Kemnath
25.09.2018 - 12:29 Uhr

Schmerz lass' nach

So unterschiedlich wie sich Schmerzen bemerkbar machen können, so vielfältig gestalten sich die Behandlungsmöglichkeiten. Darin bezieht Dr. Hans-Jürgen Honikel auch die seelische Verfassung des Patienten mit ein.

„Unkontrollierter Medikamentenmissbrauch kann schwerwiegende Folgen für Ihre Gesundheit haben“, warnt Dr. Hans-Jürgen Honikel. Bild: jzk
„Unkontrollierter Medikamentenmissbrauch kann schwerwiegende Folgen für Ihre Gesundheit haben“, warnt Dr. Hans-Jürgen Honikel.

(jzk) "Schmerzen haben nicht nur negative Aspekte, sie haben auch eine Warnfunktion, um unseren Körper zu schützen", erklärte Dr. Hans-Jürgen Honikel im Foyer der Mehrzweckhalle. Bei seinem Vortrag "Schmerz und Schmerzbewältigung vermittelte der Arzt für Anästhesiologie und Schmerztherapie zahlreichen Zuhörern einen umfassenden Überblick über die Entstehung von Schmerzen und die Behandlungsmöglichkeiten. Damit eröffnete er die sechsteilige Vortragsreihe des Krankenhauses Kemnath.

"Der Schmerz kann als stechend, schneidend, drückend, brennend oder dumpf empfunden werden." Beim Akutschmerz sei die Ursachenbeseitigung (Wundversorgung, Verband) das Ziel. Dieser oft recht kurzfristige Schmerz sollte möglichst früh und ausreichend bekämpft werden. Werde dieser zu lange falsch oder unzureichend therapiert, lasse er sich möglicherweise nicht mehr vollständig beseitigen, sondern nur lindern.

Bei der aktiven Schmerzbewältigung spielt die Akzeptanz der Schmerzen eine wichtige Rolle. Die Selbstheilungskräfte des Körpers sollten aktiviert werden. Von großer Bedeutung sei auch eine tragfähige Arzt-Patient-Beziehung. Dadurch könne eine negative Einstellung zum Schmerzempfingen vermieden werden. Risikofaktoren sei auch eine ungesunde Lebensführung, ein ausgeprägtes Schon- und Vermeidungsverhalten und Medikamentenmissbrauch. Wie stark ein Schmerz empfunden werde, könne sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Auch hänge es davon ab, wie er emotional bewertet wird. Negative Gefühle verstärkten Schmerzen, positive verringerten sie.

Chronische Schmerzen entwickelten sich oft allmählich durch eine Erkrankung und irgendwann zu einem Dauerzustand, der mit der ursprünglichen Ursache nicht mehr im Zusammenhang stehe. "Oder sie treten immer wieder periodisch auf, wie bei einer Migräne", erläuterte der Mediziner. Bestehen Schmerzen länger als sechs Monate, werden sie als chronisch bezeichnet. Dazu zählte er Rücken-, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, ebenso solche, die durch rheumatoide Arthritis, Nervenleiden oder Tumore entstehen.

Bei der multimodalen Behandlung könnten Physio-, Ergo-, Sport-, Psycho- und Schmerzbewältigungstherapie sowie Entspannungsmethoden eingesetzt werden. Oft müsse der Patient auch lernen, mit dem Schmerz zu leben. 85 Prozent der Rückenschmerzpatienten leiden lau Honikel unter unspezifischen Schmerzen, für die keine erkennbare Erkrankung vorliegt. Ursachen seien falsche oder einseitige Belastung, überwiegend sitzende Tätigkeiten, seelische Konflikte und Stress, die zu Verspannungen führen. Dass psychologische Faktoren eine wichtige Rolle spielen, zeige sich etwa daran, dass das Risiko einer Rückenerkrankung wächst, wenn der Arbeitnehmer an seinem Arbeitsplatz unzufrieden ist.

Der Schmerz kann zu einer eigenständigen Erkrankung werden, der die Lebensqualität der Patienten einschränke sowie Depressionen und Vereinsamung führen könne. "Deshalb müssen Schmerzen ganzheitlich therapiert werden", forderte der Referent. Oft müsse auch die Seele von einem Psychotherapeuten behandelt werden.

Schmerzkrankenpfleger Franz-Josef Schöpf informierte über nichtmedikamentöse Therapien und invasive Maßnahmen wie Schmerzkatheter und -pumpe. "Wie können Herzinfarkt und Schlaganfall vermieden werden?" ist das Thema von Chefarzt Dr. Gerhard Jilge beim nächsten Vortrag am 25. Oktober.

Dr. Hans-Jürgen Honikel eröffnet die Vortragsreihe des Krankenhauses Kemnath. Bild: jzk
Dr. Hans-Jürgen Honikel eröffnet die Vortragsreihe des Krankenhauses Kemnath.
 
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