26.02.2019 - 15:51 Uhr
Kemnath am BuchbergOberpfalz

Talenttauschbörse: Biete Stricksocken, suche Gartenhilfe

Jeder kann etwas besonders gut - und braucht vielleicht etwas, was es nirgends zu kaufen gibt: Die Talenttauschbörse will Menschen vernetzen und lenkt den Blick dabei auf die kleinen Dinge.

Auch Hausaufgabenhelfer können bei der Talentbörse in Kemnath ihre Dienste anbieten.
von Redaktion ONETZProfil

Am Sonntag Nachmittag hatte Theresia-Nickl-Obermeier zum ersten Mal zur Talenttauschbörse in das Bernstein-Café in Kemnath am Buchberg eingeladen. Ein sehr altes und ebenso einfaches Prinzip soll hier wieder zum Leben erweckt werden: die Nachbarschaftshilfe. Tatsächliche Nachbarschaft ist dabei aber gar nicht nötig.

Und die Tauschbörse ist nicht nur auf Talente beschränkt: Auch landwirtschaftliche Produkte dürfen getauscht werden. "Es ist alles erlaubt, dieser Raum darf auch genutzt werden, um zum Beispiel ein Projekt vorzustellen", erklärt die Initiatorin Thereisa Nickl-Obermeier.

Die Resonanz auf die Facebook-Einladung zur Tauschbörse sei groß gewesen. Ein knappes Dutzend Tauschwilliger hat sich dann am Sonntag Nachmittag in dem kleinen Café eingefunden.

Das erste Gesuch kommt von einer Frau, deren Apfelvorrat gerade zur Neige geht. Der Wunsch wird notiert und an eine Pinnwand gehängt. "Ich notiere die Postleitzahl darunter, damit man weiß, ob sich die Fahrt lohnen würde", erklärt die Organisatorin.

Als nächstes taucht ein Gesuch nach Mathe-Nachhilfe auf - und promt gibt es einen Tausch: Ein älterer Mann ist da, der früher viele junge Leute auf das Abitur vorbereitet hat.

Schon bald werden die Angebote vielfältiger: Massagen stehen zum Tausch, Stricksocken, ein Lehmofen-Baukurs und energetische Hausräucherungen. Schnell ist die Biete-Liste länger als die der Gesuche.

Mancher Fähigkeiten werden sich die Tauschbörsen-Teilnehmern auch erst bewusst, als jemand anderes nach ihnen fragt: So wird eine Imker-Patin vermittelt und Gartenberatung vereinbart. Oft ist es auch nur eine Mail-Adresse oder Telefonnummer, die weitergegeben wird. Und dazwischen finden sich zwei alte Schulfreundinnen wieder. Gemeinsames Backen im Lehmofen wird ausgemacht. Und auch einem hereinschneienden Mann, dessen Auto nicht mehr anspringt, kann geholfen werden.

"Es geht um etwas Ganzheitliches, Nachhaltiges", erklärt Theresia-Nickl-Obermeier, "nicht nur um Nachbarschaftshilfe, sondern auch darum, sich zu vernetzen."

Das ist gelungen - auch wenn nicht alle Gesuche direkt auf ein passendes Angebot getroffen sind. "Ich werde die Liste hinterher auf Facebook stellen, vielleicht findet sich dann noch ein Match."

Die Tauschbörse soll nun regelmäßig stattfinden - etwa zweimal pro Jahr. "Im Frühjahr tauscht man vielleicht andere Sachen als im Herbst", meint die Initiatorin. Und auch diejenigen, die heute noch nichts tauschen konnten, haben zumindest gelernt: "Wer denkt, 'ich kann ja nichts', weiß jetzt, dass das Quatsch ist."

Nachhilfe gegen Massage, Gartenarbeit gegen gestrickte Socken - bei der Talenttauschbörse ist alles erlaubt.
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