Der Countdown läuft. Nach 15 Jahren Pause feiert die Gemeinde Kastl im September ihr großes Erntedankfest. Eine Großveranstaltung der Superlative – 10.000 Besucher werden allein beim historischen Umzug erwartet. Alle Fäden laufen in Bezug auf die Organisation im Festausschuss um Vorsitzenden Arno Stahl zusammen. Mit seinen Stellvertretern Lukas Haberkorn und Tanja Steinkohl habe er "alles im Blick", wie er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erzählt.
Eigentlich hätte das Fest – in seinem zehnjährigen Rhythmus – bereits 2020 stattfinden sollen. Aber Corona machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. Als feststand, dass man das Fest 2025 abhalten wolle, nahm der Festausschuss wieder seine Arbeit auf. Insgesamt gehören zwölf Personen dem Gremium an. Manche waren bereits Teil des Ausschusses, es sind aber auch Neulinge dabei. "Ein sehr guter Mix. Ohne dieses Engagement und das der Helfer könnten wir das Fest nicht auf die Beine stellen", lobt Arno Stahl alle Beteiligten. Gearbeitet werde in verschiedenen Teams, die sich um die Bereiche Festablauf, Sicherheit, Verkehr, Verpflegung, Werbung, Finanzen und den historischen Festzug kümmern. Die Gruppen arbeiten selbstständig ihre Aufgaben ab. Über Whatsapp bleibe man in Kontakt, vieles könne über den kleinen Dienstweg geregelt werden.
Extra Parkplatz für E-Bikes
Etwa ein Jahr vor dem Umzug waren die Grundplanungen bereits abgeschlossen. "Die Verträge mit den Musikgruppen, der Brauerei und dem Zeltverleih sind unterschrieben", sagt Arno Stahl. In allen Bereichen mussten neue Angebote eingeholt werden. Keine einfache Aufgabe. Manche Betriebe hätten sich während der Pandemie geschäftlich verändert, auch würden sich die Preissteigerungen bemerkbar machen. Stahl muss während des Telefonats lachen. Auch die Anforderungen an das Fest hätten sich in den vergangenen Jahren verändert. "Vor fünf Jahren hat noch keiner an einen E-Bike-Parkplatz gedacht." Diesen wolle man, auch nach dem Testlauf an der Bio-Meile, mit über 200 Rädern anbieten. "Wir wollen, dass viele Menschen mit dem Rad kommen. So kann die Parksituation etwas entschärft werden", so Stahl.
Ein Höhepunkt des Festwochenendes ist der historische Erntedankzug am Sonntag. Circa 50 Fußgruppen und zahlreiche Motivwagen mit etwa 400 Aktiven haben sich bereits angekündigt, um "das Leben auf dem Lande, wie es früher war" darzustellen. Mit früher ist die Zeit zwischen den 1920er bis 1950er Jahre gemeint. "Wir wollen den Besuchern zeigen, wie das alltägliche Leben abgelaufen ist, wie beschwerlich; aber auch, wie regional und nachhaltig es war", sagt Arno Stahl. Kleidung und Gerätschaften sollen dabei so authentisch wie möglich sein. Im Winter wolle man wieder Holzschuhe herstellen, im Frühjahr auf historischem Weg Getreide säen. Präsentiert wird das gesamte Bauernjahr. Von der Aussaat bis zur Ernte. Gezeigt werden unter anderem eine Hausschlachtung, das Wäschewaschen, die Kindstaufe sowie die Bauernhochzeit und der Weiberfasching. Auch eine historische Schulklasse wird wieder Teil des Umzugs sein. Vorbereitet werden die einzelnen Themen in den Dorfgemeinschaften und Vereinen der Gemeinde und der Pfarrei Kastl sowie den Ortschaften Kaibitz, Löschwitz und Hessenreuth.
"Brutale Zeit" hinter sich lassen
Der Zug durch den Ort hat in Kastl eine lange Tradition. Schon in den 1920er Jahren gab es Umzüge mit geschmückten Leiterwagen. Der erste größere fand bereits 1934 statt, weiß Hans Walter. Seine Großeltern, Hans und Magdalena Walter, seien das erste Bauernhochzeitspaar gewesen. Als Lokalhistoriker recherchiert der Bürgermeister schon länger zu den Hintergründen. Erntedankzüge gab es bereits in den 1920er Jahren. Unter der Spanischen Grippe sowie dem Ersten Weltkrieg habe die Bevölkerung sehr gelitten, wegen der Missernten gab es nur wenig zu essen. Hinzu kam die Hyperinflation 1923 oder die Weltwirtschaftskrise 1929. "Es war eine brutale Zeit", so Hans Walter. In den 1930er Jahren sei es durch die Mechanisierung der Landwirtschaft und den Einsatz von Kunstdünger wieder bergauf gegangen. "Mit den Umzügen konnte man diese Zeit der Entbehrungen hinter sich lassen." Nach dem Zweiten Weltkrieg fand der Erntedankumzug, wie man ihn heute kennt, in unregelmäßigen Abständen ab 1954 wieder statt. Initiiert hatte ihn der Katholische Burschenverein. Seit den 1980er Jahren gibt es ihn alle zehn Jahre.
Drei Tage wird das Erntedankfest im September dauern. Den Auftakt machen am Freitagabend die Troglauer, die "für Stimmung sorgen und auf die Großveranstaltung einstimmen werden", so Arno Stahl. Gefeiert wird in einem 2000-Mann-Zelt auf dem Festplatz. Am Samstag ist ein Festgottesdienst samt Kirchenzug vorgesehen. "Mir ist wichtig, dass wir bei all dem Kommerz den Ursprung des Erntedankfestes nicht vergessen", sagt Arno Stahl. Kemnaths Stadtpfarrer Thomas Kraus werde den Gottesdienst mit Segnung der Erntekrone zelebrieren. Danach finde der Heimatabend mit der Stadtkapelle Kemnath statt. Nach dem Erntedankzug am Sonntag lädt der Festausschuss dann zum Erntetanz mit den "Lederhosen Lackl" ein.
Mittlerweile steht auch schon fest, wer in die Rolle des Austragsehepaars schlüpft – Genaueres wollte Walter aber noch nicht verraten. Nur so viel: „Ein Kastler Phänomen.“ Für den Erntedankzug hat auch schon der Bayerische Finanz- und Heimatminister Albert Füracker seine Teilnahme zugesagt. Für die historische Schulklasse könne man noch Kinder brauchen, ebenso alte Kleidung – vom Holzschuh bis zum Zylinder.
Alle Informationen zum Fest und dem historischen Erntedankzug können Besucher auf der neuen Internetseite (www.erntedankfest-kastl.de) sowie auf dem Facebook-Profil nachlesen. Weitere Helfer seien jederzeit willkommen und können sich beim Festausschuss melden. Ebenfalls gesucht werden noch historische Arbeitskleidung sowie Festtrachten aus den Jahren 1920 bis 1950 sowie Kuchenspenden für Sonntagnachmittag.
Erntedankfest 2025
- Wann: 12. bis 14. September 2025
- Rhythmus: alle zehn Jahre, zuletzt 2010, 2020 wegen Coronapandemie entfallen
- Veranstalter: formal Gemeinde Kastl, Organisation: Festausschuss aus Vertretern der Vereine, Dorfgemeinschaften und Gruppierungen in der Gemeinde und der Pfarrei, wie auch die Ortschaften Kaibitz, Löschwitz und Hessenreuth
- Festleitung: Arno Stahl, Stellvertreter: Lukas Haberkorn und Tanja Steinkohl
- Infos: www.erntedankzug-kastl.de, Facebook: "Erntedankfest 2025 in Kastl"























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