Kastl bei Kemnath
05.06.2018 - 16:17 Uhr

Auf Schusters Rappen von Kirche zu Kirche

32 Wallfahrer starten in Kastl, am Ende füllen Pilger die ganze Basilika in Gößweinstein. Dazwischen liegen ein langer Weg, viele Freude, Freunde und Frieden. Erstmals führen die Wallfahrer eine Pilgerkerze mit.

Fußwallfahrt von Kastl nach Gößweinstein rpp
Fußwallfahrt von Kastl nach Gößweinstein

(rpp) In Kastl gibt es seit 1866 jedes Jahr einen festen Termin im Kalender der Pfarrgemeinde, den der Wallfahrt nach Gößweinstein. 32 Pilger versammelten sich am Freitagabend mit ihren Angehörigen in der Kirche St. Margaretha, um dafür den Segen zu erbitten. Pfarrer Heribert Stretz dankte Wallfahrtsleiterin Frieda Zeitler und ihrem Vorbereitungsteam für die Organisation der Wallfahrt. Ein Lob galt auch den Feuerwehren Kastl und Unterbruck sowie von einem Team des Roten Kreuzes aus Kemnath für die Absicherung und Begleitung. In seiner Ansprache verglich er die Pilger mit dem wandernden Volk Israel, das durch die Wüste zog im festen Glauben auf Gott. Er wünschte den Gläubigen Gottes Segen auf ihrem Weg, damit der Glauben wachsen könne.

Festen Schrittes zogen die Pilger dann hinaus in die Nacht. Die Anwohner hatten mit Windlichtern wieder den Weg gesäumt und sich so von den Freunden und Bekannten verabschiedet. Mit dem Lied "Großer Gott, wir loben dich", Gebeten und Liedern im Wechsel führte sie Frieda Zeitler dem 54 Kilometer entfernten Ziel entgegen.

Die ersten Etappen waren noch gut zu meistern. Im Licht von Taschenlampen erreichten die Gläubigen bis Mitternacht Münchsreuth und machten um 2 Uhr in Sassenreuth eine weitere, etwas längere Pause. Dabei wurde ihnen der Weg nicht nur in Kastl und Unterbruck mit Windlichtern erleuchtet. "Heuer waren sogar einige Bürger in den Etappenzielen wach und haben auf uns gewartet", berichteten die Teilnehmer. Bei der Station Troschenreuth/Neuhof um 4.45 Uhr fiel es dann schon schwerer, sich wieder auf den Weg zu machen.

Doch viele, die schon einmal dabei waren, bestätigten, dass die Gebete und Gesänge geholfen haben, sich zu zentrieren. "Vielleicht lag es auch daran, dass man Zeit hat, Gott in den Mittelpunkt rücken zu lassen. Man wird anders, ruhiger, klarer." "Es wird nicht immerzu gesungen und gebetet. Es gibt auch Zeiten der Ruhe. In diesen Momenten entwickeln sich auch Gespräche mit den anderen Teilnehmern, die helfen, so manches Problem, das man mit sich genommen hat, in einem anderen Licht zu sehen", berichteten andere. Die Wallfahrt bringe Licht in die persönliche Dunkelheit.

Die nächste längere Pause war schließlich gegen 6 Uhr in Pegnitz. Dort stieß die zweite Kastler Wallfahrtsgruppe dazu, die mit dem Bus oder dem eigenen Pkw angereist war und die die letzten 20 Kilometer mitmarschierte. Sie spornte die "Nachtwanderer" an. An zwei weiteren kurzen Aufenthalten beim Kapellenhof und in Pottenstein wurden nochmals die Kraftreserven mobilisiert. Beim Mittagsläuten zogen die Gläubigen aus Kastl müde, aber glücklich in Gößweinstein in die Basilika ein. Im Gepäck hatten sie, gut verpackt, eine reich verzierte Kerze mit dem Bild der Krönung Mariens im Himmel durch Jesus sowie dem Symbol der Heiligen Dreifaltigkeit und der Taube für den Heiligen Geist. Erstmalig wurde diese Pilgerkerze mitgeführt und im Gottesdienst gesegnet.

Nach einer kleinen Schlafpause feierten später am Abend alle einen Pilgergottesdienst in dem barocken Gotteshaus auf dem Gößweinsteiner Bergfelsen. Die Kirche wurde von 1730 bis 1739 erbaut und gehört zu den bedeutendsten Bauten der spätbarocken Architektur in Franken. Sie gilt als sakrales Meisterwerk des bekannten Baumeisters Balthasar Neumann.

Sichtlich gelöst wurde danach im Gasthaus Krone zu Abend gegessen und Bewegendes, aber auch so manches Schmankerl des Wallfahrtsweges mit einem Augenzwinkern erzählt. Dann begaben sich fast alle sehr gerne auf den "Federnball", schließlich waren die Teilnehmerteils seit fast 35 Stunden auf den Beinen.

Am Sonntagmorgen liefen die ganz "Hartgesottenen" wieder nach Pegnitz zurück. Dieses Mal war es eine besonders große Gruppe von 48 Pilgern, die mit dem Bus von Pegnitz bis Neustadt am Kulm fahren durften. Sie zogen von dort aus wieder zu Fuß nach Kastl und dankten in der Kirche St. Margaretha für den unfallfreien Weg und Gottes Segen. Im Pfarrhof hatten Mitglieder der Kirchengemeinde ein gemütliches Beisammensein mit Kaffee, Kuchen, Schokoladentorte sowie Bratwürsten und Semmeln vorbereitet.






Fußwallfahrt von Kastl nach Gößweinstein rpp
Fußwallfahrt von Kastl nach Gößweinstein
Fußwallfahrt von Kastl nach Gößweinstein rpp
Fußwallfahrt von Kastl nach Gößweinstein
Fußwallfahrt von Kastl nach Gößweinstein rpp
Fußwallfahrt von Kastl nach Gößweinstein
Fußwallfahrt von Kastl nach Gößweinstein rpp
Fußwallfahrt von Kastl nach Gößweinstein
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.