Im Familien- und Bürgerzentrum Mittendrin geht vieles wieder mehr oder weniger den gewohnten Gang. Der Umzug im Vorjahr mit Hilfe des Bauhofs vom Alten Rathaus in das neue Bürgerhaus brachte einige Umstellungen mit sich, sowohl für die rund 60 ehrenamtlichen Mitarbeiter als auch für die drei Teilzeitkräfte. "Das Gebäude ist eine komplett andere Liga", berichtet Leiterin Jessika Wöhrl-Neuber. Sie ist immer noch davon überwältigt, wie sich die "Ruine (des Lenzbräu-Anwesens) zum Haus voller Leben" gewandelt habe. Begeistert sind sie und ihre Kolleginnen Kerstin Graf und Deborah Bregler, dass ihnen nun ein Arbeits-, ein offenes Büro für Besprechungen sowie ein vertrauliches Büro zur Verfügung stehen. Letzteres besitzt einen separaten Eingang und wird regelmäßig auch von den Beratungsstellen Donum Vitae und Dornrose genutzt.
Angetan hat es der Diplom-Sozialpädagogin ebenso die "fantastische Küche" mit nun jeweils zwei Backöfen und Kochstellen. So könnten mehr Personen sinnvoll arbeiten, wenn ab März wieder die Kochkurse starten. Die neue Einrichtung mit der Kochinsel biete viele Möglichkeiten. Gleiches – weil ebenfalls größer als früher – gilt für den sogenannten Treffpunkt, den Jessika Wöhrl-Neuber als "unseren wichtigsten Raum" bezeichnet, sowie das Spielzimmer, dessen Ausstattung aus der bisherigen Unterkunft mitgenommen wurde.
Auch Kerstin Graf, die sich unter anderem um die Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse kümmert, findet das "neue" Mittendrin super. Es verfüge über einen Aufzug und Barrierefreiheit, zudem gebe es Parkplätze, was Müttern, die "mit dem Maxi-Cosi-Autositz unterm Arm und einer Tragetasche kommen", den Besuch erleichtere. Die Nachfrage – pro Jahr melden sich dafür rund 100 Frauen für die Rückbildung an – sei unverändert hoch, die nächsten freien Plätze gebe es erst wieder im Herbst, erzählt Graf. Bezüglich der Barrierefreiheit führt Jessika Wöhrl-Neuber als Beispiel den Nähtreff für behinderte und nichtbehinderte Menschen an, der bislang in den zu klein gewordenen Räumen des Sozialteams Oase beheimatet war. Für die Gruppe sei im Alten Rathaus die Treppe hinauf in den ersten Stock noch das Ausschlusskriterium gewesen.
Auf zwei Etagen
Befanden sich dort die Räumlichkeiten auf einem Stockwerk, teilt sich nun das Mittendrin mit der Stadtbücherei das Erdgeschoss und die erste Etage. Das hört sich nach viel an, und tatsächlich ist der Platz für die rund 25 Angebote nun größer, jedoch war es wegen der vorgegebenen Baustruktur nicht möglich, einen passenden Raum für kreative Angebote wie den Aquarellmalkurs zu schaffen, bedauert Jessika Wöhrl-Neuber. Auch Sammelaktionen für Menschen in Not wie "Brautkleider für Kenia" gibt es wegen des fehlenden Lagerraumes nicht mehr. "Der Denkmalschutz und die Grundstruktur des Gebäudes haben bestimmte Entscheidungen der Raumeinteilung vorgegeben", erläutert die Leiterin. Mit Architekt Gábor Freivogel und der Stadtbücherei sei aber darauf geachtet worden, "dass die Räume für Besucher gut nutzbar sind".
Weiter mit dabei sind die Hausaufgabenhilfe und Leseförderung für Kinder. Auch die Kooperationen mit der KoKi-Stelle, der Kommunalen Jugendarbeit sowie dem Jugendmedienzentrum T1 laufen weiter. Ungebrochen bleibt das Interesse an den offenen Treffs dienstagvormittags, bei denen die Besucherzahl reguliert werden müsse, und mittwochnachmittags, während denen laut Kerstin Graf auch schon bis zu 30 Erwachsene samt deren Kinder das Mittendrin aufsuchten. Mittwochs seien auch "Leute da, die vorher nicht da waren. Sie haben gehört, dass es hier so schön ist", freut sie sich. Die bisherige Anzahl an Ehrenamtlichen zur Begleitung der offenen Treffs musste aber erhöht werden. Die Räumlichkeiten seien weitläufiger und deshalb der Weg zwischen Küche und Treffpunkt weiter.
Aufwärmphase vorbei
Daher sind die beiden Frauen froh, sich auf die Unterstützung durch etwa 60 Ehrenamtliche aus drei Landkreisen verlassen zu können. Fast alle "haben die unsichere Phase des Umzugs mit durchgestanden", zeigt sich Jessika Wöhrl-Neuber erleichtert. "Wir haben alle eine Aufwärmphase gebraucht", verweist sie auf die neuen Strukturen und räumlichen Gegebenheiten. Im Vergleich dazu sei das Mittendrin im Alten Rathaus erst mit der Zeit gewachsen. "Aber jetzt fühlen wir uns langsam zu Hause." Mittlerweile fänden sich alle zurecht "und freuen sich über die Möglichkeiten, die das Haus bietet".
Froh über den nach mehreren Wochen abgeschlossenen Umzug ist auch Bürgermeister Roman Schäffler. Das Mittendrin sei nun eine komplett andere Einrichtung, "die wir uns erst erschwimmen müssen". Ihm sei wichtig, "das weiter anzubieten, was angeboten wurde". Die neuen Räumlichkeiten erforderten eine gewisse Umstrukturierung, die sich erst im "Echtzeitbetrieb" zeige. Bei den Planungen habe man nicht alles vorab berücksichtigen können, betont der Rathauschef, der mit dem "Konzept super zufrieden" sei.
Um zu sehen, wo welche Anpassungen noch nötig sind, müsse erst einmal ein Jahr lang alles durchlaufen, meint Jessika Wöhrl-Neuber. Auch weil sie und ihre beiden Mitarbeiterinnen nur Teilzeitkräfte sind, sieht sie momentan wenige Möglichkeiten, neue Angebote zu integrieren. Es gebe zwar Anfragen von etwa 30 Menschen, die "hier etwas machen möchten", doch die Umsetzung sei ein großer Aufwand. "Wir wollen eine qualitätvolle Arbeit bieten und nicht nur den Schüssel für Veranstaltungen herausgeben", betont die Leiterin. Das Trio wolle Ansprechpartner und Begleiter sein, was meist mit Arbeit in den Abendstunden und am Wochenende verbunden sei.
Bitte mehr Farbe
Mit Hilfe von Carolin Böckl vom Stadtmarketing wird derzeit der Mittendrin-Flyer überarbeitet, Jessika Wöhrl-Neuber nimmt sich derweil der Auftritte im Internet an. Die neue Übersicht über das Programm soll bald in Druck gehen. Sie wird im Familien- und Bürgerzentrum, bei der Stadt sowie als Download erhältlich sein. "Wir freuen uns immer über neue Ehrenamtliche, die uns dabei helfen, die offenen Treffs regelmäßig anzubieten“, wirbt die Leiterin um weitere Mitarbeiter. Auch hofft sie aufgrund von Rückmeldungen, "dass im Laufe der Zeit noch ein paar Farbtupfer einziehen werden". Die Räume im Erdgeschoss seien im Vergleich zu den eher bunten Wänden im Alten Rathaus noch ziemlich kalt.
















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