25.01.2019 - 10:35 Uhr
KemnathOberpfalz

Als Kabarettist ernst machen

Susanne Herold ist richtig sauer, als ihr Mann Michael vor 25 Jahren ihre und seine Hochzeitsgäste bei der Feier mit Witzen unterhält. Heute sorgt sie selbst mit dafür, dass der Kemnather als Kabarettist auf Bühnen in der Region steht.

"Und, wie findet du diese Pointe?": Bei der Stelle in seinem Programm, die Michael Herold seiner Frau Susanne am Laptop zeigt, muss der Kabarettist sogar selbst lachen.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Schon damals hätte sie wissen müssen, wen sie sich da geangelt habe, lacht die 47-Jährige. Schon als Bub sei er lebhaft und in der Schule der Klassenkasper gewesen, gibt Michael Herold zu. Doch diese damals „eher störende, negative Eigenschaft“ kommt dem Nachwuchskabarettisten jetzt zu gute. Allerdings brauchte es für den Schritt an die Öffentlichkeit noch eine Initialzündung. Und die kommt von seiner Frau: Sie schenkt ihm einen Kabarettlehrgang an der Volkshochschule in München.

Den letzten Stupser gibt ihn dort der Seminarleiter und Kabarettist Walter Zauner. Bei ihm und Angelika Baier lernt der Erzieher am Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef in Wunsiedel die richtige Körpersprache und wie man ein Programm aufbaut. „Ich sei ein Naturtalent“, habe ihn Zauner nach Kursende gelobt und gemeint: „Machen’S das bitte weiter. Wenn ich nichts mehr von Ihnen höre, bin ich grantig.“

Derart ermutigt, beginnt Herold schließlich im Frühjahr 2018, sein erstes Programm zusammenzustellen. Dafür greift der ehemalige Pullenreuther auf „Geschichten, wie es damals in der Schule, bei den Ministranten und im frühen Erwachsenenalter war“, zurück, die er im Laufe der Zeit bereits gesammelt und „kabarettistisch aufbereitet“ hat, denn, was er darüber so erzähle, „stimmt natürlich nicht alles so“.

Der erste Auftritt lässt nicht lange auf sich warten. So sucht der Ritterbund Kemnath im Vorjahr jemanden für eine Veranstaltung. Daher habe dessen Großmeister Werner Ponnath, der in der Nähe wohne, bei ihm angefragt, erinnert sich der 46-Jährige. Er sagt zu, weil es für einen Neueinsteiger nicht so einfach sei, eine Bühne zu finden. Herold ist überrascht von den Rückmeldungen „für das, was ich aus dem Ärmel geschüttelt habe“.

Daraufhin organisiert er mit seiner Frau einen ersten öffentlichen Auftritt in Neusteinreuth im November. Und auch dort seien die Leute von seinem Programm „Derf ma des?“ begeistert gewesen, freut sich der Kemnather. Ständig arbeite er an den Inhalten weiter. So habe er in Neusorg in der Vorwoche neue Pointen ausprobiert, und auch in Pullenreuth (2. Februar) werde es so sein. Die Ideen dazu kommen ihm spontan. „Ich mache viel über den Tag hinweg. Wenn mir etwas einfällt, schreibe ich es auf.“

Um ständig besser zu werden, analysiert der dreifache Vater seine Auftritte anhand von Videos von Martin Zehrer. Ein Mitschnitt auf dessen Internetseite zählt laut Herold bereits 3000 Klicks. Groß auf eine Veranstaltung bereitet er sich nicht vor. Er sei zwar selbst etwas chaotisch, aber „in Extremsituationen funktioniere ich“. Lediglich ein, zwei Tage vorher setzte er sich hin und gehe den Inhalt durch. Aber ohne die Familie als Testpublikum. „Ich kann das nicht. Ich brauche den Kick, dass andere Menschen dort sitzen.“ Auch seine Kindergruppe in Wunsiedel muss auf Kostproben verzichten. „Die kennen mich eh als lustigen Menschen.“ Daher sei es für seine Schützlinge auch nichts Ungewöhnliches, dass er als Kabarettist Spaß mache. Neues übt der Kemnather, wenn er im Auto „in einem geschützten Rahmen“ unterwegs ist, ein. Oder er testet einzelne Pointen vor den Stammtischfreunden.

Vom musikalische Kabarett lässt er zumindest vorerst noch die Finger. Er habe sich zwar selbst das Gitarrespielen beigebracht, doch müsste er dann Gema-Gebühren zahlen. Ganz wolle er aber dieses Thema nicht ausschließen. Ebenso, künftig selbstverfasste, lustige Gedichte mit ins Programm einzubauen. „Aber noch habe ich keine Lücken. Vielmehr muss ich eher aufpassen, mich in den eineinhalb Stunden nicht zu verzetteln.“

Herolds „absolutes Vorbild“ ist Gerhard Polt. Er sei vielseitig, intelligent und schauspielerisch 1a. Von ihm schaue er sich ab, wie er die Pointen aufbaue. „Er macht das Publikum neugierig. Es weiß zunächst nicht, wo er hin will. Deshalb hört ihm jeder zu.“ Mit seiner Ruhe und bayerischen Gemütlichkeit strahle Polt Natürlichkeit aus, die eine große Rolle spiele. Ähnlich sei dies bei Andreas Giebel.

Kabarett mache er nicht wegen des Geldes, versichert der 46-Jährige. Ihm sei wichtig, Auftritte zu bekommen, um dadurch immer besser zu werden und seinen Bekanntheitsgrad auszuweiten. Auf seiner Internetseite, auf Youtube und Facebook „kann sich jeder überzeugen, dass Oberpfälzer Kabarett funktioniert“. Was ihm und seiner Frau fehlt, ist jemand, der Auftritte organisiert. Das falle ihm schwer. „Wenn es mal roll, wird es einfacher.“

Um ein Engagement zu ergattern, hat Susanne Herold auch in der Kaibitzer Schlossschänke nachgefragt. Und um die Buchung nicht zu gefährden, quasi ein neues Programm angekündigt, erzählt sie lachend. So kommt es, dass ihr Mann dann am 15. März mit „Braucht’s des?“ in Kaibitz die nächste Premiere feiert – nur ein paar Monate nach dem „Derf ma des?“-Debüt. Darin gehe es dann weniger um Erzählungen von früher, sondern mehr um philosophische Gedanken, kündigt Herold an und gibt ein Beispiel: Wie würde wohl die Geburt Jesu in der heutigen Medienwelt ablaufen? Auch wolle er darstellen, wie schön Dialekte sind. „Drauf“ habe er – meist für die Zugaben – unter anderem neben Oberpfälzisch auch Fränkisch, Sächsisch und Thüringerisch. Ebenso Mehlmeiselerisch, scherzt er.

Wann es einmal ein drittes Programm geben wird, weiß Herold noch nicht. Er kann sich aber vorstellen, einmal ohne Konzept auf die Bühne zu gehen und Stand-up-Comedy zu machen. Darauf müsse aber das Publikum vorbereitet sein. Jetzt habe er „jedenfalls Blut geleckt“ und er traue sich zu, auch kritische Themen aufzugreifen. „Es ist ein Traum, der gerade in Erfüllung geht.“

Hintergrund:

Da derf ma kumma

Besonders freut sich Michael Herold auf den Termin am Samstag, 2. Februar, in seinem ehemaligen Heimatort Pullenreuth. Dann zeigt er sein Programm "Derf ma des?" um 19.30 Uhr (Einlass ab 18 Uhr) im Schützenhaus. Für ihn ist das eine Entschädigung dafür, dass er wegen des Auftritts in Neusteinreuth das Klassentreffen verpasst hat. Karten gibt es im Vorverkauf für 5 Euro in Kemnath im Bücherladl sowie in Pullenreuth in der Lottostelle Prechtl und im Schützenhaus. An der Abendkasse kostet der Eintritt 6 Euro.

Mit "Braucht's des?" gastiert er am Freitag, 15. März, um 19 Uhr (Einlass ab 18 Uhr) in der Schlossschänke Kaibitz. Der Kartenvorverkauf für diese Premiere startet Ende Januar/Anfang Februar ebenfalls im Bücherladl, bei Lotto Prechtl sowie in der Schlossschänke. (luk)

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