Aktuell steht das Tragen von Gesichtsmasken zunehmend im Fokus der öffentlichen Diskussion - auch die Bürgermeister im Kemnather Land haben in einem Rundschreiben an alle Haushalte eindringlich hierfür plädiert. "Der gängige Mund-Nasen-Schutz - also die so genannten OP-Masken - oder auch die selbstgenähten Masken bedeuten aber keinen effektiven Schutz für den Träger", betont der Kemnather Hausarzt Dr. Ralf Cronenberg. Allerdings könne man davon ausgehen, dass eine gewisse Schutzfunktion für die umgebenden Menschen gegeben sei, da die Aerosol-Verbreitung der eigenen Ausatemluft gebremst und reduziert werde, insbesondere beim Husten oder Niesen. "Eine Eigenschutz-Komponente besteht aber in der Tatsache, dass der Träger sich nicht ungehindert an die eigene Nase beziehungsweise den eigenen Mund fassen kann und dadurch eine Schmierinfektion verhindert wird", ergänzt Cronenberg.
Mediziner-Kollege Dr. Peter Deinlein, zugleich Versorgungsarzt im Landkreis Tirschenreuth, betont, dass man die Gefahr einer Schmierinfektion nicht unterschätzen solle. "Türklinken und Geländer sind das neue Husten", so Deinlein. Im Blick haben sollte man hier beispielsweise auch die Hauseingangstür von Mehrfamilien- oder öffentlichen Gebäuden. Umso wichtiger sei die "richtige" Handhygiene, die man durchaus penibel betreiben solle.
Ralf Cronenberg beleuchtet auch die Thematik der FFP2- oder FFP3-Masken, die vom medizinischen Personal getragen werden. Hier gebe es einen wichtigen Unterschied - nämlich zwischen jenen mit eingebautem Ventil und denjenigen ohne. "Interessanterweise schützen die Masken mit Ventil nämlich nur den Träger, da dessen eigene Ausatemluft durch das Ventil ungefiltert nach außen dringen kann und lediglich die Einatemluft filtriert wird", erklärt Cronenberg. Bei FFP2-Masken ohne Ventil bestehe gleichermaßen Fremd- und Eigenschutz.
Schutz für Gegenüber
In diesem Zusammenhang wird aber klar, dass es für das medizinische Personal sinnvoll erscheint, FFP2-Masken ohne Ventil zu tragen. "Wir Ärzte und medizinisches Personal bitten somit darum, dass wir ausreichend FFP2-Masken ohne Ventil zur Verfügung gestellt bekommen, um unsere Patienten und eben nicht nur uns selbst besser schützen zu können", sagt Cronenberg. Denn gerade am Beginn der Infektion durch das neue Coronavirus gebe es oft schon eine erhebliche Virusausscheidung seitens des Infizierten - er also sehr infektiös sei - bevor er überhaupt Symptome der Erkrankung entwickele. Außerdem, so Cronenberg, gebe es auch symptomlose oder aber sehr milde Erkrankungsverläufe, bei denen der betroffene Patient die Krankheit selbst gar nicht als solche wahrnehme. "Hier wird die FFP2-Maske ohne Ventil, wenn sie getragen wird, zum Schutzfaktor für den Gegenüber und die FFP2 mit Ventil zum Risiko", sagt Cronenberg.
Gleichzeitig wirft er auch einen Blick in die Zukunft: Seiner Ansicht nach sollten - wenn eine ausreichende Menge vorhanden ist - alle Menschen an den Schnittstellen dieser Gesellschaft mit derartigen Masken mit der beschriebenen Fremdschutzfunktion versorgt werden, um die weitere Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. "Dies wäre neben der sozialen Distanzierung und dem Händewaschen eine äußerst sinnvolle Maßnahme in dieser fortschreitenden Pandemie, mit der wir uns alle konfrontiert sehen", so Cronenberg.














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