21.03.2019 - 10:06 Uhr
KemnathOberpfalz

Pleite wegen Geisterbeschwörung

Gab es in Kemnath Geisterbeschwörungen? "Unglaublich, aber wahr", antwortete Bernhard Weigl auf diese Frage. Der Historiker aus Mantel hatte in Archiven eindeutige Beweise dafür gefunden.

Was es mit einer Geisterbeschwörung in Kemnath auf sich hat, erzählt Bernhard Weigl (links) den Zuhörern im Musikeum, zu denen auch HAK-Vorsitzenden Hans Rösch, dessen Frau Anna Müller-Rösch und Museumsleiter Anton Heindl (von rechts) gehören.
von Josef ZaglmannProfil

"Der Geist des Culimetto" war das Thema des Vortrags von Bernhard Weigl, mit dem er im Musikeum zahlreichen interessierten Zuhörern einen Einblick in die damalige Welt des Aberglaubens verschaffte. "Die Geschichte der Geisterbeschwörung ist keine erfundene kuriose Erzählung", betonte der Manteler. "Es stimmt alles und ist durch erhaltene Gerichtsakten bestätigt." Zeugenaussagen seien im Hauptstaatsarchiv in München verwahrt und könnten dort eingesehen werden.

Im Mittelpunkt steht Freifrau Maria Magdalena von Junker. Als ihr Ehemann stirbt, hinterlässt er seine erst 33-jährige Ehefrau und mehrere unmündige Kinder auf dem Adelsgut in Rupprechtsreuth. Die Witwe plagten schwere Geldnöte, denn das Gut warf nicht genug ab, um Familie und Dienstboten zu versorgen. Da erzählte ihr eine Magd von einem im Gut vergrabenen Schatz. Der könne aber nur durch eine Geisterbeschwörung gehoben werden. Die Freifrau sah eine Möglichkeit, um ihre Geldprobleme zu lösen. Auf der Suche nach einem Geisterbeschwörer fragte sie ihren Jäger Franz Peter, den "Hexenpeter", um Rat. Weil aber seine Kenntnisse nicht für eine Beschwörung ausreichten, holte er sich Rat von dem Bayreuther Michel Braun. Der kam öfters nach Kemnath zum Glaser-Lenz.

"Die Chronik berichtet von mehreren Reisen des Jägers und der Freifrau nach Kemnath", erzählte Weigl. Doch der erhoffte Erfolg ließ auf sich warten. Und das, obwohl die Freifrau ihr ganzes Hab und Gut dafür hergab. Sogar ihr Seelenheil setzte sie dafür aufs Spiel. Denn Braun überließ sein Wissen niemandem kostenlos. Wertvolle Ringe, Ohrringe, geschliffene Flaschen und die Uhr des Dieners gab die Freifrau ihrem Jäger nach Kemnath mit. Neben diesen Gaben für den Zauber war auch noch ein Blatt mit ihrer mit Blut geschriebenen Unterschrift notwendig. Doch davor hatte die Freifrau große Angst. Deshalb unterschrieb sie mit dem Blut eines geschlachteten Truthahns. Aber der Schwindel flog auf.

Der Jäger Peter gab sich große Mühe, die Geisterbeschwörung zu erlernen und schrieb Brauns Zauberbuch "Die Schule" ab. Zwei Geister sollten beschworen werden: der Spiritus und der Culimetto. Letzterer soll tatsächlich beim Braun in Kemnath erschienen sein. Die Freifrau und andere Personen, die im Zimmer waren, bekamen den Culimetto nicht zu Gesicht. Nur der Teufelsbeschwörer hat ihn angeblich gesehen. Sein Aussehen soll furchterregend gewesen sein. Die übergroße Gestalt hatte Hörner auf dem Kopf und starke, spitze Zähne. In der Hand hielt er ein Zepter. Über den Leib trug er eine rote Jacke. Unten war er ganz schwarz. Weil Zauberei damals strafbar war, wurde Peter angezeigt, verhaftet und in den Gefängnisturm nach Sulzbach gebracht. Ihm drohte die Todesstrafe. Aber der Kurfürst Karl Theodor begnadigte ihn.

Museumsleiter Anton Heindl bedankte sich bei Weigl mit einem Präsent.

Nach seinem Vortrag steht Bernhard Weigl (links) historischen interessierten Zuhörern noch für Fragen zur Verfügung.
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