12.12.2019 - 13:05 Uhr
KemnathOberpfalz

Digitalisierung zum Anfassen

Die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung sind bei Siemens Healthineers in Kemnath nun mit den Händen greifbar. So lassen sich die Investitionen in eine im Unternehmen einzigartige Fertigung im Bereich 3-D-Druck beschreiben.

Rainer Häupl (Leiter Verfahrenstechnik), Helmut Kellner (Leiter Mechanikzentrum), Harald Cura (Büro Kerntechnologieen, Siemens AG), Fabian Krieg, Michael Ott, Thomas Lange (3-D-Druck-Team) und Standortleiter Michael Braunreuther (von links) nahmen den neuen Produktionsraum in Betrieb.
von Autor HWKProfil

3-D-Druck gilt als disruptive Produktionsform (eine die eine bereits bestehende Produktionsform ersetzt) der Zukunft, wofür Siemens Healthineers in Kemnath die ersten Schritte in Richtung eines eigenen Produktionsraums getan hat. Somit ist der Standort weltweit der erste des Unternehmens mit einem verifizierten additiven Fertigungsverfahren für Kunststoffe. Zukünftig werden unter anderem Verkleidungen und andere Kunststoffbauteile mit Serieneigenschaften gedruckt.

Schnell und günstig

Damit können verschiedene Baugruppen schnell und vergleichsweise kostengünstig produziert werden. Herauszuheben ist auch, dass alles in einem validierten Verfahren stattfindet, um die Qualitätsanforderungen von Siemens und den Kunden erfüllen zu können.

In einer kleinen Feierstunde wurde der neu geschaffene Raum mit mehreren 3-D-Druckern und den angegliederten Gerätschaften vorgestellt und offiziell in Betrieb genommen. Mit Harald Cura, Company Core Technologies Office der Siemens AG, ging Standortleiter Michael Braunreuther auf die Vorteile der neuen Technologie ein. 3-D-Druck sei Digitalisierung zum Anfassen, betonte er. Ihn freue es, dass in Kemnath das Wissen und die Kompetenz um den 3-D-Druck gebündelt und weiterentwickelt werden. Somit sei man hierfür das Kompetenzzentrum bei Siemens Healthineers. Dies ermögliche viele Chancen und Möglichkeiten für den Standort.

Um die verschiedenen Themengebiete zukünftig bestmöglich weiter zu treiben, wurden zusätzlich Experten beschäftigt, die neue Einsatzgebiete im Bereich der additiven Fertigung entwickeln. Neben einem Pulverbettdrucker steht ein weiterer Drucker, mit dem Langfasern aus Carbon, Glas oder Kevlar in das Bauteil integriert werden können. Dadurch können vor allem dünnwandige Verkleidungen oder hochfeste Vorrichtungen gedruckt werden. Durch die Einbettung der Drucker in eine Prozesskette, bestehend aus digitaler Datenverarbeitung, Kleben, Oberflächentechnik und Messtechnik, können schnell Bauteile mit Serieneigenschaften erzeugt und überprüft werden.

Einzigartig im Unternehmen

Die digital durchgängige Prozesskette sowie der im Unternehmen einmalige Maschinenpark sind ein Alleinstellungsmerkmal für Kemnath und untermauert den Anspruch, der innovative und strategische Partner für mechanische Produkte bei Siemens Healthineers zu sein.

Hintergrund:

Additive kontra herkömmliche Fertigung

Bei der additiven Fertigung entsteht auf der Grundlage von digitalen 3-D-Konstruktionsdaten durch das schichtweise Aufbringen von Pulver ein Bauteil (3-D-Druck). Dagegen wird im herkömmlichen Bereich Material von einem festen Körper entfernt (Fräsen), damit ein fertiges Bauteil entsteht. Beim „Drucken“ jedoch können Schicht für Schicht verschiedene Metalle, Kunststoffe oder Verbundwerkstoffe aufgetragen werden. Anfänglich war dieser Herstellungsprozess nur für den Prototypenbau interessant, da hier schnell und unkompliziert erste Anschauungsmodelle gefertigt werden konnten. Durch ständige Weiterentwicklung der Fertigungsmaschinen sind nun auch Serien kostengünstig produzierbar.

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