28.08.2018 - 09:22 Uhr
Kastl bei KemnathOberpfalz

Nah bei kenianischen Kindern

Macheten, Ameisen, Ratten und dazwischen viele Kinder. Die angehende Erzieherin Lisa Engelbrecht aus Birkhof bei Kastl absolvierte ein Praktikum in Kenia.

Lisa Engelbrecht mit ihren beiden Patenkindern Tsuma und Bonze.
von Holger Stiegler (STG)Profil

(stg) Spannende und aufregende Wochen liegen hinter Lisa Engelbrecht aus Birkhof (Gemeinde Kastl): Ein Praktikum in ihrer Ausbildung hat die 20-Jährige für eineinhalb Monate nach Kenia geführt. Lisa Engelbrecht, die 2015 erfolgreich ihren Schulabschluss an der Wirtschaftsschule Eschenbach abgeschlossen hat, absolviert derzeit ihre Ausbildung an der Fachakademie für Sozialpädagogik in Hof, die sie 2020 als Erzieherin beenden will.

"Das Praktikum ist verpflichtend, man kann sich aber aussuchen, wo genau man es absolvieren will", erzählt Lisa. In ihr war schon lange der Wunsch herangereift, dies in Kenia zu machen, um dabei auch mal ein anderes Land und eine andere Kultur kennenzulernen. "Mein Gedanke war, dass mir hier die Augen geöffnet werden, wie gut es einem eigentlich selbst geht", sagt die Birkhoferin. An zwei "Stationen" im Raum Mombasa war die angehende Erzieherin tätig - erst eine kurze Zeit in der Utange Primary School, im Anschluss an der Good Shephard Community Nursery School. "In der Utange Primary School habe ich vor allem mit geistig behinderten Jugendlichen zwischen 12 und 21 Jahren gearbeitet", berichtet sie. Dazu gehörte die Begleitung zum Unterricht, das gemeinsame Lösen von Mathematikaufgaben oder auch das Vervollständigen von Arbeitsblättern.

Deutlich jünger waren die Kinder an der zweiten Station, die etwa der deutschen Vorstellung von einem Kindergarten entsprach. Zu den Aufgaben von Lisa gehörten beispielsweise das Lernen und Singen von deutschsprachigen Liedern, das Bemalen von T-Shirts, Tanzen und noch vieles mehr. "Absolutes Highlight für die Kinder war das Kneten", erinnert sich die Oberpfälzerin. Insgesamt gab es für die 55 Kinder und das Personal drei Räume. "Die Einrichtung war sehr einfach", erzählt Lisa. Das wusste sie aber auch schon zuvor, deshalb hatte 20-Jährige bereits vor ihrem Praktikum bei Bekannten und Freunden um Spenden gebeten, mit denen sie vor Ort zusätzlich helfen konnte. So waren insgesamt knapp 4000 Euro zusammengekommen.

Ein Aufenthalt in einem unbekannten Land geht nicht spurlos an einem vorbei und ist mit vielen neuen Erfahrungen verbunden. Der tägliche Fußweg zum Kindergarten führte beispielsweise an den meist kargen Lehmhütten vorbei, mitten durch die Slums. Reichtum und Armut würden in der Region oft aufeinanderstoßen. Passiert ist es ihr beispielsweise auch, dass sie zu einer Situation dazukam, als ein Mann von einem anderen Mann mit einer Machete (Waffe) bedroht wurde. Vergleichsweise harmlos waren dann die Begegnungen mit Schlangen im Kindergarten und auch in ihrer Unterkunft. "An manches gewöhnt man sich, wie Ameisen im Bett, allerdings nicht an Ratten auf dem Balkon", meint Lisa im Rückblick.

Sie räumt ein, dass ihr Aufenthalt in Kenia auch eine "harte Zeit" gewesen sei: Diese Erfahrung lehrt einen, den Luxus sowie den Überschuss in unserem Land wertzuschätzen. Andererseits war deutlich ersichtlich, dass die Menschen dort mit wenigen Dingen im Leben zufrieden sind.

Die in Deutschland gesammelten Spenden investierte Lisa in Dinge, die vor Ort von großer Bedeutung sind - Nahrungsmittel wie Bohnen, Reis und Öl, aber auch Bücher für beide Einrichtungen. Besonders angenommen hat sie sich der zwei Geschwisterkinder Tsuma und Bonze, für die sie eine Patenschaft übernommen hat. Eine Patenschaft, die sie auch von Deutschland aus weiter pflegen wird.

Lisa hat Kenia während der Zeit ihres Praktikums sowohl kennen als auch lieben gelernt, die Kosten für den Aufenthalt - von den medizinischen Untersuchungen im Vorfeld über den Flug und die Unterkunft bis hin zu den Lebenshaltungskosten vor Ort - hat sie aus eigener Tasche finanziert. "Und ich möchte auf alle Fälle wieder einmal in das Land zurück, schon alleine um meine beiden Patenkinder Tsuma und Bonze zu besuchen", betont sie.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp