30.09.2019 - 14:44 Uhr
KemnathOberpfalz

E-Baxi wird Stecker nicht gezogen

Erst lief der Probebetrieb fürs E-Baxi sechs Monate, dann nochmals ein halbes Jahr. Am 1. Oktober jähren sich nun die ersten Fahrten in Kemnath und Tirschenreuth. Und es werden noch viele weitere dazukommen.

Peter Zimmert hat schon einen neuen Fahrplan für die E-Baxis in Tirschenreuth und Kemnath, der ab Dezember gilt. Laut dem ÖPNV-Experten am Landratsamt müssen 2020 auch für zwei weitere Gemeinden im Landkreis welche gedruckt werden.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Das E-Baxi hat in Tirschenreuth und Kemnath die "Erwartungen erfüllt", freut sich Peter Zimmert am Ende des einjährigen Probebetriebs. Rund 600 Gäste zählt das Angebot mittlerweile monatlich in der Kreisstadt, aber "das ist nicht unser Endziel", betont der ÖPNV-Chef am Landratsamt Tirschenreuth. In Kemnath steigen innerhalb von vier Wochen im Schnitt 200 Personen in das Elektroauto ein.

Den Unterschied zwischen beiden Städten hat Zimmert erwartet. In Tirschenreuth sei das sogenannte Tursolino-Baxi durch den vorher verkehrenden Tursolino-Bus schon in den Köpfen der Leute, im Kemnath sei das KEM-Baxi dagegen "völliges Neuland gewesen". Die Bürger dort bräuchten noch "Zeit, um Vertrauen in das System zu fassen", ist Zimmert überzeugt. Wenn man aber einmal mitgefahren sei und gesehen habe, "dass es funktioniert, dann haben wir einen Fahrgast mehr". Daher müsse das Projekt langfristig gesehen werden. Nach einem Jahr seien die Zahlen noch wenig aussagekräftig, verweist er auf ähnliche Erfahrungen unter anderem bei der landkreisweiten Einführung des Baxi.

Als mögliche Hemmschwelle hat er ausgemacht, "dass man vorher anrufen muss". Dem soll mit einer Buchungs-App begegnet werden. Diese ist laut Zimmert aber noch nicht in Betrieb. Zum Fahrplanwechsel im Dezember hofft er, damit soweit zu sein.

Zusätzliche Haltestellen

Dies wird zum Jahresende hin nicht die einzige Neuerung sein. Alle Haltestellen werden dann eine Nummer und einen Namen erhalten. Damit sollen Missverständnisse bei der Buchung vermieden werden, wenn die "Haltestellen manchmal eng beieinander sind". Aber auch deren Zahl wird steigen. So kommen in Tirschenreuth 10 Haltestellen in nahe gelegenen Ortsteilen (dann 117) und in Kemnath 2 (73) dazu. Diese werden dann auch im neuen E-Baxi-Fahrplan enthalten sein, der in den beiden Stadtgebieten wieder an alle Haushalte verteilt wird.

Neue Broschüren müssen dann auch einmal für zwei weitere Kommunen gedruckt werden. Wie Zimmert verrät, "werden wir 2020 zwei neue E-Baxis einführen". Wo? Das sei noch unklar, aber jedenfalls in größeren Ortschaften, damit es sich auch rentiere.

Nach einem Jahr zieht der ÖPNV-Experte auch hinsichtlich der eingesetzten Fahrzeuge eine positive Bilanz. "Größter Unsicherheitsfaktor war zu Beginn, wie die E-Baxis funktionieren." Es habe keinerlei Erfahrungen hinsichtlich Zuverlässigkeit und Ladezeit gegeben. Doch alle Befürchtungen, "die bei etwas Neuem immer kommen, waren unbegründet". Die beiden Fahrzeuge hätten noch kein einziges Mal in die Werkstatt gemusst. Und eine Ladung habe bisher immer den ganzen Tag gereicht.

Auch die Nutzer scheinen glücklich zu sein. "Es gab keine großen Wünsche", bilanziert Zimmert. Das E-Baxi fahre jede Stunde, und keiner brauche weit zu gehen. Allerdings sei es manchmal zu Überbuchungen gekommen, schränkt er ein. Wenn kein Platz mehr im Auto sei, werde der Fahrgast eben eine Viertelstunde später abgeholt. "Und wenn der Bedarf da ist, dann bei einer dritten Runde zur halben Stunde." Diese Stoßzeiten seien aber kein Grund, ein zweites Fahrzeug einzusetzen.

Bayernweit einmalig

Das Baxi-Modell generell wertet Zimmert als Erfolg. "Es ist überall im Gespräch", denn in Bayern gebe es dieses in dieser Form noch nirgends. Der Unterschied zu anderen Anrufbussystemen im Freistaat sei, "dass wir den ganzen Landkreis abdecken". Die Landkreise Neustadt/WN und Schwandorf fingen nun zwar auch mit einem Baxi an, "aber nur teilweise und nicht bis an jede Haustür".

Für das Angebot muss der Landkreis Tirschenreuth jedoch tief in die Tasche greifen. Abzüglich der erhaltenen Zuschüsse von rund 300 000 Euro beliefen sich im Vorjahr dessen Ausgaben auf rund eine halbe Million Euro. Und das wird wohl bei der Einführung weiterer E-Baxis Folgen haben: "Wir werden eine Lösung dahingehend finden müssen, dass diese Gemeinden einen Obolus entrichten müssen." Über die Höhe werde dann der Kreistag entscheiden.

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