07.06.2019 - 15:33 Uhr
Kemnath am BuchbergOberpfalz

Wie der erste Haflinger nach Kemnath am Buchberg kam

Gerade mal 150 Jahre ist es her, als 1874 mit der Geburt eines Hengstfohlens aus der Kreuzung einer edlen Landstute und eines orientalischen Halbbluts die Geschichte der Haflinger in Südtirol begann. Es gibt sie aber auch hier.

Der erste Pfingstritt 1965, den Josef Reng mit dem Kreuz anführte.
von Adele SchützProfil

Als Arbeitspferde kamen die Haflinger schnell nach Deutschland - später auch nach Kemnath am Buchberg. 1957 brachte Dorfschmied Alois Birner diese Rasse mit ihren ureigenen Charme hierher. Der 90-Jährige und sein Mitstreiter Josef Reng als Pioniere der Haflingerzucht in der Oberpfalz und einzige noch lebende Gründungsmitglieder des Vereins "Haflingerzüchter und Pferdefreunde Kemnath a. B." erinnern sich, wie das war mit den ersten Haflingern am Buchberg.

Die erste Fahnenweihe 1967 in Kemnath a.B. mit Fahnenjunker Josef Reng (Zweiter von links) und Fahnenbraut Christa Rom (Mitte) mit Begleitdamen Rosmarie Reng (links) und Annemarie Rester (rechts). Sogar der damalige Ministerpräsident Alfons Goppel (Zweiter von rechts) kam deswegen nach Kemnath a.B.

Einen eigenen Kopf

Abenteuerlich klingt die Geschichte von den Anfängen hier, die Alois Birner erzählt. "Schon immer haben mich die Haflinger wegen ihrer Eleganz und ihrer Intelligenz begeistert, die sowohl als Reit- als auch als Arbeitspferd einsetzbar sind", erinnert sich der "Birner Schmied". Dass sie auch ihren eigenen Kopf hätten und man wissen müsse, wie man sie anzupacken habe, weiß Birner längst.

Wegen seines Interesses an den Haflingern habe er in den 50er-Jahren häufig Pferdemärkte in Oberbayern besucht. 1957 habe ihn dann der Charme der Haflingerstute "Weibl" in Ruhpolding überwältigt. Nach dem Kauf des edlen Tieres stellte sich für Birner die Frage, wie er sein "Weibl" nach Kemnath bringe, denn sein Auto hatte keine Anhängerkupplung und für einen Transport mit dem Traktor war der Weg zu weit. Unterstützung bekam er von Alfons Weidner aus dem Dorf, der die Stute in Oberbayern auf die Bahn verlud, mit der sie am Heiligen Abend in der Früh in Wernberg ankam. Dort holte sie Weidner ab, um sie über Neunaigen nach Kemnath zu treiben. Es muss eisig kalt gewesen sein: Weidner erfror sich bei dem Unternehmen Daumen und Zeigefinger. Somit war Heiligabend 1957 die Geburtsstunde der Haflinger in Kemnath.

Birner kaufte 1961 den Haflingerhengst "Stein" dazu, der ab der Döswitzer Kreuzung mit Blaskapelle in Anwesenheit von Bürgermeister Ernst Piehler ins Dorf gebracht wurde. Die Haflinger stießen in Kemnath auf Begeisterung, besonders bei Josef Reng. Er kaufte von Birner das erste Fohlen und begann ebenfalls mit der Zucht. An die zehn Männer waren es, die Anfang der 60er-Jahre die Haflinger-Zuchtgenossenschaft gründeten, darunter die Initiatoren Alois Birner und Josef Reng sowie Josef Bierler, Alfons Weidner, Emmeran Lorenz und Josef Luber. Unterstützung fanden sie in Pfarrer Josef Urban, dem damalige Nabburger Landrat Hans Werner und in Kemnaths Bürgermeister Ernst Piehler. Die offizielle Gründung wird auf 1965 datiert, das Jahr indem der erste Pfingstritt stattfand. Birner und Reng erinnern sich, dass es vorher Pferdeumzüge gegeben habe.

Pfarrer Urban habe laut Birner als Ziel des Pfingstritts die Sebastianikapelle auf dem Kalvarienberg vorgeschlagen. Der Geistliche musste sich jedoch vor dem Pfingstritt mit Pferdesegnung und Festmesse die oberhirtliche Erlaubnis aus Regensburg einholen, weiß Birner. Josef Reng, Lorenz Götz, Xaver Hausmann und Josef Kumeth haben es, nach seinen Aussagen, für angebracht erachtet, die Kapelle mit einer Glocke auszustatten, die sie auf Eigeninitiative finanziert haben.

Nicht nur Ministerpräsident Alfons Goppel kam zur Fahnenweihe 1967 nach Kemnath a.B., sondern auch eine überwältigend große Zahl an Besuchern fand sich auf den Kemnather Fußballplatz dazu ein.

Mit Alfons Goppel

"Gerade 16 Pferde waren beim ersten Pfingstritt dabei und gerade mal 16 Mark hatten wir zur Ausrichtung in der Kasse", erinnert sich Birner. Stolz berichtet er, dass es dann alle Jahre mehr Rösser geworden seien, die sich zum Pfingstritt einfanden - und dadurch auch mehr Besucher. Großes Interesse der Öffentlichkeit habe die Fahnenweihe 1967 erfahren, zu der sogar der damalige Ministerpräsident Alfons Goppel kam.

„Sogar eigene Pferdemärkte haben wir in Kemnath am Dorfplatz in den 70er-Jahren abgehalten, weil uns die Oberbayern als starke Konkurrenz auf ihren Märkten nicht haben wollten“, weiß Alois Birner.

Er trieb nicht nur die Hengstaufzucht in Kemnath mit dem Kauf des Hengstes „Nadin“ 1982 stark voran, der den besten Haflingernachwuchs weltweit hervorbrachte.

Vielmehr forderte die Haflinger-Zuchtgenossenschaft aufgrund der Nachfrage eine Öffnung für alle Pferderassen. 1981 ging sie nahtlos in den heutigen Verein „Haflingerzüchter und Pferdefreunde Kemnath a. B.“ über, den Lorenz Gebert als Vorsitzender leitet. Er freut sich, dass der Verein mit 220 Mitgliedern aus ganz Deutschland bestens aufgestellt ist. Gebert bedauert gleichzeitig, dass die Zucht unter den Mitgliedern rückläufig sei. Gründe sieht er in der mühevollen Aufzuchtarbeit und den Kosten, die sie verursacht.

Lorenz Gebert lädt alle Freunde der Haflinger und anderer Pferderassen zum alljährlichen Pfingstritt mit Pferdesegnung, Festmesse und anschließenden Festbetrieb am Pfingstmontag, 10. Juni, ein.

Dieser beginnt ab 8.30 Uhr mit Aufstellung des Reiterzuges und der Fahnenabordnungen auf dem Kirchplatz in Kemnath, mit dem Standkonzert der Kapelle Buchbergecho und den Jagdhornbläser aus Nabburg.

Die Pioniere der Haflingerzucht und Gründungsväter des Vereins „Haflingerzüchter und Pferdefreunde Kemnath a.B.“ Josef Reng (links) und Alois Birner (rechts) mit dem Vereinsvorsitzende Lorenz Gebert (Mitte) an der Sebastianikapelle als Ziel des alljährlichen Pfingstritts.
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