Rund 20 Gäste diskutierten mit dem Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oberfranken, Thomas Koller, in den Hollerhöfen in Waldeck. MU-Kreisvorsitzender Leonhard Zintl freute sich, viele Gäste nicht nur aus Politik und Wirtschaft an diesem Abend begrüßen zu können. Zwar sei der Ehrengast laut Zintl für das Gebiet Oberfranken zuständig, viele Themen würden aber auch die Nordoberpfalz betreffen, die gemeinsam voranzubringen seien, indem man an einem Strang zieht.
Keine Verhältnismäßigkeit
Kritisch ging nicht nur der Redner an diesem Abend dabei mit der Politik ins Gericht beim Thema Fachkräftemangel. Auch Helmut Hör vom Wirtschaftsbeirat Bayern bedauerte, dass bis auf dauernde Podiumsdiskussionen hierzu in den vergangenen Jahren nicht viel passiert sei. Koller zeigte dabei auf, dass der aktuelle Fachkräftemangel seine Auswirkungen in der Bildungspolitik habe. Den Hauptgeschäftsführer der HWK Oberfranken mache es sehr nachdenklich, wenn er die Förderpolitik in Sachen Bildung verfolge. Er gönne jedem Universitätsstandort staatliche Förderungen über eine Milliarde Euro und mehr. Jedoch bedauerte er, dass bei der "beruflichen Bildung" meist nur Förderungen in Höhe von bis zu einer halben Million Euro genannt würden.
"3+2-Regelung"
Die Verhältnismäßigkeit der Mittel kritisierte auch der Oberpfälzer MU-Bezirksvorsitzende Benjamin Zeitler, der sich mehr Koordinatoren auf diesem Gebiet wünscht. "Wir hatten in Deutschland 2013 erstmals mehr Studienbeginner als Auszubildende im ersten Jahr. Dieser Trend hat sich seitdem weiter fortgesetzt", untermauerte Koller seine Bedenken mit Zahlen. 24 000 Arbeitsplätze seien dort zudem unbesetzt, wobei die meisten kein Studium voraussetzen.
Koller mahnte zudem an, den Berufsschullehrplan zu überdenken und den Erfordernissen der Zeit anzupassen. Beim Thema Flüchtlinge regte er an, die in Bayern nur selten zugelassene "3+2-Regelung" öfter zuzulassen. Diese soll verhindern, dass Flüchtlinge während einer schon begonnenen betrieblichen Ausbildung das Land verlassen müssen. Sie können demnach unter bestimmten Voraussetzungen ihre Lehre abschließen und eine zweijährige Anschlussbeschäftigung ausüben, auch wenn ihr Asylantrag abgelehnt wird.
Dort wo Integration gelingt und für beide Seiten ein Nutzen entsteht, müsse sich der Staat auch in Bayern stärker heraushalten. Auch Leonhard Zintl bedauerte, dass diese Regelung in Bayern zu wenig zur Anwendung komme. Beim Thema Digitalisierung ging der Redner anhand eines Praxisbeispiels einer Brauerei auf deren Bedeutung für nicht nur mittelständische Betriebe ein. Hier lobte er den Digital-Bonus der Bayerischen Staatsregierung und forderte dazu auf, diesen in Anspruch zu nehmen.
Der stellvertretende MU-Kreisvorsitzende Roman Melzner hob die Bedeutung und die Auswirkungen der Digitalisierung ebenso hervor. Es sei derzeit eine logische Folgerung, dass Betriebe, die sich frühzeitig diesem Thema angenommen haben, erfolgreicher laufen als Betriebe, die immer noch mit Zettelwirtschaft arbeiten, meinte Melzner. Überall dort, wo die Digitalisierung sogar zur Chefsache erklärt wurde, sei der nachhaltige Erfolg noch deutlicher erkennbar. Weitere Themen waren die Neuerung der Berufsordnung, deren zeitliche Abstände zu lange dauern und so ständig überholt sind. Auch gab der Redner zu bedenken, dass kleine Mittelständler gerade jetzt bei der hohen anhaltenden Auftragslage nicht in jedem Ort ständig auf Ausbildungsmessen vertreten sein könnten. Auch ging er auf die Erhöhung des Meisterbonus ein und forderte ebenso einen Bildungsbonus für Weiterbildungen im Betrieb.
"Der beste Rohstoff ist der Kopf", pflichtete ihm Steuerberater Klaus Hars aus Brand bei. Lebenslanges Lernen müsse auch vom Staat belohnt werden. Zum Thema Bürokratie-Abbau wünschte sich Koller, dass es zu einem Bürokratie-Begrenzungsgesetz komme.














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