24.01.2019 - 14:12 Uhr
KemnathOberpfalz

Göttin mit Appetit auf Sonne

Das Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum in Kemnath zeigt eine Sonderschau über ägyptische Kultur und Mythologie.

Etwa um 1300 vor unserer Zeitrechnung wurden diese beiden ägyptischen Bierkrüge hergestellt, die das Kemnather Museum in einer Sonderausstellung zeigt.
von Bernhard PiegsaProfil

Zugleich mit der großen Abba-Sonderschau "Mamma mia - Here we are" (wir berichteten) eröffnete der Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis Kemnath und Umgebung (HAK) am Samstagabend im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum eine von Hans Bäte gestaltete Sonderschau über ägyptische Kultur und Mythologie.

Mit Bildern, Figuren, Amuletten und Keramikgefäßen zeichnete der HAK-Spezialist für Vor-, Früh- und Altertumsgeschichte ein anschauliches Bild der antiken Hochkultur des Landes. Eine Überraschung waren für viele Besucher die Bierkrüge: "Das Bierbrauen haben die Ägypter schon vor 3300 Jahren beherrscht."

Vieles an der altägyptischen Mythologie wirke aus heutiger Sicht kurios: "So verehrten die Ägypter die Himmelsgöttin Nut, von der sie glaubten, dass sie jeden Abend die Sonne verschlinge, um sie am nächsten Morgen wieder auszuscheiden."

Vertrauter mute die Vorstellung eines Gottesgerichts an, dem jeder nach seinem Tod unterworfen werde. Als "Herrscher des Totenreichs" lege Gott Osiris jedes Herz auf eine Waage, auf deren anderer Schale eine Feder der Gerechtigkeitsgöttin Maat liege. Ein "leichtes", weil von Sündenlast freies Herz halte die Waage im Gleichgewicht und bewahre den Toten vor der Verstoßung in die "Finsternis". Üblicherweise habe man den Verstorbenen "Uschebti"-Figuren ins Grab gelegt: "Die Ägypter glaubten, die Toten müssten im Jenseits arbeiten, und die Uschebti sollten ihnen diese Arbeiten abnehmen oder erleichtern."

Nicht unerwähnt ließ Bäte den im 14. vorchristlichen Jahrhundert regierenden Pharao Echnaton, der versucht habe, die traditionelle Vielgötterei durch einen Eingottglauben zu ersetzen. Dies sei jedoch Episode geblieben: "Nach Echnatons Tod wurden sogar die Erinnerungen an ihn systematisch zerstört - von Keramikgefäßen mit typischen Dekors der Echnaton-Zeit bis zu seiner neu gebauten Hauptstadt." Eine künftige Ausstellung wolle er der Zeit des Römischen Reichs widmen, kündigte der Kulmainer an: Außer Keramik und Glasgefäßen solle dann auch das Modell einer rund 2000 Jahre alten römischen Lanze zu sehen sein.

Info:

Klänge, Kaffee und Kuchen

Kemnath. (bjp) Zu einem musikalischen Nachmittag mit „Kaffeerunde“ lädt der Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis Kemnath (HAK) für Sonntag, 27. Januar, in die Musikautomatenausstellung „Musikeum“ ein. Mechanische Musikinstrumente aus der Zeit zwischen 1880 und 1930 spielen vertraute und weniger bekannte Melodien unter dem Motto „Musik aus einer anderen Welt“. Neu in der Ausstellung ist ein im thüringischen Schalkau handgefertigter mechanischer Kurbelmusikautomat aus den 1920er Jahren: Wird die Kurbel gedreht, prostet eine Puppe dem Betrachter zu, ein Musikant streicht über die Saiten seiner Fidel und ein Paar dreht sich zur Melodie „Trink, trink, Brüderlein, trink“ im Tanz. Das Musikeum im Meisterhaus, Trautenbergstraße 30, und das benachbarte Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum mit den Sonderausstellungen „Abba: Mamma mia“ und „Zeugnisse ägyptischer Kultur“ sind von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, für Kaffee und Kuchen wird eine Spende erbeten.

Wohl in den späten 1920er Jahren entstand in Thüringen dieser Kurbelmusikautomat, den Anton Heindl am 27. Januar den Besuchern der Musikautomatenausstellung "Musikeum" vorführt.

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