Kemnath
05.11.2018 - 11:30 Uhr

Gerichtsbarkeit in früheren Zeiten

Die spätmittelalterliche Gerichtsbarkeit in der nördlichen Oberpfalz ist Thema der Regionalgruppe Otnant in Kemnath. Darüber hinaus geht es auch um die Situation im Grenzgebiet zum heutigen Tschechien und zum östlichen Oberfranken.

Ehrengäste, Organisatoren und Referenten beim Otnant-Gespräch: (von links) Thomas Feuerer vom Historischen Verein der Oberpfalz, Bezirksheimatpfleger Tobias Appl, Bernhard Fuchs und Erich Schraml von der Regionalgruppe Otnant sowie die beiden Adalbert Busl und Bernd Thieser. Bild: stg
Ehrengäste, Organisatoren und Referenten beim Otnant-Gespräch: (von links) Thomas Feuerer vom Historischen Verein der Oberpfalz, Bezirksheimatpfleger Tobias Appl, Bernhard Fuchs und Erich Schraml von der Regionalgruppe Otnant sowie die beiden Adalbert Busl und Bernd Thieser.

Zahlreiche Besucher hieß Erich Schraml, stellvertretender Sprecher der Regionalgruppe Otnant, im Foyer der Mehrzweckhalle willkommen. Grußworte sprachen auch der Vorsitzende des Historischen Vereins der Oberpfalz und Regensburg, Thomas Feuerer, und Bernhard Fuchs, Vertreter der Regionalgruppe beim Historischen Verein. Unter die Gäste des 24. Otnant-Gesprächs hatten sich auch Bezirksheimatpfleger Tobias Appl aus Regensburg, Kreisheimatpfleger Robert Schön und Archivpfleger Robert Treml eingereiht.

Gregor Köstler aus Neualbenreuth eröffnete die Vortragsrunde mit seinem Thema über das Neualbenreuther Fraischgebiet, dass über Jahrhunderte eine Art rechtlicher Doppelexistenz zwischen dem Kloster Waldsassen und dem Königreich Böhmen geführt hatte. Ein Gebietsteil der ehemaligen Fraisch, der sogenannte Egerer Stadtwald im Gebiet der heutigen Gemeinde Neualbenreuth, führe in der Gegenwart in kleinerem Rahmen seinen Sonderstatus weiter fort, meinte Köstler. So sei der Streit darum mit der heute tschechischen Stadt Cheb noch immer nicht ganz beendet.

Adalbert Busl aus Wiesau leitete direkt von der Fraisch auf die Richterämter des Klosters Waldsassen über. Er beschrieb den langen Weg einer vermeintlich auf das Jahr 1133 datierten Klostergründung über die Ausstrahlung des mönchischen Lebens im Hochmittelalter, den folgenden Abstieg aufgrund der sich ausweitenden Verschuldung und die Machtverschiebung zugunsten der großen Territorialherrschaften unseres Raumes. Im weiteren Verlauf beschrieb Busl Aufbau und Strukturen der klösterlichen Gerichtsbarkeit, deren Vertreter sich überwiegend aus dem ortsansässigen Adel rekrutierten.

Bernd Thieser, der frühere Vorsitzende der alten Otnant-Gesellschaft, befasste sich mit der Kriminalgeschichte des ehemaligen kurpfälzischen Amtes Waldeck-Kemnath. Er erläuterte zuerst den Werdegang des Landrichteramtes und schlug über die Leuchtenbergischen Grafen zu Waldeck einen weiten Bogen bis hin zum Übergang an Kurbayern im Dreißigjährigen Krieg. Weiterhin ging Thieser auf den Urteilsvollzug ein und beschrieb sehr bildhaft die drakonischen Strafen, die bei dem jeweiligen Delikt drohten.

Der wesentliche Teil seines Vortrages behandelte aber die Delinquenten selbst. "Die Gerichtsakten zeigen auf einzigartige Weise die Schattenseiten der damaligen Zeit jenseits von Herrschaft und Adel auf", meinte Thieser. Hier würden die geschichtslosen Opfer und Täter einen Fußabdruck hinterlassen und so dem Vergessen trotzen. Ein Beispiel unter vielen seien das Schicksal des "Egerer Botens", der am Zinster Berg den Tod fand, und das seines Mörders.

Den Abschluss der Gesprächsrunde bildete der Vortrag von Erich Schraml über die Grenzstreitigkeiten zwischen der Kurpfalz und der Markgrafschaft Kulmbach-Bayreuth. Er konzentrierte sich dabei auf zwei besonders konfliktträchtige Gebiete: den Teichelberg, zwischen Steinwald und dem Reichswald gelegen, und das Kösseine-Gebiet bei Nagel. Schon im 14. Jahrhundert mussten aufgrund der zunehmenden Territorialsierung in unserem Raum Grenzabmarkungen erfolgen, um Streitigkeiten und Fehden zu vermeiden.

Schraml beleuchtete zuerst die historische Entwicklung der brandenburgisch-bayreuthischen Amtsorganisation, hier insbesondere im Sechsämterland als direkter Anrainer zum Amt Waldeck-Kemnath. Der bekannteste Konflikt war der Bayerische Erbfolgekrieg zwischen 1503 und 1505, wobei die sogenannte "Schlacht bei Ebnath" im Jahr 1504 viele Tote forderte. Erst im frühen 19. Jahrhundert bereiteten die Ausweitung und Arrondierung der großen deutschen Territorialstaaten den kleinen lokalen Zwisten ein Ende.

Die gelungene Veranstaltung klang mit einer sehr interessanten Führung durch das Kemnather Heimatmuseum aus, sachkundig begleitet von dessen Leiter Anton Heindl und Hans Rösch, Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises Kemnath.

Hintergrund:

Demnächst erscheinen zwei Bücher mit direktem Bezug zu den Vorträgen: „Zwischen Österreich und Bayern – Die Fraisch mit der Simultaneums-Pfarrei Neualbenreuth im 19. Jh.“ stammt von Gregor Köstler und wird Anfang 2019 in der Reihe „Regensburger Beiträge zur Regionalgeschichte“ im Verlag Vulpes (Regensburg) veröffentlicht. Von Bernd Thieser ist das Buch mit dem Titel „Galgen, Rad und Peitschenhiebe Kriminalfälle im Landrichteramt Waldeck – Kemnath im 15. und 16. Jh.“. Es wird ab März 2019 im Verlag Eckhard Bodner in Pressath erhältlich sein. (stg)

 
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