sie zu Hause abholte, war ebenso geschmückt.Im nördlichen Fichtelgebirge wird der Mai schon in der Nacht mit einem Maifeuer begrüßt. Holz wird meterhoch aufgeschichtet, obendrauf kommt eine Hexe aus Stroh und alten Lumpen.

Egal, wie man feiert. Immer ist der Monatswechsel von April auf Mai mit Ausgelassenheit, Wärme und Wintervertreiben verbunden. In vielen Gegenden Deutschlands stellt man eine kleine Birke oder Fichte als Maibaum in den Garten der Angebeteten. Sind dessen Bänder überwiegend grün, dann hat der Bursche die Hoffnung, mit diesem Mädel zusammenzukommen. Ist er in Weiß gehalten, so will er, dass die Beziehung noch lange anhält. Mit Rot sagt er ihr, dass er sie inniglich liebt. Dieser Maibaum bleibt dann bis zum 1. Juni stehen. Dann holt ihn derjenige wieder ab, der ihn aufgestellt hat. Üblicherweise wird er dann, wenn die Angebetete ihn mag, zum Essen eingeladen oder mit einem Kasten Bier belohnt.

Den Brauch, einen geschälten und mit Kränzen und Bändern geschmückten Baum zum 1. Mai aufzustellen, gibt es schon seit dem 16. Jahrhundert in Deutschland. Ursprünglich stand der Maibaum für Fruchtbarkeit und Wachstum in der Landwirtschaft, und er sollte vor jeglichem Unheil. Das ist heute meist in Vergessenheit geraten. Er ist ein Symbol, dass der harte Winter endgültig vorbei ist. Die Farbe Grün und die Unendlichkeit des Kranzes in Kreisform stehen aber auch für Vitalität, Leben und den Kreislauf der Natur mit Wachsen, Werden und Vergehen (Winter) und den Neubeginn.

Doch wegen der Corona-Pandemie musste heuer mit der Tradition des Maibaumaufstellens nicht nur in Kastl ausgesetzt werden. Der Dorfplatz bleibt leer und verwaist. Doch die Spaziergänger kommen trotzdem auf ihre Kosten. Gleich vier kleine Maibäume stehen in Privatgärten. Familie Dimper in der Von-Weickmann-Straße hat ihn in den bayerischen Farben geschmückt. In Unterbruck grüßt ein Baum aus dem Garten von Familie Strobl, beim Spielplatz steht ein kleines Exemplar des sonst stattlichen Maibaums in Rot und Weiß geschmückt. Schon seit Jahren stellt Familie Poisel im Wiesenring einen Stamm im Garten auf.

Der Maibaum hat aber noch viele Brüder. So gibt es in der Gegend um Amberg den Brauch, einen Kirwabaum aufzustellen, um den dann herumgetanzt wird und unter dessen Krone das Kirwapaar gekürt wird. Die Trachtenvereine tanzen, vor allem im alpenländischen Gebiet, gerne um einen Bänderbaum und erstellen tanzend ein Flechtwerk. Oft wird zu einer Hochzeit ein Storchenbaum aufgestellt, der das Brautpaar daran erinnern soll, nur fleißig am Nachwuchs zu arbeiten und neues Leben hervorzubringen. Im nördlichen Fichtelgebirge werden zu Pfingsten nicht nur grüne Birkenzweige, sondern ein ganzer junger Birkenbaum in den Hausflur gestellt. Und ist ein Dachstuhl aufgebracht, dann wird dort ein kleines Bäumchen zum Hebfest befestigt.

Die Krone symbolisiert mit dem unendlichen Kreisrund der Kränze den Kreislauf der Natur und des Lebens.
Auf diesen Anblick mussten die Kastler Bürger heuer verzichten. Beim traditionellen Aufstellen mit Schwalben wäre man sich viel zu nahe.
Familie Poisel stellt sein Jahren mit den Nachbarn einen Maibaum im Garten auf. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2018, als man nach getaner Arbeit ausgelassen feiern konnte.
Der Maibaum bei Familie Dimper ist in den bayerischen Staatsfarben gehalten.
Der Baum von Familie Strobl grüßt weithin sichtbar.
Familie Poisel im Wiesenring gestaltete ihren Baum in der Farbe der Hoffnung – in Grün, passend zum Gefühl, das die Menschen in sich tragen.
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