16.01.2019 - 12:43 Uhr
KemnathOberpfalz

Mamma Mia, was für ein Fan

Als Ilja Richter 1972 Abba in seiner „Disco“-Sendung präsentiert, ist es um Sandra Doß geschehen. Als Vierjährige beginnt sie, alles über das schwedische Quartett zusammenzutragen. Nun besitzt sie sogar ein Schreiben von Königin Silvia.

Für die Ausstellung haben Sandra Doß und Museumsleiter Anton Heindl noch einige Schätze auszupacken.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

In ihren Haus in Mitterteich haben Sandra Doß und ihr Mann Helmut ein ganzes Zimmer der wohl erfolgreichsten Popgruppe gewidmet. In dem rund 24 Quadratmeter großen Kellerraum gibt es keine Wand, Vitrine oder Regal ohne Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Anni-Frid Lyngstad und Benny Andersson. Wie viele Sammlerstücke sich in 47 Jahren angesammelt haben, weiß sie nicht: "Das habe ich nie richtig gezählt." 1000 werden wohl nicht reichen, schätzt ihr Mann. Einen Teil davon, etwa 150 bis 200 Exponate ("Ich habe einfach mal was zusammengepackt"), zeigt die "Dancing Queen aus der Oberpfalz", wie sie Bekannte in Anspielung auf einen Abba-Song nennen, ab Samstag, 19. Januar, im Kemnather Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum.

Zunächst hatten die drei älteren Geschwister den angehenden "weltweit größten Abba-Fan", wie Bayern 1 Doß einmal betitelt hat, mit Berichten und Postern aus der "Bravo" versorgt - Starschnitte inklusive. Immer wieder hatte sie sich bei der Jugendzeitschrift beworben, um ihren Idolen einmal den "Bravo-Otto" als Auszeichnung für die Lieblingsstars der Leser überreichen zu dürfen. Doch das hat nicht geklappt. Und so hat Doß Abba bis zur Auflösung 1982 "leider nie live gesehen". Für Konzerte sei sie "zu klein und zu jung" gewesen.

Ihrer Leidenschaft tat das keinen Abbruch. Für die Ausstellung packt die 50-Jährige mit ihrem Mann sowie Museumsleiter Anton Heindl unter anderem Autogrammkarten, Bücher, Tassen, Musikkassetten, Schallplatten, von denen sie natürlich alle hat, Handyhüllen, Bilder, Mode aus den 1970er Jahren und T-Shirts mit den Konterfeis der Musiker aus. Auch eine Abba-Edition einer Playstation samt Singstar-Spiel ist darunter. "Aber gegen mich will keiner mehr antreten, weil ich immer gewinne", lacht Doß.

Sehen werden die Besucher zudem ein Dankesschreiben von Schwedens König Silvia. Zu deren 40. Hochzeitsjubiläum 2016 hatte ihr die Mitterteicherin ein selbst gemachtes Mosaikbild der Monarchin geschickt. Warum? Weil 1976, kurz nach der Heirat mit König Carl XVI. Gustaf, der Song "Dancing Queen" erschienen sei, erklärt sie. Nicht wundern darf man sich über die Fischkonserven unter den Exponaten, denn deren schwedische Herstellerfirma heißt Abba. Diese wollte aber nicht mit der Popgruppe in Verbindung gebracht werden, weiß Doß.

Ihre Schätze findet sie auf Flohmärkten oder bei Sammlungsauflösungen. Es kommt aber auch vor, dass sie Sachen von anderen Fans zugeschickt bekommt. So, als sie einmal eine Ausstellung in Tirschenreuth auf die Beine gestellt hat. Da kamen dann aus den Niederlanden und Schweden Anni-Frid-Lyngstad-Buttons und auch eine schwedische Zeitung, "die ich aber nicht lesen kann", schmunzelt sie.

Selbstredend ist Doß Mitglied beim Abba-Intermezzo-Fanclub. Dessen Magazin versorgt die 50-Jährige drei bis vier Mal im Jahr "mit neuem Abba-Futter". Entsprechend groß ist auch bei ihr die Aufregung, als sie darin liest und im Fernsehen sieht, dass ihre Idole zwei neue Lider aufnehmen wollen. Aufgrund dieser Nachricht meldet sich schließlich der BR bei ihr. "Ich habe erst gar nicht gewusst, was sie von mir wollen", berichtet die Mitterteicherin. Doch am Ende des Interviews durfte sie sich ein Lied wünschen: "Fernando", weil es ihr im Abba-Film "Mamma Mia 2", den sie mittlerweile schon neun Mal gesehen hat, so gut gefallen habe.

Auch wenn ihr Ehemann Helmut kein so glühender Verehrer ist, begleitet er seine Frau stets zu Konzerten von Coverbands und Musicals wie "Thank you for the Music" im Vorjahr in Regensburg. Erzähler war Uwe Hübner, den die 50-Jährige in einer Pause traf. Der ehemalige Moderator der "ZDF-Hitparade" sprach sie auf ihr T-Shirt mit den vier Musikern an, und sie erzählte ihm von ihrem Privatmuseum. Das habe er anschließend mit in seinen Text eingebaut. "Ich musste sogar aufstehen und mich drehen, damit alle das T-Shirt sehen konnten."

Neben Agnetha, Björn, Anni-Frid und Benny hat Doß auch ein Faible für Elvis Presley, was aber erst später dazugekommen sei. Dennoch besitzt sie zum King of Rock 'n' Roll ebenfalls zahlreiche Sammelobjekte, mit denen sie bereits eine Ausstellung in Grafenwöhr bestückt hat. "Doch die sind in Kartons verpackt, ich möchte es ja nicht übertreiben."

Hintergrund:

Ausstellung bis Ende März

Vor zwei Jahren sei Sandra Doß wegen einer Abba-Ausstellung auf ihn zugekommen, erinnert sich Anton Heindl. Doch für ein Jahr im Voraus war das Museum ausgebucht. Nachdem Doß dort 2018 etwa 50 ihrer venezianischen Masken gezeigt hatte, kommt sie jetzt mit „Abba: Mamma Mia – Here we are“ beim Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreis zum Zug.

Probleme bereitete Heindl die Suche nach einem Motiv für das Werbeplakat: „Die Bilder im Internet sind alle genehmigungspflichtig.“ Aus der Misere half ihm die 50-Jährige selbst. Sie hatte bei der Tirschenreuther Hildegard Reber zwei Bilder malen lassen, von denen eines auf die Ausstellung hinweist, ebenso wie ein etwa drei mal zwei Meter großer Kinoaufsteller zum Film „Mamma Mia 2“ im Turmdurchgang. Die Vernissage mit Doß und Heindl beginnt am Samstag, 19. Januar, um 19 Uhr im Musikeum, Trautenbergstraße 30. Dazu steuern zwei Klavierschülerinnen der Kreismusikschule Tirschenreuth moderne Stücke bei. Nach einführenden Worten erklärt die Mitterteicherin ihre Exponate. Ebenso kündigt sie für Samstag eine Überraschung an, die sie natürlich vorab nicht verraten möchte. Nur so viel: „Ich bringe was mit.“

Ihre Sammelstück sind bis 31. März im Museum in der Fronvesten sonntags von 14 bis 16 Uhr und jeden ersten Sonntag des Monats zusätzlich von 10 bis 12 Uhr zu sehen. Regelmäßig wird Doß dabei auch für Erläuterungen zur Verfügung stehen.

Ein Bild mit Porträts von Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Anni-Frid Lyngstad und Benny Andersson hört ebenfalls zu den Exponaten von Sandra Doß (rechts). Gemalt hat es die Tirschenreuther Hobbykünstlerin Hildegard Reber.
Neben Autogrammkarten, LPs und CDs der Popgruppe finden sich in der Ausstellung ebenfalls Gegenstände mit dem Schriftzug „Abba“. So auch Fischkonserven eines schwedischen Unternehmens.
Sandra Doß zeigt das Mosikbild mit Königin Silvia, wofür sich die schwedische Monarchin bei der Mitterteicherin in einem Brief bedankt.
Für die Ausstellung haben Sandra Doß und Museumsleiter Anton Heindl noch einige Schätze auszupacken.

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