24.03.2021 - 12:45 Uhr
KemnathOberpfalz

Kemnather Geschäftsleute: „Einzelhandel ist kein Pandemie-Treiber“

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Der Einzelhandel leidet unter Corona - und das besonders in Regionen mit hohen Inzidenzen. Kemnath steht hier als Beispiel für viele andere Kommunen. Geschäftsleute, die sich im KEM-Verband organisiert haben, suchen nach Perspektiven.

KEM-Verband-Vorsitzender Holger Märkl kritisiert auch eine "immense Bürokratie".
von Holger Stiegler (STG)Profil

"Viele Mitglieder klagen mir ihr Leid, was mit ihnen passiert", berichtet Holger Märkl, Vorsitzender des KEM-Verbands, nach gut einem Jahr Corona-Pandemie. Man müsse feststellen, dass der Stadtplatz "absolut tot" sei. Für zusätzlichen Unmut sorge der Umstand, dass einige Geschäfte öffnen dürfen, andere wiederum nicht. Ergänzt werde dies durch eine immense Bürokratie, die es nicht schaffe, Betroffenen zeitnah Hilfe zukommen zu lassen. "Ich habe am 9. Dezember 2020 Überbrückungshilfe beantragt und fast genau drei Monate später am 5. März eine Überweisung bekommen", moniert Märkl.

Sieben Monate geschlossen

Klar müsse man auch sagen, dass der Einzelhandel sicherlich nicht der große Überträger und Treiber der Pandemie sei. "Wir haben nach der ersten Welle alles umgesetzt, was es an Auflagen gab", stellt Märkl klar. Gastronom Armin Schinner betont, dass die Gastronomie jene Branche sei, die am ärgsten und am längsten leide. "Wir hatten in einem Jahr sieben Monate geschlossen", so Schinner, der unter anderem eine Imbissgaststätte betreibt.

Zu behaupten, dass die Gastronomie mit ausschlaggebend für die hohen Zahlen sei, sei falsch. "Von Beginn an gab es entsprechende Hygiene-Regeln, die umgesetzt wurden", sagt Schinner. Die Auswahl beim Servicepersonal sei schon vor Corona überschaubar gewesen. "Und jetzt in der Krise sind noch mehr Mitarbeiter abgewandert", klagt er. Massive Kritik übt der Kemnather auch am Impftempo: "Wenn unser Essen so langsam serviert würde, dann wäre es eiskalt!"

„Das ist praktisch wie Berufsverbot, mit 90 Prozent Umsatzverlust im vergangenen Jahr.“

Alexander Schmid

Alexander Schmid

Viele Gastwirte hätten sich Gedanken und Konzepte für eine Öffnung auch unter Corona-Bedingungen gemacht. "Aber man kann uns nicht einfach im Keller einsperren, wir müssen auch umsetzen dürfen", fordert Schinner. Wenn in einem Landkreis intensiv getestet werde, dann liege es in der Natur der Sache, dass es auch mehr positive Fälle gebe und dementsprechend auch die Sieben-Tages-Inzidenz hoch sei. "Das kann in meinen Augen nicht der alleinige Maßstab für Öffnungen sein", so Schinner.

Ebenfalls alles andere als glücklich mit der Situation ist Elmar Högl, Inhaber des gleichnamigen Textilhauses am Kemnather Stadtplatz. "Seit 16. Dezember habe ich geschlossen, zumindest geht jetzt ,Click & Collect‘", sagt Högl. Die Ideallösung sei dies aber natürlich nicht. Etwa 70 Quadratmeter ist sein Laden groß, seiner Ansicht nach spreche nichts dagegen, auch Kunden in dem Geschäft zu bedienen. "Das kann man ja klar begrenzen, meinetwegen auch mit Anmeldung und einem negativen Corona-Test."

Elmar Högls Textilgeschäft ist seit vergangenem Dezember geschlossen.

Von 100 auf null

Alexander Schmid ist Chef der beiden Firmen Transpot Eventtechnik sowie Transpot Speditions GmbH. Er berichtet, dass beide Unternehmen sowohl finanziell wie auch rechtlich komplett getrennt behandelt werden, aber er beim Thema Überbrückungshilfen als Mischbetrieb behandelt werde und somit keinen Anspruch auf Hilfen habe. "Seit März 2020 bin ich bei Transpot Eventtechnik von 100 auf null gefahren. Das ist praktisch wie Berufsverbot, mit 90 Prozent Umsatzverlust im vergangenen Jahr", so Schmid.

„Wenn unser Essen so langsam serviert würde, dann wäre es eiskalt!“

Armin Schinner

Armin Schinner

An Verkauf von Inventar sei momentan auch nicht zu denken, da es einfach keinen Markt und keine Käufer dafür gebe. "Die Aussichten für die Saison 2021 sehen aber noch schlechter aus, da kein Veranstalter planen kann, ob und, wenn ja, wie wieder Veranstaltungen möglich sind!"

Die Sorgen und Nöte der Kemnather Geschäftsleute sind nicht neu für Landtagsabgeordneten Tobias Reiß (CSU). "Ich weiß, dass die Lage schwierig ist", erklärt der Politiker aus Brand. Dass es eine Widersprüchlichkeit gebe bei der Thematik, was inzidenzabhängig und -unabhängig öffne, räumte er ein. "Hier brauchen wir dringend intelligentere und klügere Lösungen", sagt Reiß.

Zahlen entscheiden über Öffnungen

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Genauer müsse man auch drauf schauen, dass nicht alles, was vielleicht in den großen Städten sinnvoll sei, auch für das Land sinnvoll sei und umgekehrt. Dabei dürfe man aber eben nicht außer Acht lassen, dass die Mutationen zu größeren Ansteckungen führen und sich die Intensivstationen auch mit jüngeren Leuten füllen.

MdL Tobias Reiß fordert intelligentere Lösungen.

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