14.04.2020 - 12:18 Uhr
KemnathOberpfalz

Kämpfer an der Verwaltungsfront

Auch in Kemnath, Erbendorf und Neusorg sind die Rathäuser seit einigen Wochen für den Parteiverkehr geschlossen. Dennoch arbeiten die Verwaltungen hinter verschlossenen Türen weiter, wenn auch auf zum Teil unterschiedliche Art und Weise.

Auch das Erbendorfer Rathaus ist für den Parteiverkehr wegen der Coronakrise geschlossen. Hinter der Eingangstür arbeiten die Beschäftigten der Verwaltung aber weiter.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

So geht bei der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Neusorg eigentlich alles weiter seinen gewohnten Gang. Der Betrieb sei nicht eingeschränkt, denn "das Leben bleibt nicht stehen", erklärt Angela Biersack. Jedes Amt müsse daher besetzt sein. Laut der stellvertretenden Geschäftsstellenleiterin nutzten die "Kämpfer an der Front" diese Zeit jedoch, um Überstunden abzubauen. Zwei der rund 20 Kollegen seien im Homeoffice, aber das seien sie auch schon vorher gewesen.

Prinzipiell sind die Türen für die Bürger verschlossen, "aber wichtige Termine werden wahrgenommen", beispielsweise wenn es um die Grundsicherung gehe, betont Biersack. Der jeweils zuständige Sachbearbeiter wäge selbst ab, "ob es wichtig ist oder nicht. Einen Fischereischein auf Lebenszeit muss man sich ja nicht gerade jetzt ausstellen lassen."

Verständnisvolle Bürger

Auf die Einschränkungen reagierten die Bürger mittlerweile "sehr verständnisvoll". Diese dürften zudem "zur Zeit ja auch selbst nicht raus, weshalb mehr telefonisch abläuft". Und die Zeit, in der in den ersten zwei bis drei Tagen auch wegen Kleinigkeiten nachgefragt worden sei, sei inzwischen vorbei. Weiter gehe aber der Verkauf von Müllsäcken "über das Fenster raus".

Um eine mögliche Ansteckungsgefahr zu minimieren, sind auch intern Besprechungen nicht mehr gestattet. Es sei zudem "ein Glück, dass die meisten Mitarbeiter in Einzelzimmern sitzen". Wo das nicht der Fall ist, stehen die Tische "von Haus aus zwei Meter auseinander". Auch stünden überall Desinfektionsmittel bereit. Wann die VG wieder öffnet haben wird, steht noch nicht fest. Biersack geht aber davon aus, dass es wahrscheinlich erst nach den Osterferien der Fall sein wird."

Organisatorisch geht die VG Kemnath einen etwas anderen Weg. Seit Anfang vergangener Woche ist dort die Hälfte wochenweise zu Hause, entweder im Homeoffice, baut Resturlaub ab oder nimmt Überstunden frei. Der Rest arbeite entsprechend im Rathaus weiter, berichtet Geschäftsstellenleiter Reinhard Herr. Die beiden Teams "stehen in keinem physischen Kontakt". In diese Rotation einbezogen seien auch die beiden VG-Bürgermeister, Werner Nickl (Kemnath) und Josef Etterer (Kastl), die in ständigem Kontakt stünden. Versetzt arbeiteten auch die Bediensteten der städtischen Betriebe, dies jedoch schon seit zwei Wochen.

Das System funktioniere bisher ganz gut, sagt Herr. "Wir fahren auf Sicht." In einer solchen Situation könne man keine Strukturen auf drei bis vier Wochen anlegen. "Wir wissen nicht, was die nächsten 48 Stunden passiert."

Dem tragen die Bürger Rechnung. "Die Leute suchen keinen Kontakt", das sei in deren Bewusstsein angekommen. "Es ist die Ausnahme, dass jemand überhaupt zu uns kommt." Nur nach Terminvereinbarung lasse der Sachbearbeiter jemand herein. Das meiste werde per E-Mail oder telefonisch abgewickelt. Die Ruhe im Haus, aber auch auf dem Stadtplatz "ist zum Teil gespenstisch. Das erinnert an einen Katastrophenfilm".

"Sicherheit geht vor"

Der direkte Zugang ist auch im Erbendorfer Rathaus unterbunden, teilt Bürgermeister Hans Donko mit. "Sicherheit geht vor", lautet die Devise. In dringenden Fällen könnten Bürger einen Termin mit dem Sachbearbeiter vereinbaren. Zum Schutz der Mitarbeiter sei für jedes "öffentlichkeitsrelevante Büro" eine Plexiglasabtrennung als eine Art Spuckschutz angeschafft worden. Ebenso gebe es überall Desinfektionsmittel.

"Erste Einschläge" wegen der Coronakrise bekam seine Verwaltung aber bereits zu spüren. Von zehn Mitarbeitern waren einige wegen "Kontaktmöglichkeiten" zu Hause, sind aber inzwischen wieder mit an Bord. "Die aktuelle Verwaltungsarbeit ist zu stemmen", betont Donko. "Morgen kann es jedoch schon ganz anders ausschauen."

Gratissäcke:

Gratissäcke

Wer in Erbendorf Gelbe oder Restmüllsäcke benötigt, kann diese noch im Rathaus anfordern. Der Kassenverwalter reiche diese dann durchs Fenster raus, erklärt Bürgermeister Hans Donko. Sind für die Säcke pro Stück normalerweise rund 3 Euro zu bezahlen, so gibt es sie derzeit gebührenfrei. Aus Gründen der Sorgfaltspflicht gegenüber den Mitarbeitern solle der Kontakt mit den Kunden knapp gehalten werden, führt Donko aus. Bei rund 300 Säcken, die pro Monat ausgegeben werden, "sind die rund 1000 Euro vertretbar". (luk)

Das erinnert an einen Katastrophenfilm.

Reinhard Herr über die Stille im Kemnather Rathaus und auf dem Stadtplatz

Einen Fischereischein auf Lebenszeit muss man sich ja nicht gerade jetzt ausstellen lassen.

Angela Biersack, stellvertretende Geschäftsstellenleiterin der VG Neusorg

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