12.01.2021 - 14:33 Uhr
KemnathOberpfalz

Co-Working-Space in Kemnath: Bürogemeinschaft auf 300 Quadratmetern

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Eine neue Form des Arbeitens soll bald in Kemnath möglich sein. Thomas Völkl baut hierfür eine Lagerhalle in ein Co-Working-Space um.

Ein Teil der Halle im Kemnather Industriegebiet wird zum einem Co-Working-Space umgebaut.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Dass ein Arbeitsplatz nicht mehr in der Firma, sondern auch zu Hause oder am anderen Ende der Welt sein kann, ist spätestens seit der Corona-Pandemie keine Illusion mehr. Einen Aufschwung erleben bereits seit ein paar Jahren sogenannte Co-Working-Spaces – Büroräume und Arbeitsplätze, die man sich mieten kann. Thomas Völkl möchte solche Gemeinschaftsbüros auf zunächst 300 Quadratmetern in Kemnath errichten – eröffnet wird der Co-Working-Space bereits im Frühling.

„Die Zeit, in der man täglich von 9 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags im Büro saß, ist vorbei“, meint Thomas Völkl. Geteilte Arbeitsplätze in der Firma oder das Arbeiten von zu Hause sind in vielen Unternehmen keine Seltenheit mehr. Auch durch die Corona-Pandemie kam die Frage auf: Muss ein Mitarbeiter wirklich im Büro sitzen, um kreativ zu sein? „Ein Ortswechsel bringt oft neue Ideen.“ Das sei auch der Fall, wenn „man Dinge gemeinsam nutzt und dabei ins Gespräch kommt“, meint der Geschäftsführer der Wortmacherei.

Frische Luft durch grüne Wände

Neben Selbstständigen und Arbeitnehmern will Völkl auch Jungunternehmer mit seinem Co-Working-Space unterstützen. „Ich will einen Raum schaffen, in dem das Arbeiten der Zukunft möglich ist“, sagt der Personalspezialist. Aber auch Unternehmen können Besprechungszimmer und Arbeitsplätze für Mitarbeiter oder ganze Projekträume mieten.

Entstehen werden die Büroräume in einer Halle in der Röntgenstraße – im Gewerbegebiet von Kemnath. „Derzeit ist die Halle noch vermietet. Zu Beginn des Jahres wird davon jedoch ein Teil frei“, erzählt Völkl. Mit Unternehmen aus der Region werden im ersten Schritt circa 300 Quadratmeter der Halle umgebaut. Entstehen werden drei abschließbare Büros, die als Einzelarbeitszimmer oder als Besprechungsraum genutzt werden können. „Einen großen Teil der Halle wird das offene Bürokonzept, in dem verschiedenste Arbeitsplätze eingerichtet werden, in Anspruch nehmen“, so Völkl.

Arbeitsplätze und Büroräume auf Zeit bietet Thomas Völkl in seinem Co-Working-Space in Kemnath an.

Die Arbeitsplätze seien mobil und könnten je nach Bedarf umgestellt werden. „Diesen große Raum kann ich mir auch als Veranstaltungssaal vorstellen“, sagt er. Für ungestörtes Arbeiten, gute Raumakustik und frische Luft sollen „grüne Wände“ sorgen. „Das sind mobile Trennwände, die mit Moos oder Kletterpflanzen bestückt werden.“ Um Ideen zu sammeln, hat Völkl sich in den vergangenen Monaten verschiedene Coworking Spaces in ganz Deutschland angesehen.

"Ich will einen Raum schaffen, in dem das Arbeiten der Zukunft möglich ist."

Thomas Völkl

Ort der Begegnung wird eine große Kaffeeküche sein. „Hier kommt man bei einem guten Kaffee oder Tee mit Menschen aus den verschiedensten Branchen ins Gespräch und kann sich ein Netzwerk aufbauen“, erklärt Völkl. Apropos Kaffee: Den möchte er von Röstereien aus der Region beziehen. „Guter Kaffee und schnelles Internet sind für Co-Working-Spaces elementar wichtig“, sagt er. „Fehlt eine der Komponenten, ist kreatives und effektives Arbeiten nicht möglich.“

Unterstützung für Gründer

Netzwerke bilden und Ideen erfolgreich machen, das ist Völkls Ansporn. „Nur für sich zu arbeiten, diese Zeit ist vorbei“, sagt er. Für ihn ist branchenübergreifendes Arbeiten enorm wichtig. Nur mit einem großen Netzwerk könne man erfolgreich sein. „In einem Co-Working-Space kann ich mich austauschen oder mich bei Fragen oder Problemen direkt an jemanden wenden, der mit mir im Büro sitzt“, erklärt Völkl. Je nach Anforderung an ein Projekt kann man mit den Spezialisten der anderen Branche zusammenarbeiten.

Das sieht er auch als großen Vorteil für Jungunternehmer, die eine Firma gründen möchten oder bereits ein kleines Start-up besitzen. „Vor allem am Anfang haben viele Gründer nicht das Geld, sich ganze Geschäftsräume zu mieten“, sagt Völkl. In seinem Co-Working-Space soll sich jeder das mieten können, was er benötigt. „Das beginnt bei einem Schreibtisch mit oder ohne Monitor, einem Drucker, einem abschließbaren Büro oder einem Konferenzraum“, so Völkl. Die Tische oder Räume können je nach Bedarf gemietet werden. „Ein Tag ist möglich, aber auch mehrere Wochen und Monate.“

Im ehemaligen Krankenhaus in Waldsassen gibt es bereits einen Co-Working-Space für Studenten

Waldsassen

In regelmäßigen Abständen möchte Völkl auch Sprechstunden von Gründungsberatungen anbieten. „Start-up-Unternehmer bekommen hier alle Informationen, die sie benötigen. Ziel ist es, so einfach wie möglich eine Firma zu gründen“, so Völkl. Die Hoffnung besteht darin, dass die Start-ups die gemieteten Arbeitsplätze irgendwann nicht mehr benötigen und eine eigene Firma mit neuen Arbeitsplätzen in Kemnath aufbauen.

Online-Umfrage

„Kemnath ist ein toller Ort, um zu leben und eine Firma zu gründen“, sagt Thomas Völkl. Zwar sei Kemnath für Gewerbetreibende attraktiv, für Gründer oder Solo-Selbstständige wurde laut Völkl „noch wenig gemacht“. Oft wurde er gefragt, ob er einen Raum oder ein freies Büro in Kemnath kenne – weiterhelfen konnte er meist nicht. Bereits jetzt bietet Völkl einen Büroservice mit „Virtual Office“ in Kemnath an. „Der Büroservice ist für Selbstständige ohne Büro, die aber eine Firmenanschrift benötigen“, erklärt er. „Das kann eine Startrampe sein“, meint er. Laufen die Geschäfte gut, dann bauen die Gewerbetreibenden vielleicht in Kemnath eine Firma auf.

Um einen absolut passenden und schönen Gemeinschafts-Arbeitsraum zu schaffen, möchte Völkl Rückmeldungen unterschiedlichster Personen einholen. Wünsche und Ideen potentieller Nutzer sammelt er mit Hilfe einer Umfrage. Interessierte können im Internet daran teilnehmen. „Dort frage ich ab, wie häufig, wie lange und zu welchem Zweck ein gemieteter Arbeitsplatz interessant für die Nutzer wäre, ob ein Drucker oder ein Raum für die Aufnahme von Videos oder Podcasts benötigt wird“, erklärt er. Kommt das gemeinsame Arbeiten in Kemnath gut an, besteht die Option, die Räumlichkeiten zu erweitern.

Hier gibt's Infos

Hintergrund:

Neue Arbeitsformen

  • Co-Working-Space: Zeitlich flexibler Arbeitsplatz, den sich Gründer, Freiberufler mit Menschen verschiedenster Branchen teilen. Auch Firmen können Büros oder Besprechungsräume für ihre Mitarbeiter für einen bestimmten Zeitraum mieten. Gerade frisch gebackene Gründer können vom Erfahrungsaustausch profitieren.
  • Homeoffice: Gearbeitet wird in den eigenen vier Wänden. Meistens wird abwechselnd im heimischen Büro und im Unternehmen gearbeitet.
  • Business Center: Hier bietet eine Betreiberfirma klassische Büroräume mit vollausgestatteten Arbeitsplätzen zur Miete oder zum Leasing an. Häufig wird auch ein Sekretariats- oder Telefonservice angeboten.
  • Jellies: Ortsunabhängiges Coworking zu fixen Terminen, an denen man sich in einem Büro, Café, Garten oder in privaten Räumlichkeiten zum regelmäßigen Arbeiten trifft.
  • Gründerzentren: Sind Einrichtungen, die sich auf die Unterstützung von Neugründungen und Jungunternehmen spezialisiert haben. Technologie- oder Innovationszentren sollen zur regionalen Wirtschaftsförderung Vernetzung beitragen.
  • Maker Space: Eine offene Werkstatt die Privatpersonen, die Zugang zu modernstem Equipment wie 3D-Druckern, Laser-Cuttern erhalten, um Hobbys oder private Projekte zu verwirklichen.
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