12.11.2018 - 12:20 Uhr
KemnathOberpfalz

Kemnath boomt

Bürgerversammlung Nummer zwei: Das Stadtoberhaupt zeichnet das Jahresgeschehen nach, weiter stehen Anfragen, Hinweise und großes Lob der Bürger auf der Tagesordnung. Auf manche Fragen wissen die Bürgermeister aber keine Antwort.

Die Stadt will das Backsteinhaus in der Kaibitzer Ortsmitte ersteigern.
von Arnold KochProfil

Rund 50 Bürger kamen am Mittwochabend in den Rittersaal der Kaibitzer Schlossschänke, um sich von der Stadt über Erledigtes und neue Aufgaben informieren zu lassen. Bürgermeister Werner Nickl hieß besonders seinen Stellvertreter Hermann Schraml, die Vertreter der Verwaltung, Geschäftsleiter Reinhard Herr und Kämmerer Roland Schäffler, sowie die anwesenden Ratsmitglieder willkommen.

Nickl umriss die in 2018 getätigten Investitionen, zeigte anhand von Statistiken die breite positive Entwicklung der Stadt auf und gab einen Ausblick auf die künftigen Vorhaben. Insbesondere ging er auf die begonnenen oder geplanten Wohn- und Gewerbebauvorhaben ein. Wohnanlagen werden geplant oder entstehen bereits an der Bürgermeister-Högl-, Berndorfer, Werner-von-Siemens-Straße und auf dem ehemaligen Memmel-Gelände. Zudem wird die Stadt auf der erworbenen Kreuzwiese nahe des Friedhofes auf drei Hektar Fläche ein neues Baugebiet ausweisen. Für die Umnutzung des Brauhaus-Areals und des angrenzenden Sportgeländes mit einer Fläche von rund drei Hektar steht ein Architektenwettbewerb an.

Gefährliche Stromleitung

Zum Thema betreutes Wohnenwies das Stadtoberhaupt auf die 107 Pflegeplätze im BRK-Seniorenheim und die ab September neu geschaffenen 15 Tagespflegeplätze hin. In der neuen Senivita-Seniorenwohnanlageim Bereich "hinterm Kloster" stehen künftig 48 Wohnungen für seniorengerechtes Wohnen bereit. Hier ist am Samstag, 1. Dezember, Tag der offenen Tür. Einen großen Schritt in Bezug auf die eingeleitete Gewerbeoffensive machte die Stadt mit dem Erwerb eines 11,1 Hektar großen Grundstückes zur Erweiterung des Industrie- und Gewerbegebietes Kemnath-West III.

Den zweiten Teil der Bürgerversammlung mit Anfragen der Bürger und Diskussion leitete zweiter Bürgermeister Hermann Schraml. Breitband, Straßen- und Brückenschäden sowie ein Ausblick auf die angelaufene Dorfsanierung für die Orte Löschwitz und Kaibitz standen im Zentrum des Interesses:

Ein Reisacher Bürger bemängelte die mit zwei Megabit fehlende Bandbreitebei seinem Internetanschluss. Er fragte, wann ein Ausbau zu erwarten ist. Das Stadtoberhaupt erklärte, dass der Auftrag für Einzelanschlüsse von Weilern und Einzelgehöften an die Firma Amplus als wirtschaftlichster Bieter vergeben wurde. Dies gilt auch für Reisach. Das Angebot der Telekom war zu teuer. Der Breitbandanbieter wird sämtliche ins Förder- und Bauprogramm einbezogene Anwesen direkt mit Glasfaser ans Breitbandnetz anbinden. Aufgrund des zu erwartenden Abwicklungsstaus bei den Bauarbeiten muss bis zu 18 Monaten auf den Anschluss gewartet werden.

Ein weiterer Reisacher bemängelte die mit einer hohen Schutzschwelle über die Straße verlegte Stromleitung, die nahe des Bahnhofs die Straße quert. Das Baustromkabel dient zur Stromversorgung des Baukrans an der nahen Brückenbaustelle. Die Überfahrt ist besonders für Radfahrer unfallträchtig, aber auch für Autos schwierig. Der Bauhof wird die Kabelüberführung in Augenschein nehmen.

Anfrage E-Baxi

Ein Bürger wies darauf hin, dass der Wassereinlauf zum Spielfischam Spielplatz an der Seeleite im Sommer starken Algenbewuchs aufwies. Die Bürger wurden gebeten, dies sofort bei Auftreten an die Stadt zu melden. Lob sprach ein Teilnehmer der Stadt für die Gestaltung der neuen Anlage "Am Stadtgraben"aus, die auf dem ehemaligen Dietl-Anwesen entstand. Die mit Pflaster neu angelegte Freifläche biete sich hervorragend zum Verweilen und Eisgenuss an.

Ein Oberndorfer Bürger bat, sich den Straßenzustand der Ortsstraße am Mooswiesengraben in Oberndorfanzuschauen. Dort senkt sich der Straßen- und Brückenkörper und am überhöhten Einlaufschacht fließt das Wasser vorbei in den angrenzenden Bolzplatz. Dieser muss abgesenkt werden.

Ferner wies ein Teilnehmer auf den schlechten Zustand der Brücke Richtung Teufelhammerhin und vermisste dazu einen Haushaltsansatz. Gleiches gilt für Brücke bei Schlackenhof. Nickl sagte hierzu die Aufnahme in die nächste Haushaltsberatung zu.

Die Bürger von Reisach und Schlackenhof wünschen sich, dass das E-Baxikünftig auch kleinere Ortschaften anfährt. In seinem Jahresabriss hatte Nickl das Baxi-Projekt vorgestellt, das zunächst in der Probephase für ein Jahr mit 70 Haltestellen hauptsächlich nur auf die Stadt beschränkt ist. Sie trägt nur die Stromkosten. Die Einzelfahrt kostet zwei, im Zehnerpack 1,20 Euro.

Bauantrag "Santana"

Nichts Neues von der Stromtrassewussten die beiden Bürgermeister auf Anfrage. Nickl meinte, dass die bestehende Trasse "Ostbayernring" wesentlich mehr Chancen hat, erweitert zu werden, als eine neue Trasse im Westen mit Tangierung des Stadtgebietes auszuweisen. Bemängelt wurde, dass eine Hecke mit Baumbestand samt kleiner Scheune nahe Oberndorf beseitigt wurde. Nickl berichtete, dass dies ein Privatgrundstück betrifft und die Stadt nicht eingebunden war.

Zum Thema Dorferneuerung Löschwitz berichtete das Stadtoberhaupt, dass mit Erlaubnis des Grundstückseigentümers die bestehende Hecke an der Einmündung der Ortsausfahrt Löschwitz in die Staatsstraße 2665 nahe der "Santana" beseitigt wurde, um die Sichtverhältnisse zu verbessern. Er informierte darüber, dass für das Santana-Anwesen ein Bauantragvorliegt. Dieser sieht den Einbau einer Wohnung und die Wiederaufnahme des Gaststättenbetriebs vor. Eine Verkaufsbereitschaft zu vernünftigen Konditionen besteht derzeit nicht.

Wer kandidiert?

Als erste Maßnahme der Dorferneuerung beabsichtigt die Stadt, das alte unansehnliche und verfallende Backsteingebäude inmitten der Ortschaft zu erwerben. Hierzu ist am Freitag, 7. Dezember, ein Versteigerungstermin am Amtsgericht in Weiden. "Die Dorfgemeinschaft und der Stadtrat sind der Meinung, dass das unbewohnbare Gebäude als Schandfleck nicht mehr tragbar ist. Der marode Bauzustand ist eine Gefährdung und das verfallende Haus muss abgerissen werden", erklärte Nickl. Die Stadt wird an der Versteigerung teilnehmen und das Gebäude nur zu vernünftigen Konditionen erwerben. Welcher Nutzung dieses erste Schlüsselprojekt zugeführt wird, soll noch erörtert werden.

Die letzte Frage eines Bürgers blieb jedoch unbeantwortet: 2020 sind Kommunalwahlen. Gibt es Tendenzen, wer als Bürgermeisterkandidat antritt? Keine Antwort darauf wusste schmunzelnd Bürgermeister Werner Nickl.

Die Teilnehmerrunde bei der Bürgerversammlung in Kaibitz ist groß. Bürgermeister Werner Nickl (stehend) steht Rede und Antwort.
Die Teilnehmerrunde bei der Bürgerversammlung in Kaibitz ist groß.
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