03.02.2020 - 18:33 Uhr
KemnathOberpfalz

Behüten, aber auch Freiräume zulassen

Kinder brauchen für ihre gesunde Entwicklung den "sicheren Hafen" mit festen Bindungspersonen als auch Freiraum, um sich entfalten zu können. Diesen beiden Bedürfnissen als Eltern gerecht zu werden, gleicht oft einer inneren Gratwanderung.

„Helikopter-Eltern machen nicht nur Erzieher, Lehrer, und Ärzte wahnsinnig, sondern auch die eigenen Kinder“, warnte Diplomsozialpädagogin Elke Pinkert.
von Josef ZaglmannProfil

Kinder kommen auf die Welt und brauchen für ihre gesunde Entwicklung sowohl den "sicheren Hafen" mit festen Bindungspersonen als auch den Freiraum, um sich entfalten zu können, um "wachsen" zu dürfen. Diesen beiden Bedürfnissen als Eltern gerecht zu werden, gleicht im Alltag oftmals einer inneren Gratwanderung. Wann die Sorge um das Kind dessen Wachstum zu sehr einschränkt und wann durch zu viel Freiheit ernsthafte Gefahren entstehen, erklärte Elke Pinkert. "Mama, ich will das selber machen" war das Thema ihres Vortrags im Familienzentrum Mittendrin. Das war das vierte Thema der Vortragsreihe "Kindergesundheit".

Vertrauen in die Welt

"Geliebt zu werden" und "die Welt erobern zu dürfen" seien zwei Grundbedürfnisse eines Kindes. Bindung werde als ein emotionales, festes Band verstanden, das der Säugling zu bestimmten, vertrauten Personen habe, erklärte die Diplomsozialpädagogin. In einer verlässlichen Bindung entwickle sich in den ersten Monaten ein grundsätzliches Vertrauen in die Welt. Diese Erfahrung habe großen Einfluss auf das spätere Bindungs- und Beziehungsverhalten. Die Eltern müssten die Signale ihres Kindes verstehen und sowohl ihren Sicherheits- als auch ihren Autonomiewunsch anerkennen.

"In Belastungs- und Stresssituationen braucht ihr Kind viel Vertrauen, Zuwendung und Hilfe, bei Sicherheit und Wohlbefinden weniger", betonte Pinkert. Je sicherer die Eltern seien, je mehr Nähe und Vertrauen sie dem Kind geben, desto sicherer und selbstbewusster werde es. "Die Zuwendung sollte nicht allzu sorgenvoll, behütet und vorsichtig sein, aber auch nicht allzu sorglos und unbekümmert", warnte die Referentin. Die Eltern müssten aber auch an sich selbst denken und kritisch hinterfragen, was sie selber brauchen, um sich geborgen zu fühlen und um sich weiterentwickeln zu können.

"Was ist das Typische, das Besondere an Vätern?", war eine Frage, die deren Rolle in den Mittelpunkt stellte. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass sich vor und nach der Geburt des Kindes auch bei den Vätern die Werte für bestimmte Hormone verändern. Diese Unterschiede waren bei den Frauen drastischer, aber das Muster bei den Männern ganz ähnlich. Dabei waren zwischen leiblichen und Ersatzvätern nur geringe Unterschiede festzustellen.

"Männer, die ihr Baby eine Stunde lang im Arm halten, werden dadurch angeregt, sich noch mehr um ihr Kind zu kümmern", berichtete Pinkert. Während sich Mütter mit Babys eher pflegerisch beschäftigen, sie baden, cremen und wickeln, machen Väter mehr Imitationsspiele, schneiden Grimassen, stimulieren die Kleinen mit Geräuschen sowie optischen Reizen und machen mehr bewegungsintensive, körperbetonte Aktionen mit ihnen.

Vier Jahre früher

Sie achten bei den Söhnen mehr auf Disziplin und lassen bei den Töchtern mehr Emotionen und Nähe zu. Väter trauen ihren Kindern im Durchschnitt vier Jahre früher Unabhängigkeit von den Eltern zu. Frauen sehen 16-Jährige als so abhängig an wie die Väter 12-Jährige.

Nach der Pubertät bleiben Väter sowohl für Söhne als auch Töchter ein wichtiger Ansprechpartner in schulischen und beruflichen Fragen und für politische Themen. "Eltern sind Eltern auf Lebenszeit, sie können sich nicht von ihren Kindern scheiden lassen", gab die Referentin zu bedenken. Jessika Wöhrl-Neuber bedankte sich bei ihr mit einem Präsent, das Hans Wöhrl gebastelt hat.

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