08.04.2021 - 11:28 Uhr
KemnathOberpfalz

PI Kemnath veröffentlicht Kriminalitätsstatistik 2020: "Hohes Sicherheitsniveau"

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Laut Kriminalitätsstatistik für 2020 der Polizei Kemnath gingen die Straftaten in den meisten Bereichen zurück. Ein Trend, der sich schon vor der Coronakrise abzeichnete.

Bernhard Gleißner (rechts), Chef der PI Kemnath, und sein Stellvertreter Dieter Striegl stellten die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2020 vor.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Auf Niedrig-Niveau bewegt sich weiterhin die Kriminalitätsrate im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Kemnath: So wurden 2020 insgesamt 523 Straftaten registriert, "Unser Gebiet ist sehr sicher", betont Erster Polizeihauptkommissar Bernhard Gleißner. Schaut man allein auf die bloßen Zahlen, dann ging es im Vergleich zum Jahr 2019 sogar ganz rapide nach unten - nämlich um 251 Fälle und damit 32,4 Prozent.

Gleißner räumt allerdings ein, dass man an dieser Stelle nicht bei den reinen Zahlen verharren dürfe: "Dieser auf den ersten Blick überraschende Rückgang ist im Wesentlichen einem Täter zuzuordnen, der als 'falscher Arzt' bei den Kliniken Nordoberpfalz AG am Standort Kemnath beschäftigt war und eine Vielzahl an Patienten behandelt hatte." Die von ihm durchgeführten medizinischen Handlungen beziehungsweise Eingriffe oder Unterlassungen seien als Körperverletzungsdelikte im Jahr 2019 in die Kriminalstatistik eingeflossen.

Leichter Rückgang der Fälle

Ohne Berücksichtigung dieses "singulären Ereignisses" ergebe sich ein ganz anderes Bild, denn rechne man die vom dem "falschen Arzt" begangenen Delikte heraus, weise die Statistik für das Jahr 2019 "nur" 552 Fälle aus. "Das bedeutet, dass nur eine relativ geringe Bewegung um 29 Fälle oder 5,6 Prozent nach unten festzustellen ist", erklärt Gleißner. Der leichte Rückgang ist vor allem im Bereich der Eigentums- und Rauschgiftkriminalität zu suchen. Aufgeklärt wurden insgesamt 379 Fälle, die Aufklärungsquote liegt bei 72,5 Prozent (bayernweit 68,1 Prozent). Die sogenannte Häufigkeitsziffer - also die Gesamtzahl der Fälle pro 1000 Einwohner - liegt bei 21,3 Prozent (bayernweit 45,2 Prozent). "Damit kann weiterhin von einem sehr hohen objektiven Sicherheitsniveau im Bereich der PI Kemnath gesprochen werden", betont auch Gleißners Stellvertreter Dieter Striegl.

Im Bereich der Einbruchskriminalität hat sich der positive Trend der vergangenen Jahre mit nur einem leichten Anstieg um drei Fälle weiter fortgesetzt: Wurden 2019 insgesamt 22 schwere Diebstähle bearbeitet, so waren es im vergangenen Jahr 25. "Im Vergleich sah 2016 die Kriminalitätslage in diesem Bereich mit 53 schweren Diebstählen, davon 12 Wohnungseinbrüchen, ganz anders aus", blickt Gleißner zurück. Trotz der deutlichen Entspannung bleibe die Bekämpfung der Einbruchskriminalität, insbesondere der Wohnungseinbrüche, eine zentrale präventive wie repressive Aufgabe.

Weniger Körperverletzungsdelikte

Mit 73 Fällen (2019: 100) gingen die Delikte im Bereich Straßenkriminalität deutlich zurück: War 2019 noch eine Serie von Fahrraddiebstählen (27 Fälle) zu verzeichnen, entspannte sich hier die Lage mit lediglich fünf Fällen deutlich. "Beim Vergleich der Körperverletzungsdelikte ist es sinnvoll, die vom 'falschen Arzt' begangenen Taten aus der Betrachtung herauszunehmen", sagt Striegl. Demnach zeige sich ein sehr erfreuliches Bild: Die Fälle der einfachen Körperverletzung gingen von 70 (2018) auf 59 (2019) und 2020 auf 41 Fälle zurück.

Die Fälle der gefährlichen Körperverletzung blieben mit zehn Fällen konstant niedrig. "Seit Jahren zeigt sich ein erfreulich niedriges Niveau im Hellfeld der Gewaltkriminalität", erklärt Striegl. In diesem Deliktsfeld sei häufig der private Lebensbereich betroffen, den Taten würden oft Konflikte im Beziehungsumfeld zugrunde liegen. "Natürlich muss hier mit einem hohen Dunkelfeld gerechnet werden", räumt der Polizist ein. Auch im Zusammenhang mit Festen und Feiern komme es immer wieder zu Körperverletzungsdelikten vor allem unter Einwirkung von Alkohol. "Aber auch hier konsolidiert sich seit mehreren Jahren eine positive Entwicklung", betont Striegl.

Mit 27 Fällen (Vorjahr 37) ist die Zahl der Rauschgiftdelikte merklich zurückgegangen. Die Diebstahlsdelikte in der Gesamtheit betrachtet bewegen sich in den vergangenen Jahren bei etwa 20 bis 25 Prozent der Gesamtkriminalität: So wurden 2017 131, im Jahr 2018 dann 110 und 2019 dann 111 Diebstähle bearbeitet. 2020 waren es 120 Fälle (23 Prozent der Gesamtfälle). Im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte gingen die Fallzahlen von 95 Fällen 2019 auf 75 Fälle 2020 zurück. "Viele Taten in diesem Deliktsfeld werden mittels Computer an unbekannten Tatorten oft im Ausland begangen", erklärt Gleißner. Die Ermittlungen gestalteten sich häufig schwierig, da die Täter ihre Spuren im Netz, aber auch die Geldflüsse zu verschleiern versuchten. Diese Fälle, so Gleißner, spiegelten sich in der tatortbezogenen Kriminalstatistik auf lokaler Ebene nicht wider.

Im Bereich der Polizeiinspektion Kemnath gab es 2020 weniger Verkehrsunfälle

Kemnath
Hintergrund:

Häusliche Gewalt im Fokus

Einen besonderen Blick hat die Polizei Kemnath seit Jahren auf den Bereich der häuslichen Gewalt. Doch wie sieht das im Detail aus?

  • „Eine speziell geschulte Beamtin der Dienststelle übernimmt sämtliche Fälle und sucht neben der Strafverfolgung auch präventiv nach Konfliktlösungsmöglichkeiten“, erklärt Bernhard Gleißner.
  • Dabei wird eng mit Beratungsstellen zusammengearbeitet.
  • Straftaten stiegen 2020 leicht auf 27 Fälle an (2019: 24)
  • Maßnahmen vor und nach Begehung der Straftaten: polizeirechtliche Interventionen, Vermittlung an Beratungsstellen, Informationen an das Jugendamt und Kooperation mit kommunalen Behörden.

Ein zwingender Rückschluss, dass durch die pandemiebedingten Maßnahmen die Fälle häuslicher Gewalt gestiegen seien, ergebe sich aus der Betrachtung des Hellfeldes nicht. „Über das Dunkelfeld können von hier aus aber keine validen Aussagen gemacht werden“, räumt Gleißner ein.

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