21.01.2020 - 13:05 Uhr
KemnathOberpfalz

Den Reset-Knopf drücken

Eine Diskussionsrunde stand zum Thema „Chancen der Digitalisierung für die Region“ in den Hollerhöfen auf dem Programm. Gleich vier kompetente Redner aus Politik und Wirtschaft tauschten sich mit den Zuhörern hierzu aus.

Die beiden Kreisvorsitzenden Leonhard Zintl (rechts) hatte zusammen mit Huberth Rosner (Tischmitte) je zwei Vertreter aus Politik und Wirtschaft in die Hollerhöfe zum Thema Digitalisierung eingeladen. v.l.: Dr. Josef Scheiber, Roland Grillmeier, Huberth Rosner, Alfred Koch, Roman Schäffler, Leonhard Zintl.
von Roman MelznerProfil

Große Zustimmung fand ein Vorschlag vom ehemaligen Chef des Kemnather Siemens-Standorts, Alfred Koch, eine Art Netzwerk zum Thema Digitalisierung zu bilden. Ziel dabei ist, die Ideen und Vorstellungen umzusetzen, die auch an diesem Abend nach teils nachdenklichen Redebeiträgen aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmersicht aufgeführt wurden, um die Region gemeinsam voranzutreiben. Als Volltreffer erwies sich an diesem Abend die Idee, dass die arbeitnehmernahe CSA um ihren Kreisvorsitzenden Huberth Rosner aus Tirschenreuth sowie die Mittelstands-Union um ihren Kreisvorsitzenden Leonhard Zintl zu einer solchen Veranstaltung gemeinsam eingeladen hatten. So konnten immer wieder die teils unterschiedlichen Sichtweisen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern berücksichtigt werden.

Neben Koch saß auch als Vertreter der Wirtschaft Josef Scheiber mit auf dem Podium, Geschäftsführer der Biovariance GmbH. Ein Unternehmen, das zu den Top 20 der innovativsten Unternehmen im Bereich der Gesundheitstechnologien im vergangenen Jahr zählt und seinen Sitz von München zurück in die Heimat nach Waldsassen verlegt hat. Über seine Erfahrungen zum Thema Digitalisierung im Rathaus ging eingangs aber zunächst der Mitterteicher Bürgermeister und Landratskandidat Roland Grillmeier ein. Die Kommunen hätten durchaus erkannt, dass gerade im Bereich der Verwaltung gewisse Standards für die Bürger vorgehalten und auch ausgebaut werden müssten, meinte Grillmeier.

Sieben Tage in der Woche

Ein Rathaus müsse an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden rund um die Uhr online erreichbar sein, um vor allem einfache Anliegen der Bürger über das Internet erfüllen zu können. Dieser Prozess müsse immer weiter entwickelt werden. "Wir müssen hier mit den Standards, die in der realen Wirtschaft schon vorherrschen, gerade im Bereich der Verwaltung mithalten und den Bürgern und Unternehmen auch als Online-Dienstleister zur Verfügung stehen." Grillmeier ging hierbei auch auf das Thema möglicher Behördenverlagerungen ein, sah die EDV-Schule in Wiesau als "Schatz für die Region" an und mahnte aber auch, dass das Thema Breitbandversorgung ein ständiges Thema sei, da sich technische Standards schnell weiterentwickelten.

Wer dient wem?

Der Kemnather Kämmerer Roman Schäffler blickt mittlerweile auf 33 Jahre an kommunaler Erfahrung zurück. "Ich habe vom Tipp-Ex bei der Schreibmaschine bis zur heutigen EDV alles mitgemacht", schmunzelte der Bürgermeisterkandidat. Auch er sieht ein "24/7-Rathaus" als zusätzliche Dienstleitung gegenüber dem Bürger als unerlässlich an, gibt aber auch zu bedenken, dass die Technik immer dem Mitarbeiter und auch den Bürgern dienen müsse und nicht anders herum. Der Kundenkontakt zum Bürger sei unerlässlich. Erst bei solchen Gesprächen könnten oft die Anliegen richtig erkannt und so dem Bürger geholfen werden.

Weitaus tiefer in die Materie drang Koch ein. Schnell erkannten die Zuhörer die große Erfahrung, die der ehemalige Chef des Kemnather Siemens-Standort hat. "Als ich im Jahr 2010 das erste Mal ein Werk in China besuchte, merkte ich schnell, wie weit voraus dieses Land uns vor zehn Jahren bereits war." Insgesamt als unerlässlich sieht er gewisse Standards in den Betriebsabläufen an. Zu viele individuelle Lösungen führten zu oft und zu schnell aufs Abstellgleis, mahnte der ehemalige Siemensianer. "Wir müssen auch bei uns selbst einmal den 'Reset-Knopf' drücken und Abläufe grundsätzlich infrage stellen und diese hinterfragen. Eine Effizienz in der Geschwindigkeit kann durch standardisierte Automatismen oftmals erreicht werden", betonte Koch.

Baden-Württemberg besser

Zwar sieht er den Freistaat auf dem richtigen Weg, aber mit Blick auf Baden-Württemberg erkenne man schnell, dass man dort bereits weiter ist, so Koch. Auch er sieht vor allem die Mitarbeiter als entscheidenden Faktor bei diesem Prozess. Er empfiehlt im Zeitalter des Fachkräftemangels nicht nur zu versuchen, ständig neues Personal zu gewinnen, sondern vor allem den bestehenden Mitarbeiterstamm mitzunehmen auf dem digitalen Weg. Schnell werde dadurch eine Art Win-Win-Situation für beide Seiten entstehen, war sich Alfred Koch sicher. Alfred Scheiber, der ebenso aus eigener Erfahrung als Mittelständler sprach, stieß in das gleiche Horn und konkretisierte die Chancen für die Region aus betriebswirtschaftlicher Sicht.

"Neue Denkmuster"

"Schauen Sie sich die Unterschiede bei den Mietpreisen in München und im Landkreis an", sagte Scheiber. "Unsere Region liegt zentral und München ist trotzdem nicht aus der Welt." Koch empfahl, über den Tellerrand hinauszublicken und auch Bezirksgrenzen einzubeziehen. "Wir brauchen neue Denkmuster und einen Masterplan für die Region." Zintl bezog hier auch das Nachbarland Tschechien mit ein.

Auch CSA-Kreisvorsitzender Huberth Rosner, der die Veranstaltung moderierte, sah gleich gelagerte Interessen zwischen Arbeitnehmern und -gebern. Er und Zintl kündigten weitere gemeinsame Veranstaltungen an. Es gelte, gemeinsam die Region voranzubringen und sichere und zukunftsweisende Arbeitsplätze zu schaffen.

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