20.03.2020 - 09:31 Uhr
KemnathOberpfalz

„Der einzig logische Schritt“

Corona aller Orten: Claudia Hahne schließt ihren Frisörladen "Haarmacherei" in Kemnath - obwohl sie das bisher eigentlich nicht müsste.

Friseurmeisterin Claudia Hahne im leeren Salon: Seit Dienstag hat sie geschlossen, eine weitere Öffnung kann sie angesichts der Corona-Pandemie gegenüber den Mitarbeitern und den Kunden nicht verantworten.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Müssen Friseursalons schließen? Oder dürfen sie weiterhin offenbleiben? Das Wirrwarr bei diesen Fragen war anfangs sehr groß und auch der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks sah anfangs nicht gleich klar bei der Information seiner Mitglieder. Am Freitag hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder eine Ausgangssperre ausgesprochen. Dass Frisöre bisher ihre Läden weiter öffnen durften, "ist für mich nicht nachvollziehbar: Vieles muss schließen und wir, die ja näher am Menschen dran sind, ganz ohne jede Schutzkleidung, sollen weiter öffnen", sagte Claudia Hahne, Chefin der "Haarmacherei" in Kemnath, noch am Mittwoch.

Deshalb hat sie sich schon vor der Ausgangssperre einem radikalen Schritt entschlossen: Bereits seit Dienstag hat sie ihren Salon und den Filialbetrieb in Speichersdorf vorerst bis 30. März geschlossen. "Diese eigenverantwortliche Entscheidung ist mit vollem wirtschaftlichem Risiko verbunden", sagte Hahne. Bei einer Schließungsanordnung könnte sie zumindest mit einer "Abfederung" rechnen. "Für mich ist das aber der einzige logische Schritt", betonte sie.

Einerseits wurde dazu dringend aufgerufen, jeden sozialen Kontakt so gering wie irgend möglich zu halten, andererseits würden Orte geöffnet bleiben, an denen Menschen sich so nahe kommen wie kaum wo anders. Als Chefin müsse sie auch an ihre fünf Beschäftigten denken. "Jeder soll dazu beitragen, die Verbreitung einzudämmen. Wenn ich hochrechne, wie viele Menschen jede Woche in meinen Salon kommen, dann ist der Weiterbetrieb aus meiner Sicht unverantwortlich." Es sei natürlich schon richtig, dass Discos und Bars schließen müssen. "Aber wo findet denn das öffentliche Leben bei uns am Land statt, wo es beides nicht gibt?", fragt die Friseurmeisterin und gibt auch gleich die Antwort: beim Sport, beim Einkaufen, beim Friseurbesuch, um nur die wichtigsten Aspekte zu nennen.

Die Termine für die nächsten beiden Wochen hat Hahne mit einer Mitarbeiterin den ganzen Dienstag über telefonisch abgesagt. "Ich soll meinen Kindern sagen, dass sie nicht mehr auf den Spielplatz sollen, wir sollen uns aber hinstellen und wöchentlich mindestens 150 Kemnather Kunden auf engstem Raum die Haare machen - das funktioniert für mich nicht", erklärt Hahne.

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