30.10.2018 - 15:10 Uhr
KemnathOberpfalz

Für die Erkältungszeit gerüstet

Beim Obst- und Gartenbauverein Kemnath steht die Praxis im Vordergrund. Kräuterexpertin Johanna Eisner gibt in der Herbstversammlung viele Tipps, wie man die Erkältungszeit möglichst gesund übersteht.

Johanna Eisner trifft mit ihrem Vortrag genau die Erwartungen der Gäste. Ihre Tipps zur Abwehr von Erkältungen stoßen auf großes Interesse.
von C. & W. RupprechtProfil

Der Obst- und Gartenbauverein hatte diesmal Johanna Eisner als Referentin eingeladen. Sie ist eine bayernweit bekannte Kräuterexpertin und Referentin für Naturkräuterkunde sowie Ausbilderin bei dem Lehrgang für Kräuterführer nach Hildegard von Bingen. Es kamen so viele Gäste, dass die Verantwortlichen noch neue Stühle holen mussten.

Eisner stellte die Unterschiede zwischen früher und heute heraus. Früher beugten die Menschen Erkältungskrankheiten vor, indem sie sich mit Unterwäsche warm hielten, den Kopf und die Ohren mit Kopftüchern und Mützen vor Kälte schützten und auf warme Füße achteten.

„Das tägliche Fußbad am Abend ist unentbehrlich. Es sorgt für eine gute Durchblutung und für einen guten Schlaf. Die Füße zu pflegen ist wichtig, sie tragen uns durch das Leben“, erklärte die Expertin. Dabei dürfe man gerne ein- bis zweimal pro Woche einen Esslöffel Natron zufügen. Auch das Bett müsse passen, schließlich solle sich der Körper darin erholen. Mit verschwitzter Sportkleidung nach Hause zu gehen, sei grob fahrlässig und Getränke sollten in ihrer Temperatur so gewählt werden, dass sie zur Außentemperatur passen, also im Sommer nicht zu kalt, eher warm, und im Winter nicht gleich zu warm. Der Körper müsse sonst zu viel Anpassungsarbeit leisten. Leitungswasser sei das beste Getränk, wenn das Leitungsmaterial unbedenklich sei.

Sie warnte, Erkältungskrankheiten zu unterschätzen. „Werden sie nicht richtig auskuriert und behandelt, ziehen sie andere Erkrankungen nach sich.“ Auch die Bettwäsche müsse richtig gewählt werden. Es müsse Kochwäsche sein, um nach dem Waschen hygienisch einwandfrei zu sein. „Auch Unmäßigkeit beim Essen, Habgier, Zorn, Neid, Ausschweifungen und Übernächtigkeit machen den Körper auf Dauer anfällig“, betonte Eisner.

Anschließend stellte sie die Kräuter von Hildegard von Bingen vor, die zur Vorbeugung vor Erkältungen dienen. Die drei Hauptkräuter sind: Galgant, Bertram und Quendel.

Galgant helfe bei Gliederschmerzen und eine Löffelspitze Galganthonig genascht, vertreibe kalte Füße und das Frieren. Galgant ist ein scharfes Gewürz und helfe sowohl bei Appetitlosigkeit als auch bei Esswut.

Quendel (Feldthymian) ist gut für Haut, Schleimhäute und das Gedächtnis. Bertram ist die römische Kamille. Weil er geschmacksneutral ist kann man ihn sehr universell einsetzen. Er hilft bei der Verdauung und auch dann, wenn man wenig Speichel hat.

Aus ihren Kräutern stellt Eisner Galgantwein her, wobei die Wurzelstücke und nicht das Pulver verwendet werden. Trinkt man das vor und nach schwerer Arbeit und vor dem Schlafengehen, sorge er für gute Durchblutung, für guten Schlaf und der Körper sei weniger erschöpft.

Wermuttrank wird auch zur Maikur verwendet. Die Ernte kann nur im Frühjahr, am besten im Mai erfolgen. Er wird mit Wein und Honig gekocht und wirkt, morgens eingenommen, positiv auf Kreislauf und Herz. Dabei kann man ihn ein wenig mit Herzwein mischen, der auch Petersilien-Honigtrank genannt wird. Das Hirschzungenelixier hilft bei Lungen- und Leberhusten, ist auch gut für die Bauchspeicheldrüse. Man verwendet es als Klartrunk.

Cubebenpfeffer ist gut bei Schnupfen, der sich nicht löst. Man kaut die getrockneten Beeren. Drei Stück am Tag reichen. Er nehme auch den Zorn und Hysterie und bringe Sauerstoff in den Kopf. Der Bärwurz-Birnen-Honig hilft bei Kopfweh und Migräne. Dazu müsse man das Rezept als Kur durchziehen. Das Pellargoniengewürzmischung wirkt vorbeugend und auch bei Darmgrippe.

Das Publikum durfte die Kräuter und fertige Rezepturen kennenlernen und gleich probieren. Für Menschen, die bereits an der Grippe erkrankt sind, hatte Eisner auch Kräuterrezepturen parat. Sie empfahl Andorn- Mischkräuter, die Stimmkräuter bei Heiserkeit und zur Stärkung für Sänger. Der Meisterwurz als Kaltauszug und die Andorn Rahmsuppe helfen ebenfalls bei Grippe. Das Rebstockwasser wird rund um die Ohrmuscheln und Nebenhöhlen sowie an Stirn und Schläfen angewandt. Die Veilchencreme helfe bei wunder Nasenhaut und bei Narben und stumpfen Stoßverletzungen. Wichtig sei, dass Ziegenfett und Rosenöl enthalten sind. Bei festsitzendem Husten hilft Rainfarn.Dieser sei aber roh giftig. Getrocknet sei er unbedenklich. "Er muss vor der Blüte geerntet werden. Daraus wird dann eine Suppe gekocht", erklärte Eisner. Wermutöl hilft bei festsitzendem Husten und bei Seitenstechen.

Die genannten Rezepturen sind in Kürze auf der Homepage des Vereins genauer nachzulesen. Für Kinder und trockene Alkoholiker wird jedes Elixier mit Traubensaft anstelle des Weines gekocht.

Apfelsortenschau:

Im Anschluss an dem Vortrag wurde die Apfelsortenschau freigegeben. Über 35 Sorten hatten die Gartler zusammengetragen, die alle probiert werden durften. Von frühreifenden Sorten und Säulenäpfeln wie Red River bis hin zum Lagerapfel Boscop war alles vertreten. So wurde die Entscheidung für den richtigen Baum bei der nächsten Pflanzung leichter gemacht. Katharina Hage und Josef Häckl halfen bei so mancher Frage weiter. Zudem gab es auch Äpfel mit der Beschriftung "Wer kennt mich?". Diese stammten von Obstbaumbesitzern, die die Sorte ihres Baums wissen wollten. Schnell ergaben sich Diskussionen, um welche Sorte es sich dabei handeln könnte.

Häckl gab zum Abschluss noch einen kleinen Ausblick: Im November wird es passend zum beginnenden Advent eine Jugend-Bastelaktion geben. Die Jahresendfeier ist am Freitag, 14. Dezember. ab 19.30 Uhr im Troglauer Hofcafe.

Die Kräuterexpertin hatte zahlreiche Kostproben im Angebot.
Vorsitzender Josef Häckl überreichte Johanna Eisner als Dank für den gelungenen Vortrag ein Geschenk mit Wohlfühlcharakter.
Die Apfelsortenschau mit 35 Apfelsorten erfreut sich großer Beliebtheit, denn alle Äpfel dürfen auch probiert werden.
Die Apfelsortenschau mit 35 Apfelsorten erfreute sich großer Beliebtheit, denn alle Äpfel durften auch probiert werden.
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