Kemnath
01.04.2026 - 11:38 Uhr
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Kemnather Fischerfest: Karpfenmangel durch Otter bedroht Tradition

Kein Fisch beim Kemnather Fischerfest? So weit will es der Kreisfischereiverein Kemnath nicht kommen lassen. Fest steht aber, dass die Karpfen in den Weihern immer weniger werden. Was der Verein dagegen tut.

Karpfenlocken, Fischburger, gegrillte Forellen und Makrelen sowie Fischsemmeln stehen auf der Karte beim Kemnather Fischerfest. In einigen Jahren könnte es tatsächlich passieren, dass es nur noch Bratwurst- und Steaksemmeln bei dem traditionellen Fest gibt. Denn der Kreisfischereiverein Kemnath "erntet" aus den vereinseigenen Gewässern nicht mehr genügend Karpfen.

"Die Jahre werden immer schlechter", schildert Thomas Götz, Vorsitzender des Kreisfischereivereins. "Die Fangmeldungen unserer Angler gehen arg zurück." Schon oft habe er sich anhören müssen: "Habt ihr überhaupt Fische eingesetzt?" Und noch bedrückter war die Stimmung beim Abfischen Ende März. Bei der außertourmäßigen Aktion wird nämlich der Karpfen für das Fischerfest im Sommer "geerntet". Doch viel war nicht drin in den Weihern. Zur Orientierung: Der Verein bräuchte rund 250 bis 300 Kilogramm Karpfen für alle seine Spezialitäten beim Fischerfest, das heuer am 19. Juli stattfindet. Beim Abfischen kam jedoch nur die Hälfte zusammen. Und dann sollen ja noch während der Saison Fische für die Angler in den Weihern übrigbleiben. Zu kleine Karpfen wurden zum Weiterwachsen in andere Weiher umgesetzt.

"Es ist super frustrierend", sagt Götz niedergeschlagen. "Wir wollen den Karpfen für unser Fest selbst liefern und verarbeiten. Wir haben die Leute und die Gewässer", erklärt er. "Es ist traurig, dass wir unsere Gäste nicht mehr mit Karpfen bedienen können."

Fischotter wie ein Terrorist

Der große Feind heißt Fischotter. "Das ist ein richtiger Terrorist", sagt Götz erbost. Früher war es der Kormoran, dann ist der Mink aufgetreten, jetzt der Otter. "Jeder ist böser und aggressiver geworden." Angefangen hat alles vor rund fünf Jahren. Der Verein setzte jährlich Bachforellen in die betreuten Fließgewässer, hauptsächlich in den Zulauf des Kemnather Stadtweihers. "Nach der Sperrzeit von vier Wochen waren alle Fische komplett weg", sagt Götz. Weder im Stadtweiher noch im Ablauf waren Bachforellen zu finden. "Der Bach war restlos tot", berichtet der Immenreuther. "Das kann nur der Otter gewesen sein", ärgert er sich. Seit diesem Fiasko spart sich der Verein diese Aktion.

In den stehenden Gewässern werden natürlich noch Karpfen, Hechte und Zander gesetzt – "obwohl auch dort der Fangerfolg seit Jahren zurückgeht". Und nicht nur in den Angelweihern, auch in den Aufzuchtgewässern registriert der Verein Verluste durch den Fischotter. Das bedeutet nicht nur den materiellen Schaden, sondern auch finanzielle Einbußen. "Der Preis für den Karpfen hat sich in den vergangenen Jahren verdreifacht", weiß der Vorsitzende.

Seelachs statt regionaler Karpfen

Was hat der Verein für Alternativen, wenn der Otter schneller ist und den Karpfen wegfrisst? Die Menge an Fisch reicht maximal noch für die Produktion der Fischküchel, die als Burger serviert werden. Die Karpfenlocken im Bierteig muss der Verein von der Karte streichen. Die Alternative heißt: Regionalität einbüßen. Statt Karpfenlocken gibt es heuer Seefisch. "Wir kaufen Seelachs aus dem Großhandel zu und bieten ihn paniert an."

Die Makrelen für das Fischerfest werden schon seit Jahren vom Fischhandel zugekauft, die Forellen stammen von den umliegenden Fischzüchtern. Jeweils 50 Kilogramm bestellt der Kreisfischereiverein für sein Fest.

Fütterung und Monitoring

Der Verein sucht aktiv nach Lösungen. "Wir haben Gewässerwarte, die wöchentlich zu den Weihern fahren und die Fische füttern", berichtet Götz. Sie finden dabei regelmäßig Blutspuren und Fischreste. "Wir machen auch mit beim Fischottermonitoring des Bayerischen Landesamts für Umwelt", erklärt der Vorsitzende. Dabei werden Losungen eingeschickt und auf DNA untersucht. Die genetischen Daten geben Auskunft über die Größe und das Alter der Population.

Götz ist seit über 30 Jahren beim Kreisfischereiverein engagiert. Mit Sorge blickt er in die Zukunft. "Wir haben eine Jugendgruppe, der wir am Wasser und in der Natur etwas lehren wollen." Doch der Otter ruiniere alles. Früher setzte der Verein 150 Karpfen ein und fischte 148 wieder ab. "Jetzt zieht man den Stöpsel und hofft, dass überhaupt Fische da sind", sagt der Immenreuther verärgert. Im Herbst hatten die Kemnather Fischer insgesamt 80 Prozent Ausfall. An einem Weiher waren es sogar 100 Prozent Verlust. Manche Gewässer seien massiv betroffen, andere wiederum fast gar nicht. "Es ist so unterschiedlich und absolut nicht mehr planbar", erklärt der Vorsitzende. Das Resultat sind lange Gesichter, schlechte Stimmung und ratlose Blicke bei der Abfischgruppe. "Du stellst dich vier oder fünf Mal im Jahr stundenlang hin und das Ergebnis ist ernüchternd. Manchmal fragt man sich, wofür man das eigentlich macht?"

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Tirschenreuth24.03.2026
Info:

Kreisfischereiverein Kemnath

  • 330 Mitglieder
  • 120 aktive Angler davon 30 Jugendliche
  • Betreut rund 13 Hektar Gewässer
  • Fischerfest am 19. Juli 2026
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