09.04.2019 - 11:06 Uhr
KemnathOberpfalz

Böses Kriegsspielzeug

Für die Ausstellung "Böses Spielzeug - Kriegsspielzeug von der Reichsgründung 1871 bis zum Zweiten Weltkrieg" im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum in Kemnath stellt Tobias Damberger seine Privatsammlung zur Verfügung.

Nicht nur Museumsleiter Anton Heindl, HAK Ehrenvorsitzender Hans Rösch und HAK Vorsitzender Robert Schön (von links) waren sehr beeindruckt von der Privatsammlung von Tobias Damberger (rechts).
von Josef ZaglmannProfil

"Seit mehreren Jahren sammle ich militärisches Spielzeug", erklärte der 26-jährige Student aus Ebnath. Er studiert europäische Geschichte an der Universität Bayreuth und steht kurz vor seiner Bachelorarbeit. Die Sammelleidenschaft hat er von seinem Vater geerbt.

"Bei dieser Ausstellung möchte ich zeigen, welche schlimme Absicht hinter diesen Spielen steckt", sagte er bei der Eröffnung im Musikeum. Mit Hilfe von scheinbar harmlosem Kriegsspielzeug sollten die Kinder und Jugendlichen im Deutschen Kaiserreich und in der Nazidiktatur verführt und für den Krieg und das Militär begeistert werden.

Der Krieg wurde verherrlicht. Mit Parolen wie "Sterben für das Vaterland ist eine Ehre" wurden die Kinder schon früh mit einem falschen Patriotismus vertraut gemacht. "Kinderspielzeug wie Holzbaukästen, Bilderbücher oder Brettspiele mit militärischer Thematik veranschaulichen den roten Faden der propagandistischen Kindererziehung."

Vieles verharmlost

Beim Gang durch die Ausstellung erklärte Damberger, wie bei den verschiedenen Spielen in hinterhältiger Weise das Töten und der Aufbau von Schreckens- und Feindbildern verharmlost und für die Kinder als Normalität hingestellt wurde. "Alle meine Ausstellungsobjekte zeigen das perfide Erziehungskonzept der damaligen Zeit. Spielzeug für Kinder wie Holzbaukästen, Bilderbücher oder Brettspiele mit militärischer Thematik veranschaulichen den roten Faden der damaligen propagandistischen Kindererziehung."

Bereits zu Friedenszeiten war es das politische Ziel der Obrigkeit, Kinder und Jugendliche für den Krieg und das Militär zu begeistern. Besonders die anfänglichen militärischen Erfolge im Ersten und Zweiten Weltkrieg veranlassten die Spielzeugindustrie dazu, patriotisches und kriegsbezogenes Spielzeug herzustellen, denn das ließ sich nach deutschen Siegen gut verkaufen.

Bei den Kindern besonders beliebt waren die Schieß- und Explodierspiele. Bei Spielen wie "Artilla", "Panzerschlacht" oder "Der kleine U-Boot-Kommandant" konnte die deutsche Jugend Konzentration und Treffergenauigkeit verbessern. Durch den Zusatz auf der Spielanleitung von "Auf großer Fahrt nach Engelland" wird ein schlimmes Feindbild gegen England aufgebaut. Der Einfallsreichtum der Spielehersteller reichte bei den Schussgeräten von Kanonen, Pistolen, Gewehren mit Feder- und Luftmechanismus bis zu durch Schwerkraft beschleunigten Bomben und Granaten. Auf hinterhältige Weise wurden die Kinder schon frühzeitig mit Spott- und Hassfiguren konfrontiert.

Bei Brettspielen wie "Siegreich voran", "Auf zum Sturm" und "Großangriff" sollten die Kinder einen Einblick in den Soldatenalltag, die verschiedenen Waffengattungen und den Kriegseinsatz bekommen. "Wir spielen Soldaten" war ein Spielekatalog, über den solche Spiele bestellt werden konnten. Mit speziellen Baukästen konnten die Kinder Festungen, Kasernen, Bunker oder militärische Fahrzeuge zusammenbauen.

Bei dem Quartett "Unsere Wehrmacht" und anderen Kartenspielen beschäftigten sich die Kinder spielerisch mit militärischen Land-, See-, und Luftfahrzeugen oder militärischen und politischen Personen. Wegen des geringen Preises waren die Kartenspiele ein weit verbreitetes Spielmedium. Für die Obrigkeit waren sie bestens geeignet, die Kriegsverherrlichung in den Alltag der Kinder zu integrieren. Die einmal in den Köpfen verankerten Feindbilder überdauerten Jahrzehnte. So sollten die im Kaiserreich Krieg spielenden Kinder für ihren grausamen Einsatz im Zweiten Weltkrieg gerüstet sein.

Neue Art der Spiele

Als die Luftsiege ab 1941 nachließen, weil die Alliierten den Luftraum über Deutschland dominierten und Bombenangriffe auf deutsche Städte immer häufiger wurden, veränderte sich die Art der Spiele. Nun wurden Luftverteidigungs- bzw. Luftschutzspiele wie "Marsch in den Luftschutzraum", "Der Luftschutz" und "Flieger-Alarm" produziert, um den Kindern das richtige Verhalten bei einem feindlichen Luftangriff spielerisch beizubringen.

Museumsleiter Anton Heindl bedankte sich bei Tobias Damberger mit einem Präsent. Die Ausstellung kann sonntags von 14 bis 16 Uhr, am ersten Sonntag des Monats zusätzlich von 10 bis 12 Uhr in der Fronfeste, Trautenbergstraße 36 besucht werden.

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