19.03.2019 - 15:01 Uhr
KemnathOberpfalz

672 Nachwuchsbrandschützer

Nachwuchskräfte sichern bekanntlich den Fortbestand. Wie es mit den Feuerwehren der Region in Zukunft aussieht, wird die Entwicklung zeigen. Einen Überblick über Zahlen und Aktivitäten der Jugendwehren lieferte die jüngste Versammlung.

Kreisbrandrat Andreas Wührl, Kreisjugendfeuerwehrwart Wolfgang Bauer, sein Stellvertreter Johannes Schmid, Landrat Wolfgang Lippert, Landesjugendfeuerwehrwart Heinrich Scharf, Kreisjugendgruppensprecher Paul Kaseckert, Ersatzdelegierter Marcel Braunreuther, Stellv. Kreisjugendgruppensprecherin Larissa Horn, Kassenprüfer Florian Sölch, und Ersatzdelegierter Dominik Kugler (von links).
von Michael DenzProfil

Als starke Gemeinschaft beweisen sich die Jugendfeuerwehren des Landkreises Tirschenreuth, wenn es um die Aktivität geht. Jugendfeuerwehrwarte und Jugendgruppensprecher der Feuerwehren des Kreises versammelten sich jüngst im Foyer der Kemnather Mehrzweckhalle. Im Bericht des Kreisjugendfeuerwehrwartes Wolfgang Bauer wurde vor allem eines deutlich: Der schleichende Nachwuchsmangel.

Insgesamt 672 Nachwuchskräfte zwischen 12 und 18 Jahren, aufgeteilt in 461 Anwärter und 211 Anwärterinnen, engagieren sich in gesamt 85 Jugendgruppen. Dies brachte die aktuellste Umfrage des Kreisfeuerwehrverbandes zum Vorschein. 102 Landkreiswehren hatten sich an dieser beteiligt. "Fünf Jugendgruppen, die eigentlich Jugendliche in ihren Reihen haben, meldeten, dass diese aktuell kein jugendliches Feuerwehrmitglied verzeichnen", betonte der Kreisjugendfeuerwehrwart in seiner statistischen Aufzeichnung. "Die Tendenz ist ganz klar rückläufig." 80 Nachwuchskräfte traten im vergangenen Jahr in den aktiven Dienst der Landkreiswehren über. "Auch 27 Austritte wurden verzeichnet."

Etwas Entspannung in die Sorge um die sinkende Zahl der Nachwuchskräfte bringt Landesjugendfeuerwehrwart Heinrich Scharf. "Die Feuerwehren des Landkreises Tirschenreuth sind in Sachen der Jugendarbeit sehr aktiv und im Vergleich gut aufgestellt", wusste er. Seinen Ausführungen nach engagieren sich in Bayern insgesamt rund 48 000 Jugendliche bei der Feuerwehr.

Oberpfalz noch gut dabei

"Alleine in der Oberpfalz sind es zum aktuellen Stand 9096 Jugendliche in 915 Jugendgruppen. Die oberpfälzische Jugendfeuerwehr ist der mitgliederstärkste Bezirksverband Bayerns." Alleine in der Oberpfalz konnten laut dem Landesjugendfeuerwehrwart im vergangenen Jahr rund 1400 Anwärter in den aktiven Feuerwehrdienst übertreten.

Den Jahresbericht über die Aktivitäten der Jugendfeuerwehren des Tirschenreuther Kreises lieferte Wolfgang Bauer aus Krummennaab. Er erinnerte an die Wahl 2018, bei der er und Johannes Schmid aus Mitterteich als sein Stellvertreter von den Delegierten der Jugendfeuerwehren zum Kreisjugendfeuerwehrwart gewählt wurde. Aufgrund des Rücktritts von Achim Graßold im Mai vergangenen Jahres war die Wahl notwendig geworden.

48 Jugendfeuerwehrler in 7 Gruppen nahmen an der Abnahme der Deutschen Jugendleistungsspange in Erbendorf teil. Bauer dankte den Erbendorfer Brandschützern für die Ausrichtung. Armin Hehl nahm das Abzeichen ab. Im Juli 2018 war in Kulmain die Jugendolympiade: 64 Teilnehmer in 13 Mannschaften gingen an den Start. Dabei wurden acht Geschicklichkeitsübungen absolviert. Die Jugendfeuerwehr Erbendorf belegte den ersten, die Jugendwehr Hohenthan den zweiten und die Nachwuchstruppe aus Waldeck den dritten Platz.

Bereits zum 13. Mal wurde der "Werner-Baier-Gedächtnismarsch" für die Jugendfeuerwehren des Landkreises Tirschenreuth abgehalten. Rang eins beim Jugendleistungsmarsch, der nach dem ehemaligen und langjährigen Kreisbrandrat benannt ist, belegte die Truppe aus Waldeck, gefolgt von der Feuerwehr Vordorf (Landkreis Wunsiedel) und den Nachwuchsbrandschützern der Feuerwehr Löschwitz/Kaibitz.

Die Abnahme der Jugendflamme stand in drei Stufen in mehreren Wehren an. Dabei erhielten 51 Jugendliche Abzeichen. 415 Nachwuchskräfte aus 69 Feuerwehren unterzogen sich dem "Wissenstest", der zu unterschiedlichen Terminen in jedem Kreisbrandmeisterbereich des Landkreises abgehalten wurde. Im vergangenen Jahr ging es um das Thema Fahrzeugkunde. "Dabei konnte festgestellt werden, dass nur 111 Jugendliche die Stufe eins ablegten. Im Vorjahr waren es insgesamt 152", ergänzte Wolfgang Bauer.

Da es nur in den ersten drei Stufen des Wissenstests Abzeichen in Bronze, Silber und Gold gibt, gab es Überlegungen zur Verbesserung. "Dabei wurde nachgedacht, eine eigene Plakette zu erstellen, so dass es für weitere Stufen nicht nur Urkunden, sondern auch eine Auszeichnung in Form einer Plakette gibt", sagte Bauer. Diese Vorstellung fand Kreisbrandrat Andreas Wührl als nicht zielführend. Das Oberhaupt der Landkreiswehren erinnerte an die vorgeschriebene Trageweise für Abzeichen an der Dienstkleidung der Feuerwehren und meinte, dass dies nicht zu vereinen sei. Der Kreisbrandrat betonte, dass es zielführender sei, die Zahl der Abnahmen der Deutschen Jugendleistungsspange und der Bayerischen Jugendleistungsprüfung zu steigern. "Diese Abzeichen können lebenslänglich an der Dienstkleidung getragen werden und sorgen für eine gute und einheitliche Ausbildung. Ich sehe hier großes Ausbaupotenzial." An die lehrreichen Inhalte der Herbstdienstversammlung mit Jugendwartseminar in Mitterteich erinnerte Bauer weiter.

Viele Frauen

Landrat Wolfgang Lippert dankte den versammelten Jugendfeuerwehrwarten auch im Namen aller Bürgermeister sowie der anwesenden Bezirksrätin Brigitte Scharf für die "gute und wichtige Jugendarbeit". Der Landrat ging auf die Veränderung des Feuerwehrwesens mit technischem und personellem Wandel ein. "Ich sehe viele junge Feuerwehrfrauen in den Reihen", freute er sich. Er überreichte dem Kreisjugendfeuerwehrverband eine Spende.

"Die Jugend ist die Zukunft", erinnerte der Kreisbrandrat. Die Aufgaben der Feuerwehren würden immer vielfältiger und die Abarbeitung der Einsätze komplexer. "Wir brauchen die großen und die kleinen Feuerwehren", betonte Wührl. Auch er dankte den Verantwortlichen für die früchtetragende Jugendarbeit. Besonders freue Wührl auch, dass es immer mehr Kinderfeuerwehren im Kreis gebe. Angemerkt

„Die Feuerwehren des Landkreises Tirschenreuth sind in Sachen der Jugendarbeit sehr aktiv und im Vergleich gut aufgestellt“

Landesjugendfeuerwehrwart Heinrich Scharf

„Wir brauchen die großen und die kleinen Feuerwehren“

Kreisbrandrat Andreas Wührl

„Fünf Jugendgruppen, welche eigentlich Jugendliche in ihren Reihen haben meldeten, dass diese aktuell kein jugendliches Feuerwehrmitglied verzeichnen“

Kreisjugendfeuerwehrwart Wolfgang Bauer

Neu gewählt:

Neu gewählt

Zur Wahl als Kreisjugendgruppensprecher stellten sich Ann-Kathrin Kugler aus Kastl und Paul Kaseckert auf. Die Versammlung bestimmte dabei den jungen Feuerwehrler aus Tirschenreuth. Larissa Horn wurde als stellvertretende Kreisjugendgruppensprecherin gewählt. Kassenprüfer wurden Florian Sölch und Maximilian Sirtl. Als Ersatzdelegierte wurden Dominik Kugler, Kathrin Gruber, Stefan Beer und Marcel Braunreuther, welche bislang im Amt waren, weiterhin in ihren Ämtern bestätigt.

Kreisentscheid in Kemnath:

Kreisentscheid in Kemnath

Im Ausblick auf das laufende Jahr nannte Wolfgang Bauer den Kreisentscheid im Bundeswettbewerb der Deutschen Jugendfeuerwehren am 11. Mai in Kemnath. Für den 1. Juni ist eine Fahrt zum Monte Kaolino und zur Feuerwache Amberg geplant. Hierbei hofft der Kreisjugendwart auf viele Teilnehmer.

Die Gruppen, welche sich beim Kreisentscheid qualifizieren, starten beim Bezirksentscheid am 8. Juni in Neumarkt. Der Landesentscheid wird zwei Wochen später in Hösbach (Lkr. Aschaffenburg) stattfinden. Die Jugendolympiade findet anlässlich des 150-jährigen Gründungsfestes am 10. August in Waldsassen statt. Der Jugendleistungsmarsch findet am 7. September dann in Bärnau statt. Für 2. November ist die Herbstdienstversammlung angesetzt.

In der Vorschau auf 2020 nannte Bauer ein in Planung stehendes Kreisjugendfeuerwehrzeltlager und die Abnahme des Deutschen Jugendleistungsabzeichens.

Unfallschutz bei (allen) Aktivitäten:

Unfallschutz bei (allen) Aktivitäten

Laut dem Landesjugendfeuerwehrwart Heinrich Scharf sind alle Aktivitäten, welche die Jugendfeuerwehr veranstaltet, über die Kommunale-Unfallversicherung-Bayern (KUVB) versichert. Grundlage dafür sei jedoch eine Jugendordnung, welche die jeweilige Feuerwehr aufstellen und der Satzung der Feuerwehr angliedern muss.

Kommentar:

Nachwuchsmangel überall ein Thema

Der Nachwuchsmangel ist ein heiß und seit langem diskutiertes Thema, welches immer wieder an Aktualität gewinnt. Viele Vereine und Organisationen – nicht nur in der Region – stellt dies vor Probleme. Die Auswirkung von fehlenden Nachwuchskräften wird aber besonders bei den Freiwilligen Feuerwehren noch für brenzlige Situationen sorgen und die Verantwortlichen der „öffentlichen Einrichtung Feuerwehr“ vor besonders große Herausforderungen stellen. Wie es mit der flächendeckenden Sicherstellung des Brandschutzes und technischen Hilfsdienstes in ferner Zukunft aussieht, wird sich in den nächsten Jahren erst beweisen. Die Zusammenarbeit von Feuerwehren gewinnt immer mehr Zuspruch.

Das breite und sich immer mehr steigernde Angebot für Jugendliche sorgt vielerorts wohl ebenfalls dafür. Dazu werden auch noch Jugendtreffs angeboten. Nicht nur Jugendgruppen in Sportvereinen müssen Gemeinschaften gründen, sondern auch zu Abnahmen und Prüfungen der Jugendfeuerwehren ist dies mancherorts bereits der Fall. Auch die Veränderung in der beruflichen Bildung sorgt dafür, dass engagierte Jugendliche die Region verlassen müssen, was für weitere Einschnitte sorgt.

Michael Denz

Fast alle Jugendfeuerwehrwarte waren mit ihren Jugendgruppensprechern aus den Feuerwehren des Landkreises Tirschenreuth nach Kemnath zur Delegiertenversammlung, welche über zwei Stunden dauerte, gekommen.
Fast alle Jugendfeuerwehrwarte waren mit ihren Jugendgruppensprechern aus den Feuerwehren des Landkreises Tirschenreuth nach Kemnath zur Delegiertenversammlung, welche über zwei Stunden dauerte, gekommen.
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