27.09.2020 - 12:08 Uhr
Kastl bei KemnathOberpfalz

In Unterbruck Kartoffelernte wie anno dazumal

von C. & W. RupprechtProfil

Kartoffeln zu ernten macht schon den Kleinsten Spaß. Mit altem Gerät ist es noch viel anschaulicher und interessanter. Vier Familien aus der Gegend trafen sich dazu auf dem Acker von Marga Boemmel in Unterbruck.

Dort bebauen die Familie Boemmel, die Familie Nickl aus Eschenbach, Johanna Sulzbacher und Familie Kneidl aus Kastl gemeinsam einen Garten. Der Acker ist aufgeteilt in Gemüsebeete, Kartoffelacker und Blumenbereich für die Insekten und Vögel.

"Es baut jeder das Gemüse an, das seine Familie am liebsten mag. Gedeiht ein Gemüse besonders gut, wird der Überschuss an die anderen Familien abgegeben. Wir haben hier eine wunderbare Gemeinschaft", erzählt Christa Kneidl. Auch bei den Kartoffeln ist die Sortenvielfalt gegeben. Jeder Familie stehen zwei Ackerbeete zur Verfügung.

Geerntet wurden die leckeren Knollen mit einem Vorratsroder, der die Kartoffeln aus der Erde hebt und seitlich auf die Erde wirft. Das war für die Kinder natürlich ein besonderes Erlebnis. Sie klaubten fleißig auf, was der Roder aus der Erde holte. Für die Mädchen und Buben gab es aber noch viel mehr zu sehen, denn bei den angrenzenden Sonnenblumen gab es viele Bienen und Schmetterlinge zu beobachten und zu bestaunen.

Hintergrund:

Seit 17. Jahrhundert Kartoffelanbau in Deutschland

Kartoffeln sind ein vielseitiges Gemüse. Über den Anbau aber weiß kaum noch jemand Bescheid, und auch aus den landwirtschaftlichen Flächen sind sie in der Region fast verschwunden. Dabei hat sie viele Familien früher ohne Hunger durch den Winter gebracht.

Es gibt Kartoffeln in vielen verschiedenen Sorten. Das hatten sich schon die Peruaner zunutze gemacht, die die Kartoffel auch heute noch in großen Höhen auf den Bergen anbauen. Sie steckten verschiedene Sorten und konnten so die klimatischen Unterschiede ausgleichen. Die Ernte war dadurch stets gesichert. Andere Ursorten stammen aus dem Gebiet zwischen dem westlichen Venezuela bis nach Argentinien und dem Süden Chiles.

Wie die Kartoffel nach Europa kam, ist nicht sicher geklärt. Nachweislich machte sie 1567 Zwischenstation auf den Kanarischen Inseln. Von Spanien gelangte sie nach Italien und breitete sich dann in Europa aus. 1596 gelingt der erste Nachweis, da sie in einem Pflanzenkatalog verzeichnet war.

In Deutschland wurden die ersten Kartoffeln unter der Regierung von Ferdinand III. 1647 in Pilgramsreuth bei Rehau angebaut. Sehr früh baute auch ein Landwirt in Raumetengrün bei Marktleuten Kartoffeln an. In den vergangenen 20 Jahren ist der Kartoffelanbau in Deutschland um die Hälfte zurück gegangen. Weltweit werden mittlerweile über 7000 Sorten angebaut. Die Produktion hat in Asien stark zugenommen.

Anfangs wurde sie wegen den schönen Blüten, die die Farben Weiß, Rosa oder Zartlila haben, in den botanischen Gärten der reichen Bevölkerung angebaut. Die Knollen der Pflanze halfen über so manche Hungersnot hinweg, wenn die Getreideernte den Witterungseinflüssen nicht standhielt.

Das Wort Kartoffel leitet sich von Taruffel (17. Jahrhundert) ab, das mit der italienischen Bezeichnung tartufolo für Trüffel verwandt ist. Dies wiederum ist von dem lateinischen terrae tuber (Erdknolle) abgeleitet. Heute ist die Kartoffel aus der Küche nicht mehr wegzudenken. Zudem gilt sie als Bodenverbesserer, der die Erde lockert und Unkraut verringert.

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