03.11.2019 - 13:36 Uhr
KemnathOberpfalz

Immer wieder Hiobsbotschaften

Bei der Gebietsversammlung des BBV-Kreisverbandes Tirschenreuth für 2019/2020 in Kemnath gibt es viel zu bereden.

Kreisversammlung BBV Tirschenreuth: Kreisobmann Ely Eibisch mobilisierte für die Kommunalwahl 2020 damit wieder Landwirte in den Gremien von Gemeinden, Städten und dem Landkreis vertreten sind.
von Bernhard KreuzerProfil

"Alle Jahre haben wir mit Hiobsbotschaften zu kämpfen." Damit leitete der Obmann des örtlichen Bauernverbandes Michael Hautmann die Gebietsversammlung des Kreisverbandes Tirschenreuth für den Zeitraum 2019/2020 ein.

In Bezug auf die Landwirtschaftspolitik kreidete Hautmann den Verantwortlichen an, dass trotz gelobter Erleichterungen stets das Gegenteil eintrifft. Auf die Thematik neuer Vorschriften und Auflagen richteten auch die drei Referenten des Abends ihr Hauptaugenmerk. Kreisgeschäftsführer Ulrich Härtl versicherte: "Wir versuchen das ganze Jahr über mit viel Aufwand das Schlimmste zu verhindern." Er stellte fest: "Zurzeit sitzt der Frust durch das Auflagenprocedere sehr tief." Als ein Beispiel führte er die Anforderungen beim Silobau an. Vieles sei sehr konfus. Baufirmen wissen nicht, wie sie diese umsetzen können. Wichtig für den Kreisgeschäftsführer war, dass die Landwirte wieder zusammenhalten, gemeinsam auftreten und protestieren. "Das gibt Hoffnung", sagte er.

Beunruhigt war er beim Thema Vorsorge in der Landwirtschaft. Er appellierte eindringlich, Vorkehrungen für den Notfall zu treffen und legte allen den "Notfall-Check Bayern" ans Herz. Er ist Leitfaden für die vorsorglichen Maßnahmen beginnend von der Erkrankung über die Vertretung bis zum Tod. Die Handlungsfähigkeit des Betriebes muss im Ernstfall erhalten bleiben, der Betrieb rechtlich abgesichert und vor Schäden geschützt werden. Von der Ersten Hilfe, der Unfallanzeige, der Betriebshilfe, Existenz vernichtende oder bedrohenden Risiken, Versicherungen, notariellen Verträgen, auszustellenden Vollmachten bis zur Notfallhandakte spannt sich der Notfall- und Vorsorge-Check für Familie und Betrieb. Er sollte gemacht werden, auch wenn er Zeit und Geld kostet, redete Ulrich Härtl den Landwirten ins Gewissen.

Die vom Kreisgeschäftsführer angesprochene neue Solidarität bei der Großdemonstration mahnte ebenso Kreisobmann Ely Eibisch an. Sein erster Blick galt der Kommunalwahl 2020. Die Landwirtschaft sei in den kommunalen Gremien nicht mehr vertreten, bedauerte er und ermunterte hier zum Engagement, um wieder eine Stimme zu bekommen, die anstehenden Herausforderungen bewältigen zu können. Eine davon sei die Kombinationshaltung von Milchkühen mit einer umfassenden Zusammenstellung von Tierwohlmaßnahmen. Die kleineren Milchviehbetriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung sollten so auf dem Weg in zukunftsfähigere Haltungsformen begleitet werden. Bewegungsfreiheit, Platzangebot, Ausstattung, Trockensteh- oder Abkalbbuchten seien in einem ganzen Katalog von Maßnahmen zum Tierwohl beschrieben.

Als nächste Baustelle sprach Eibisch die "Gemeinsame europäische Agrarpolitik 2020" (GAP 2020) mit dem damit verbundenen Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP) an. "Durch die Regularien hören die Kleinen auf", stellte Eibisch betroffen fest. Die kleinen Betriebe sterben auch im Landkreis Tirschenreuth. Der Anteil der Kuhhalter sank in den zurückliegenden Jahren um ein Drittel. Die Zahl der Milchkühe blieb aber gleich, beschrieb der Kreisobmann den Wandel hin zu Großbetrieben. Auswirkungen auf die Umwelt sah er darin, dass mit jedem stillgelegten Hektar wieder drei Hektar in Lateinamerika für die Lebensmittelproduktion gerodet würden.

Eine Kontinuität der Fördermöglichkeit sah Eibisch in der Diversifizierungsförderung (DIV). Hier werden Investitionen gefördert, die landwirtschaftsnahe Dienstleistungen ermöglichen und zusätzliche Einkommensquellen aus selbstständiger Tätigkeit schaffen. In der Agrarpolitik unterstützt deshalb der Bauernverband die Aktion "Grüne Kreuze", weil die Landwirtschaft viele Leistungen für die Gesellschaft erbringe die keine Aufmerksamkeit finden.

Ausgleichszulagen, Klimaschutz und die Düngeverordnung waren weitere Punkte. Der Düngeverordnung kreidete Eibisch an, den Einsatz von Wirtschaftsdünger aus dem eigenen Betrieb runter zu zwingen um auf der anderen Seite den Verbrauch von Mineraldünger hochzufahren. Ein gewisser Einfluss der Düngerlobby sei in der Verordnung nicht zu übersehen.

Kreisversammlung BBV Tirschenreuth: Michael Hautmann (1.v.r.) war bei seiner Begrüßung nicht immer zum Lachen. Viel zu ernst und schwierig ist die Lage der Landwirte. Sitzend auf der gegenüberliegenden Bank v.l. Kreisgeschäftsführer Ulrich Härtl, stellvertretender Kreisobmann Martin Härtl und Kreisobmann Ely Eibisch.
Kreisversammlung BBV Tirschenreuth: Ulrich Härtl appellierte und empfahl dringend den „Notfall-Check Bayern“ ernst zu nehmen und umzusetzen
Kreisversammlung BBV Tirschenreuth: Grünes Kreuz Der BBV unterstützt die Aktion „Grünes Kreuz“. An vielen Straßen, wie hier am Ortseingang von Immenreuth, stehen sie auf Wiesen und Äckern.
Info:

Problem Discounter

Über den negativen Einfluss der Lebensmittelindustrie sprach stellvertretender Kreisobmann Martin Härtl. Discounter seien dabei ein gewisses Problem aufgrund billiger Eigenmarken. Allerdings entdeckte er einen kleinen Silberstreifen am Horizont: Die Molkereien zahlen etwas mehr für den Liter Milch. Ob dies beruhigt, sei mit der „QM-Milch 2020“, dem Qualitätsmanagement-Milch 2020, eine andere Frage. Die wichtigsten Änderungen fasste er in fünf Punkten zusammen: die haltungsbedingten Mängel, die Eutergesundheit der Kühe oder das Erscheinungsbild des Betriebes selbst. So laufe die sogenannte „Unbedenklichkeitsbescheinigung“ für Futtermittel mit Ablauf des Jahres aus. Das heißt auch, dass Biertreber nur noch von zertifizierten Brauereien gekauft werden darf. Die neuen Vorschriften brächten auch mehr Betriebskontrollen mit sich, kündigte Martin Härtl an.

In die Diskussion floss das Thema Gleichstromtrasse ein. Darauf angesprochen, führte Ely Eibisch aus, es gebe für den Raum Kemnath aufgrund der Untersuchung des Raumwiderstands keinen Anlass zur Gelassenheit, weil die Autobahnvariante außen vor ist.

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