30.10.2019 - 11:21 Uhr
Kastl bei KemnathOberpfalz

Nicht nur auf Fichte geeicht

Etwa 20 Waldbesitzer informierten sich im Gasthaus Vetter bei der Gebietsversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Kemnath über die aktuelle Situation im Wald und auf dem Holzmarkt. Neben der Trockenheit gibt es auch noch andere Probleme.

Erster Vorsitzender Josef Hösl (links) und Geschäftsführer Walter Ehlich informierten bei der Gebietsversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Kemnath die Waldbesitzer über die Situation bei der FBG, im Wald und am Holzmarkt.
von C. & W. RupprechtProfil

Walter Ehlich, FBG-Geschäftsführer, berichtete von massiven Schäden an der Fichte, die auf drei aufeinanderfolgende extreme Sommer zurückzuführen seien. Die Vorschäden wegen des Wassermangels führten dazu, dass der Borkenkäfer leichtes Spiel hat und nun große Probleme bereitet. Hinzu kommen Schäden durch Wind. Das dadurch entstandene Käfer- und Schadholz biete viel Brutraum für Käfer. Erschwerend komme hinzu, dass auch noch die Witterung für den Borkenkäfer günstig war. Die Situation sei aber nicht überall gleich schlimm, merkte Ehlich an.

In Tschechien gebe es massive Probleme mit der zwei- bis dreifachen Menge an Holzeinschlag. Die tschechische Holzindustrie werde mit den Massen nicht fertig. Dies führe dazu, dass angrenzende Länder wie Deutschland große Mengen importieren und verarbeiten.

Rechtzeitig aufarbeiten

Viel Holz komme auch aus angrenzenden Regionen innerhalb Deutschlands zu uns. In Mitteldeutschland habe das Orkantief Friederike im Januar 2018 sehr viel Holz geworfen. Da bei solchen Mengen die Aufarbeitung nicht schnell genug erfolgen konnte, kam es danach zu einer Massenvermehrung der Borkenkäfer.

Ehlich betonte, dass das Holz rechtzeitig aufgearbeitet werden müsse, damit es für die intakten Bestände keine Gefahr mehr darstellt. In einigen Regionen Frankens falle mittlerweile auch die Kiefer flächig aus. Auch hier seien lange Trockenheit und Hitze ein Problem.

Zahlreiche Waldbesitzer waren der Einladung der FBG zur Gebietsversammlung gefolgt.

Die eigene FBG sei bisher gut weggekommen, auch wenn es heuer deutlich mehr Schadholz gibt. Probleme gebe es vor allem in der Basaltregion, an Südhängen und bei nährstoffarmen sowie steinreichen Böden. Bis Juni gab es wenige Schadensmeldungen - aber darauf folgte eine rasante Entwicklung nach oben. Um den Waldbesitzern zu helfen, haben die Behörden eine zusätzliche Fachkraft eingestellt. Sie kontrolliert die Bestände auf Befall und informiert die Waldbesitzer. Grundsätzlich sei es aber die Pflicht der Waldbesitzer, ihre Bestände selbst zu kontrollieren und bei Befall das Holz waldschutzwirksam aufzuarbeiten.

Vom Holzmarkt berichtete Ehlich, dass sich die bei uns ohnehin starke Sägeindustrie auf das Käferholz eingestellt hat. Trotz des vorhandenen Überangebots kann momentan das Käferholz noch am Markt abgesetzt werden. Die Holzpreise sind seit Jahresanfang allerdings um circa 50 Prozent eingebrochen und liegen mittlerweile auf Brennholzniveau. Aber auch die Brennholzlager sind zum Teil schon voll.

Hoffen auf Regen

In anderen Regionen zeichnet sich teilweise ein ganz anderes Bild ab. Die Vermarktung ist um ein Vielfaches problematischer als bei uns. Im Süden war der Witterungsverlauf auch ein ganz anderer, es gab immer ausreichend Niederschlag. Da in Lagen unter 500 Metern eine dritte Käferpopulation angelegt wurde, ist eine Entspannung derzeit nicht in Sicht. Helfen würde ein nasser und kalter Winter und ein verregnetes Jahr 2020, sagte Ehlich.

Bei der Borkenkäferbekämpfung helfe nur rechtzeitiges Aufarbeiten. Das am Markt angebotene Gift sei ein Kontakt- und kein Fraßgift. Es komme systembedingt nicht unter die Rinde und helfe deshalb kaum, erklärte Ehlich. Da sich der Borkenkäfer innerhalb von etwa sechs Wochen entwickelt, müssten Waldbesitzer ihren Blick schärfen und rechtzeitig aufarbeiten, wenn ein Befall erkannt wird. Typischer Indikator für einen Befall sei Bohrmehl.

Vorwahlen:

Vorsitzender Josef Hösl kündigte an, in der kommenden Jahreshauptversammlung im Gasthof Kormann am 2. April nicht mehr zu kandidieren. Dort wurde die Forstbetriebsgemeinschaft vor 30 Jahren von 26 Waldbesitzern auch gegründet. Bei dieser Jahreshauptvesammlung müssen dann mehrere Posten neu besetzt werden. Bei den jetzigen Vorwahlen wurden Roland Dimper und Josef Zeitler für weitere fünf Jahre als Obmänner bestätigt.

Als Waldbesitzer reagieren:

Eine frohe Botschaft für die Waldbesitzer hatte Forstamtsrat und Revierleiter Heribert Johannes Bradtka: Der Wald im Landkreis Tirschenreuth wird nicht untergehen.

Die Fichte wurde im 18. Jahrhundert, als es noch kühler war, in unserer Region eingeführt. Dem war ein Raubbau an unseren Wäldern vorausgegangen, berichtete Bradtka. Das Problem bei der Fichte sei, dass sie es nicht verträgt, wenn es über Jahre zu trocken ist.

Auf die veränderte klimatische Situation müssten die Waldbesitzer reagieren, erklärte Bradtka. Er rät ihnen, aktiv keine Fichten mehr zu pflanzen. Richtig sei es, nun eine breite Streuung von Baumarten anzustreben. Dies komme auch einer Risikominimierung gleich.

Die Douglasie habe sich bei uns bewährt. Sie komme mit Trockenheit und Hitze besser zurecht und ist so der Fichte überlegen. Bradtka empfiehlt den Waldbesitzern, die Douglasie mit Wurzelballen zu kaufen, da sie beim Pflanzen empfindlich sei. Auch Lärche, Weißtanne, Winterlinde, Bergahorn, Rot- und Hainbuche sowie Birke funktionierten hier bei uns.

Auch aus anderen Ländern stammende Baumarten wie Libanonzedern, die amerikanische Roteiche oder die Baumhasel kämen infrage. Die Baumhasel komme mit Frost und Trockenheit zurecht. Die aus dem Libanon, der Türkei und Syrien stammende Libanonzeder wurzle bis zu sieben Meter tief und komme auch mit Trockenheit gut zurecht. Sie wachse schnell und biete eine gute Holzqualität. Derzeit liefen aber noch Forschungen auf Versuchsplantagen.

Bradtka wies darauf hin, dass es für die Jungbestandspflege Geld gibt. Auch das Pflanzen von Nadelhölzern, die Fichte ausgenommen, werde gefördert, so lange der Anteil der Nadelhölzer den Anteil von 50 Prozent nicht überschreite.

"Der Fördertopf in Bayern für 2020 ist gut gefüllt", wusste Bradtka. Die Forstverwaltungen stehen den Waldbesitzern beratend zur Seite. (rpp)

Forstamtsrat und Revierleiter Heribert Johannes Bradtka zeigte wie die Waldbesitzer auf die veränderten klimatischen Bedingungen reagieren sollen.
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Kommentare

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Maria Estl

Der VLAB-Vorsitzende Johannes Bradtka verkauft als Förster Binsenweisheiten als „Frohe Botschaft“. Jeder halbwegs Informierte weiß mittlerweile, dass die Fichte Trockenheit nicht verträgt. Und die von Bradtka angepriesene Libanon-Zeder im Landkreis Tirschenreuth oder gar die mit Wurzelballen zu pflanzende (!) Douglasie, die beim Pflanzen empfindlich reagiert, soll das die Zukunft sein? Außerdem sind Versuchsreihen zum Wachstum dieser Baumarten auf Plantagen noch nicht abgeschlossen. Diese und auch alle anderen von ihm erwähnten Alternativen müssen erst mal anwachsen und dann Jahre möglicher Hitze- oder anderer Extremwetter überdauern. Das dürfte bei Rekordsommern wie den beiden letzten mehr als fraglich sein. Zum Teil sind mehr als die Hälfte von neu gepflanzten Stecklingen vertrocknet. Oder betreut Herr Bradtka jeden einzelnen neu gepflanzten Baum, indem er ihn gießt?
Die einzig gangbare Alternative ist, den von Menschen in den Industrieländern durch zu viel CO2-Ausstoß verursachten Klimawandel sofort einzudämmen. Das geht, indem wir schnellstens aus den fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und auch Gas aussteigen. Atomenergie verbietet sich von selbst. Wir brauchen 100% Erneuerbare. Diesen Umstieg torpedieren Bradtka und seine Kollegen von der „Vernunftkraft“ jedoch beständig, indem sie Windkraft und auch PV verteufeln.

31.10.2019