04.02.2019 - 11:46 Uhr
KemnathOberpfalz

"Rettet die Bienen - und Bauern"

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" sorgt nicht nur in der Bevölkerung für Bewegung und Eintragungen in den Listen der Rathäuser. Gesprächsstoff und Anlass zur Kritik liefert es auch in den Reihen der regionalen Landwirte.

Die Vereinsspitze der Kemnather Jungbauernschaft setzt sich intensiv mit den im Volksbegehren geforderten Punkten auseinander. Die jungen Landwirte sehen etliche Gefahren und Nachteile für die regionale Landwirtschaft und den Endverbraucher.
von Michael DenzProfil

Zur "Krisensitzung" traf sich die Vereinsspitze des Rings junger Landwirte Kemnath in Berndorf. Nach Ansicht der Jungbauern würde das Volksbegehren "Rettet die Bienen" bei der Umsetzung dessen Inhalts die Arbeit der bayerischen Bauern stark einschränken und die Vielfalt der Landwirtschaft gefährden. Zudem fehle es an der Nachfrage ökologisch hergestellter Produkte durch den Endverbraucher. Auch die Existenz vieler Betriebe sei dann in Gefahr.

Das Volksbegehren (VB) "Artenvielfalt und Naturschönheit Bayerns" sieht unter anderem vor, dass bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Prozent der Fläche im Freistaat ökologisch bewirtschaftet sein soll. Derzeit sind es laut den Kemnather Jungbauern rund 10 Prozent. Der Markt sei mit Produkten aus ökologisch betriebenem landwirtschaftlichen Anbau sei derzeit weitaus gesättigt. Bei einer gesetzlichen Umsetzung der VB-Punkte würde das Angebot hier noch zunehmen, "doch die Nachfrage an entsprechenden Produkten ist einfach nicht gegeben", meinte Vorsitzender Tobias Vogel. Der daraus entstehende Wettbewerb gefährde die auf ökologische Landwirtschaft umgestellten Betriebe.

"Mit der Umstrukturierung, hin zum ökologischen Anbau der Fläche, ist es noch nicht getan. Auch der betriebliche Ablauf und die Tierhaltung müssten die einzelnen Landwirte komplett umstellen", führt der Godaser weiter aus. Dazu seien zwar viele Landwirte durchaus bereit, "doch die Molkereien nehmen keine neuen Umsteigerbetriebe an, denn der Absatz zum Endverbraucher ist einfach nicht gegeben", ergänzt Daniel Wöhrl aus Kuchenreuth aus. Der Verbraucher könne durch sein Konsumverhalten den prozentuellen Anteil an ökologischen Produkten und damit den Flächenanbau der Landwirte besser steuern als mit dem Gang ins Rathaus und der Unterschrift in eine Liste, meinen er und seine Vorstandskollegen.

Die Landwirte zeigten bereits großes Interesse am Erhalt der Artenvielfalt. "Hecken und blühende Feldränder sind durch die kleinstrukturierte Landwirtschaft bereits gegeben", informierte Wolfgang Schäffler aus Neustadt am Kulm. Die durchschnittliche Feldgröße in Bayern betrage eine Größe von rund zwei Fußballfeldern. "In anderen Bundesländern sind die Flächen einzelner Äcker um ein Vielfaches größer", hieß es von Christian Vogel aus Berndorf. Auf rund der Hälfte der Fläche setzten die Bauern bereits etliche Maßnahmen für die Artenvielfalt um. Hier verwies die Versammlung auf das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) und die freiwilligen kooperativen Umweltleistungen. Beispiele dafür seien die Umwandlung von Acker- in Grünland, Verzicht auf Intensivkulturen in sensiblen Bereichen und das Vorhalten von Blühflächen.

"Sollen etwa die gelblich blühenden Rapsfelder verschwinden?", fragten einige Jungbauern. "Ein Rapsanbau ohne Pflanzenschutzmittel ist derzeit nicht möglich. Doch ohne blühende Rapsfelder gäbe es auch extrem weniger an wichtigem Lebensraum für Insekten und vor allem die Bienen", betonte Vogel.

Auch prangerten die Mitglieder den täglichen Flächenverbrauch an, der von Jahr zu Jahr steige. "Täglich werden über zwölf Hektar unwiederbringlich versiegelt", wusste Schäffler. "Auch hier verschwindet Lebensraum für die kleine Tierwelt." Auch in neu angelegten Siedlungsgärten gebe es keine Blühflächen, Obstbäume oder einen Fruchtanbau mit unterschiedlicher Fruchtfolge. "Hier fehlt es an Lebensraum für Insekten und Bienen, von Artenvielfalt ganz zu schweigen", meinte Michael Wöhrl aus Atzmannsberg.

Eigens verweisen die Jungbauern auf ihre fachliche und sachliche Bildung in der Landwirtschaft. "Jeder Landwirt durchläuft eine langjährige Ausbildung, bei der größtes Augenmerk auf den Natur- und Umweltschutz gelegt wird", berichtete Andreas Koller aus Eisersdorf. "Mehr Vertrauen der Bevölkerung zu den einheimischen Landwirten würde mehr bringen als mit neuen Gesetzesauflagen die vielfältige Landwirtschaft Bayerns einzuschränken und daraus eine Planwirtschaft zu machen."

Das aktuelle Volksbegehren beziehe sich laut Jungbauern stark auf die planerische Gestaltung ihrer Anbau- und Arbeitsweise und führe zu keinem guten Ausgang für Landwirt und Endverbraucher. "Im Vergleich zu anderen Bundesländern und Ländern steht Bayern mit den kleinstrukturierten Ackerflächen und der Artenvielfalt, wie auch der Mischung aus konventioneller, ökologischer und biologischer Landwirtschaft mehr als gut da." "Rettet die Bauern und die Bienen", sei die Forderung der Jungbauern.

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