25.04.2019 - 12:50 Uhr
KemnathOberpfalz

Armut macht krank

Der VdK wächst weiter. Das belegte Georg Brand beim Kemnather Ortsverband mit Zahlen. Der Kreisvorsitzende nannte aber auch Gründe für den Zulauf.

Neben eindruckvollen Zahlen hat Kreisvorsitzender Georg Brand (stehend) auch eine Bitte an die Kemnather VdK-Mitglieder. Sie sollen den Vorstand ihres Ortsverbandes unterstützen.
von Josef ZaglmannProfil
„Bitte unterstützen Sie die Vorstandschaft in Ihrem Ortsverband“ forderte Kreisvorsitzender Georg Brand die Mitglieder auf.

"Auch 2018 stieg die Mitgliederzahl beim VdK stark an" berichtete Kreisvorsitzender Georg Brand beim Ehrentag des Ortsverbandes Kemnath. Immer mehr Menschen suchten Rat beim Sozialverband. Dieser zähle momentan in Bayern 690 000 Mitglieder. In der Oberpfalz hätten sich dem VdK 64 000 Personen angeschlossen. Insgesamt gebe es 69 Kreis- und 1900 Ortsverbände, zählte Brand weiter auf. "Täglich haben sich 200 Menschen entschieden, in den VdK Bayern einzutreten."

Zum 31. Dezember 2018 betrug die Mitgliederzahl im Kreisverband Tirschenreuth-Kemnath laut Redner 5759. 7,93 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Tirschenreuth gehörten dem VdK an. Das älteste Mitglied sei 97 Jahre, das jüngste ein Jahr alt.

5775 Beratungen

In der Kreisgeschäftsstelle in Wiesau seien im Vorjahr 5775 persönliche und telefonische Beratungen erfolgt und 787 Anträge gestellt sowie 265 Widersprüche eingelegt worden. Für Mitglieder seien Nachzahlungen, Beihilfen und Zuschüsse in Höhe von 644 816 Euro erwirkt worden.

"Zu den Sozialrechtsgebieten Rente, Gesundheit, Behinderung und Altersarmut kommen die meisten Anfragen der Mitglieder", teilte Brand mit. Vor allem bei der stationären Pflege sehe der VdK großen Handlungsbedarf. Davon seien nicht nur ältere Menschen betroffen, den etwa 386 000 Mitglieder seien noch keine 60 Jahre alt.

Die Armutsgefährdung für Ältere ist laut Brand im Freistaat mit 21,9 Prozent äußerst hoch. Armutsforscher gehen davon aus, das 60 Prozent der Anspruchsberechtigten aus Unwissenheit oder Scham keinen Antrag auf Grundsicherung stellen. Sie lebten zurückgezogen und sparten an Heizung, Strom, Lebensmitteln und Medikamenten. Viele verkümmerten regelrecht und verlören ihre Lebensfreude, meinte der Redner. Armut führe zudem zur Krankheit, denn viele Menschen sparten auf Kosten ihrer Gesundheit. Daher fordere der VdK eine bessere Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln.

Stabiles Einkommen

Jedes fünfte Kind in Deutschland wachse in armen Verhältnissen auf. Fair bezahlte Arbeit sei die wichtigste Voraussetzung für ein stabiles Einkommen, das Armut vermeide und Sicherheit für die Familien schaffe. Der VdK stehe nicht nur für gerechtere Renten für heutige Ruheständler, sondern auch für faire Renten für künftige Rentnergenerationen. Die Pläne, eine solche Grundrente aus Steuermitteln zu finanzieren, begrüße der VdK. "Rentner, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben und trotzdem eine niedrige Rente bekommen, sollen unterstützt werden", forderte Brand.

Um die Finanzierung dieser und anderer Sozialleistungen auf eine breite Basis zu stellen, brauche es allerdings eine Reform der Steuerpolitik. Weder heutige noch künftige Rentnergenerationen sollten Angst haben müssen, im Alter zu verarmen. Unternehmensgewinne müssten angemessen besteuert werden. Multinationale Konzerne, die in Deutschland viel Geld verdienen, müssten endlich Abgaben zahlen.

Eindringlich appellierte der Kreisvorsitzende an alle Mitglieder, sich im VdK ehrenamtlich zu engagieren. Ohne deren Einsatz würde der VdK verkümmern. Allerdings dürften ehrenamtliche Mitarbeiter die Mitglieder nicht beraten.

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