Kemnath
12.08.2026 - 16:30 Uhr
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Jodel-Rekordlerin Uschi Bauer in Kemnath für medizinische Behandlung

Mit 24 Tönen pro Sekunde ist Uschi Bauer aus Niederbayern die schnellste Jodlerin der Welt. Sie erinnert sich an ihre musikalische Karriere, die auch eng mit der Oberpfalz verbunden ist.

24 in einer Sekunde gejodelte Töne – dazu gehören eine Menge Übung und viel Luft. Geschafft hat das Uschi Bauer aus Niederbayern. Die schnellste Jodlerin der Welt weilt derzeit in Kemnath. Allerdings nicht für ein Konzert oder einen Jodelkurs – die 75-Jährige ist aus medizinischen Gründen hier.

Wie sie im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erzählt, hat sie seit über 30 Jahren einen Zwerchfellbruch, Hustenanfälle und Reflux sind die Folgen. Jahrzehntelang sei sie falsch behandelt worden. Ihre Rettung war der Deggendorfer Arzt Dr. Joachim Overbeck, der ihr wiederum Professor Karl-Heinz Dietl empfohlen hat. Dietl fungiert in Kemnath als Sektionsleiter für endokrine Chirurgie. Also machte sich die volkstümliche Schlagersängerin auf den Weg in die Oberpfalz. Seit Montag ist sie nun hier. Nach einer Magen- und Darmspiegelung am Dienstag kam die gute Nachricht: "Eine OP ist nicht nötig", ist Uschi Bauer, die mit bürgerlichem Namen Renate Remmelt heißt, erleichtert. Wie es mit der weiteren Behandlung weitergeht, erfährt sie wohl am Donnerstag.

Schon öfter in der Region

Sie ist übrigens nicht das erste Mal in der Oberpfalz, wie sie verrät: "Ich habe auch viele Auftritte im Steinwaldhaus in Erbendorf gehabt", erzählt sie. Und: "In Wernberg-Köblitz hatte ich meinen allerersten Auftritt als Uschi Bauer", erinnert sie sich. 1978 war das, da hat sie auch ihre erste Schallplatte herausgebracht.

Vor ihrer Zeit als Uschi Bauer war sie als Combo- sowie Big-Band-Sängerin unterwegs. "Learning by doing", beschreibt sie ihre Musikkarriere. "Ich bin jahrelang getingelt mit Bands", für Tanz und Jodler. Mit einer dieser Gruppen sollte sie einmal eine Mitternachtsshow gestalten. Daraus sei dann eine "volkstümliche Show in einer Münchener Nobel-Disco" geworden, die beim Publikum so gut angekommen sei, dass Polka getanzt worden ist.

Daraufhin habe eine Sängerkollegin ihr geraten, eine Demo-Kassette aufzunehmen und an Produzenten zu schicken. Gesagt, getan: Mit einer Aufnahme mit drei Jodlern habe sie sich dann beworben – "und schon der erste Produzent hat sich für mich interessiert". 1978 nahm sie ihre erste Schallplatte auf. "Aus dem Disco-Fetzn-Gwand nei ins Dirndl", beschreibt Uschi Bauer ihre Karriere und lacht. Damals habe es zwar auch gute Jodlerinnen und Jodler gegeben, "aber die Szene brauchte frisches Blut und ich war jung". Ihr gelang der "Riesen-Hit", wie sie sagt, "Die kleine Bergkirche (Ave Maria)".

Neben ihren Auftritten in Erbendorf und Wernberg-Köblitz sowie ihrem derzeitigen Klinikaufenthalt verbindet sie noch etwas mit der Region: ihre Freundschaft mit Brigitte Traeger. "Wir waren bei der gleichen Plattenfirma", erzählt Uschi Bauer. Brigitte Traeger, die aus Georgenberg (Landkreis Neustadt/WN) stammt und mittlerweile in Speichersdorf (Landkreis Bayreuth) lebt, habe ihr einmal gesagt, "dass ich ihr Vorbild war", freut sich die 75-Jährige noch heute.

Freundschaft mit Brigitte Traeger

Sie ist außerdem voll des Lobes für Professor Karl-Heinz Dietl, Chefarzt Dr. Gerhard Jilge und Chefarzt Dr. Florian Höhler sowie überhaupt für das ganze Personal. "Sie sind alle so lieb", ist die Sängerin begeistert. Ihnen und dem Klinikum bescheinigt sie eine "Note eins mit fünf Sternen". Sie fühlt sich hier "sowohl medizinisch als auch von der Professionalität und Freundlichkeit aller Ärztinnen und Ärzte sowie der Mitarbeitenden bestens betreut".

Auftritte und Konzerte gibt Uschi Bauer heute nicht mehr. "Ich habe mich zurückgezogen", erzählt sie. Grund waren eine doppelseitige Lungenembolie, ein doppelseitiger Lungeninfarkt sowie eine beidseitige Lungen- und Rippenfellentzündung im Jahr 2018. Seitdem habe sie nicht mehr richtig atmen können, die Ärzte hätten zu ihr gemeint, dass es mit dem Singen und Jodeln vorbei sei. Sie aber habe sich gesagt: "Nicht mit der Uschi!" Jeden Tag habe sie auf dem Crosstrainer gejodelt. "Jodeln hat mir das Leben gerettet", ist sie sich sicher.

Dass sie es noch kann, zeigte ihre Teilnahme bei "The Voice Senior" 2019, da sei sie unter 4000 Bewerbern in die Blind Audition gekommen – da habe sich allerdings kein Juror für sie entschieden. "Ich wollte nur dabei sein. Ich wollte mir beweisen, ich bin wieder da", sagt die 75-Jährige. Teilgenommen hat sie 2021 auch beim RTL-Supertalent sowie bei der Reihe "Heimat der Rekorde" des Bayerischen Rundfunks. Und da hat sie eben den Jodelrekord aufgestellt. Für diese Art des Singens brauche es "viel Luft und eine schnelle Zunge", beschreibt sie – und auch eine schnelle Jodel-Sprache.

Jodel-Sprache

Für eine Sendung des SWR habe sie sich einen Text für Mozarts "Kleine Nachtmusik" einfallen lassen. Mit den Worten "hollaradio" oder "dudljö" komme man beim Jodeln schon weit. "Dass ich jodeln kann, weiß ich seit dem siebten Lebensjahr", erzählt sie lachend. Da habe sie jemanden jodeln hören und wollte das selbst gleich ausprobieren. Jedem, der Probleme mit der Luft hat, empfiehlt sie, "sich einfach zu trauen, die Luft rauszulassen und ganz laut zu singen".

An der Region gefallen ihr besonders "eure Wälder, die sind alle noch in Ordnung". Das habe sie von der Straße aus bei ihrer dreieinhalbstündigen Anreise nach Kemnath bemerkt. Angetan ist sie auch von ihrer Aussicht aus dem Krankenhauszimmer: Vom Fenster aus hat sie einen wunderbaren Blick auf die schöne Kirche.

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