22.08.2019 - 13:50 Uhr
KemnathOberpfalz

Kemnather Käse bald aus Bayreuth

Bayernland baut in Bayreuth die modernste Schnittkäseproduktion in Europa. Produktionsstart ist für Mitte 2021 vorgesehen. In Kemnath wird da schon Schluss sein. Für die Mitarbeiter gibt es aber Hoffnung.

Mit der Käserei in Kemnath ist 2021 Schluss. Die Mitarbeiter sollen nach Bayreuth wechseln – dort wird in das Werk investiert.
von Externer BeitragProfil

Von Stefan Schreibelmayer

Der Milchkonzern Bayernland baut auf dem Gelände der Käserei in Bayreuth eine komplett neue Produktion vor allem für Schnittkäse und investiert insgesamt rund 55 Millionen Euro. Entstehen soll das dann modernste Schnittkäsewerk in Europa. Für Mitte 2021 ist der Produktionsstart geplant. Bislang ist die Käserei Bayreuth innerhalb der genossenschaftlich organisierten Bayernland vor allem ein Produktionsstandort für Mozzarella. Gut 16 000 Tonnen des Weichkäses werden hier jedes Jahr hergestellt - unter anderem für den Export nach Italien. Hinzu kommen bereits jetzt rund 7000 Tonnen Schnittkäse, sagt Bayernland-Hauptgeschäftsführer Gerhard Meier. Doch was jetzt gebaut wird, soll die Kapazitäten am Standort nahezu verdreifachen. In dem neuen Gebäude sollen ab 2021 zusätzlich bis zu 40 000 Tonnen Schnittkäse pro Jahr hergestellt werden, darunter auch Spezialitäten für besondere Märkte.

Entstehen wird das Gebäude auf einem noch freien Areal auf dem Gelände der Käserei, das an die Bindlacher Allee angrenzt. Architekt Josef Pröls aus Amberg spricht von 6500 Quadratmetern Grundfläche, 85 000 Kubikmetern umbautem Raum und einer Höhe von bis zu 32 Metern. Dabei handelt es sich um ein Hochregal- sowie Reifelager. Die Produktionsräume an sich sollen 13 Meter hoch werden.

Norbert Bauer, der unter anderem für Bauprojekte zuständige Geschäftsführer bei Bayernland, betont, dass es sich um ein nach außen abgekapseltes Gebäude ohne für die Umgebung spürbare Emissionen handeln werde. Das müsse allein aus Hygienegründen so sein: "Wir arbeiten da unter Reinraumbedingungen." Der Zeitplan sei eng getaktet. "Deshalb hätten wir auch gern ein halbes Jahr früher angefangen, aber die behördlichen Prüfungen dauern nun mal ihre Zeit", sagt Meier.

Wie berichtet, werden mit dem neuen Gebäude werden auch die Kapazitäten des Standorts Kemnath nach Bayreuth verlagert. Dort wird bislang vor allem Schnittkäse hergestellt, die Mitarbeiter sollen möglichst alle nach Bayreuth wechseln - entsprechende Vereinbarungen inklusive Ausgleichszahlungen wurden mit den Arbeitnehmervertretern bereits vereinbart. "Dort sind die Schnittkäse-Fachleute, auf die können wir auf keinen Fall verzichten", sagt Meier. Die Zahl der Mitarbeiter in Bayreuth wird von derzeit gut 220 auf deutlich über 300 ansteigen.

Während Kemnath 2021 geschlossen wird, soll die Investition, bei der es sich um die mit Abstand größte in der Bayernland-Geschichte handle, den Standort Bayreuth langfristig sichern. "Eine einzelne Molkerei hätte das nicht stemmen können", sagt Hauptgeschäftsführer Gerhard Meier, und Bayernland-Aufsichtsratsvorsitzender Werner Schwarz, ein Landwirt aus Schwarzenbach an der Saale, ergänzt: "Hätten wir das jetzt nicht angepackt, hätte Bayreuth mittelfristig infrage gestanden." So könne man ab 2021 saisonale Schwankungen ausgleichen. "Mozzarella verkauft sich im Sommer etwas besser, Hartkäse im Winter. Damit können wir die Milch unserer Bauern noch besser vor Ort gleichmäßig übers Jahr verwerten", erklärt Meier.

Zur Höhe der Investition sagt Meier: "Bayernland exportiert mittlerweile in 56 Länder, hat gut 40 Prozent Exportquote. Hätten wir jetzt für vielleicht 25 Millionen geplant und dann gemerkt, dass es nicht ausreicht oder nicht passt, wäre das ein Desaster." Deshalb gelte: "Es gibt nichts Preiswerteres als was G'scheites." Entsprechend sei die Entscheidung in den Gremien einstimmig gefallen.

Dass man in Kemnath über die Schließung des dortigen Standorts ab 2021 nicht erfreut ist, sei klar. Doch stehe man in guten Gesprächen mit der Stadt, um eine Übertragung des Grundstücks hinzubekommen, das mitten in der Stadt eine besondere Lage habe.

Info:

Das Unternehmen

Die Käserei Bayreuth gehört seit 2009 zum genossenschaftlich organisierten Bayernland-Konzern. Im vergangenen Jahr brachten die rund 1000 Mitglieder der Käserei 446 Millionen Kilo Milch in die Bayernland ein, die 2018 insgesamt gut 300 000 Tonnen Milchprodukte vermarktete. Den Gruppenumsatz beziffert Hauptgeschäftsführer Gerhard Meier auf 900 Millionen Euro.

Davon entfallen 560 Millionen Euro auf die Bayernland Nürnberg mit den vier Produktionsstandorten Bayreuth, Kemnath, Amberg und Regensburg. Momentan zahlt Bayernland seinen Bauern für das Kilo normale Milch 34,5 Cent ohne Mehrwertsteuer, im Durchschnitt des vergangenen Jahres waren es 36,5 Cent.

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