Kemnath
08.04.2019 - 13:59 Uhr

Schwierige Zeiten für Holz

Der Holzmarkt ist überschwemmt mit Schadholz, die Festmeterpreise sind im Keller. Es klang nicht sehr ermutigend, was Geschäftsführer Walter Ehlich in der Jahreshauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Kemnath mitzuteilen hatte.

"Es gibt wenig gute Nachrichten über den Zustand des Waldes. Wir in unserem Gebiet sind sehr glimpflich durchs Schadensjahr 2018 gekommen. Aber der Klimawandel ist auch bei uns angekommen", berichtete Geschäftsführer Walter den Waldbesitzern der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Kemnath.

Dieses sei von Hitze und Trockenheit und von Wetterrekorden geprägt gewesen. Deutschlandweit seien nur 75 Prozent des durchschnittlichen Jahresniederschlags gemessen worden. Im Raum Kemnath fielen 618 Millimeter (mm) (Durchschnitt 667 mm). Der Holzmarkt sei durch Hitze, Käferbefall, Gewitterstürme und Windwurf EU-weit überflutet worden, führ Ehlich fort. Das Borkenkäfer-Monitoring führte dazu, dass auch Nordbayern in die Warnstufe Rot aufgenommen werden musste. Auch Kiefern sein durch Pilzbefall, Trockenheit und Käferbefall betroffen. Der Eichenprozessspinner trete gehäuft auf. Daraus resultierte, dass in Deutschland rund 20 Millionen und insgesamt in Mitteleuropa rund 100 Millionen Festmeter Schadholz auf dem kollabierenden Markt gekommen seien. Die Folge sei der Einbruch des Rundholzpreises von nahe 100 auf 65 Euro/Festmeter gewesen.

Die Sägewerke nutzten Ferntransporte zur Holzversorgung, zum Beispiel aus Tschechien. Das Schadholz im Mitteldeutschland sei derzeit weder aufzuarbeiten noch abzusetzen. Der Absatz in der Region sei durch Verträge gesichert und durch verschiedene Sortimente gewährleistet. Die FBG-Waldbesitzer lieferten 7210 Festmeter Nadelholz, 12,95 Festmeter Eiche und 144 Raummeter Industrieholz.

"Derzeit macht es nur Sinn, das Käferholz aufzuarbeiten und kein Frischholz zu schlagen", meinte der Geschäftsführer. In der FBG habe es keinen großen Schadholzanfall gegeben. Ab Juli hätten die FBG-Waldbesitzer erste Käferherde, ab Oktober Hitzeschäden festgestellt. Nur 20 Prozent der verkauften FBG-Holzmenge sei 2018 Käferholz gewesen. An Submissionen habe die FBG nicht teilgenommen.

In seinem Ausblick schätzte Ehlich den Sägeabsatz weiter als gut ein. Der Binnenmarkt sei gut, die Sägewerke seien ausgelastet und der Absatz sei gewährleistet. Zwar sinke das Wirtschaftswachstum, aber der Bauboom halte an. Leicht zurückgegangen seien die Exportzahlen.

Das Käfer- und Sturmholz wird laut dem Redner auch 2019 den Markt beherrschen. In Tschechien werden zwischen 30 bis 50 Millionen Festmeter Käferholz erwartet, da ideale Wettervoraussetzungen für die Käfervermehrung geherrscht haben. Im Umkreis von 150 Kilometern gibt es eine Verarbeitungskapazität von fünf Millionen Festmeter bei den Sägewerken. Die Rundholzpreise werden sich 2019 voraussichtlich nicht erholen.

Ehlich kritisierte, dass in der Gesellschaft immer mehr Ansprüche ohne Gegenleistung an den Wald gestellt werden. "Wir wissen, was der Wald für uns leistet. Er ist Rohstoffproduzent, Luftfilter, CO2- und Wasserspeicher, hat Schutzfunktion, stabilisiert das Klima. Und das alles umsonst", verdeutlichte Ehlich. Der Wald insgesamt sei angezählt, seine Funktion auch durch gesellschaftliches Interesse in Gefahr. Der Waldumbau durch viele Baumarten sei jetzt existenziell, um das Risiko zu spreizen, verdeutlichte Ehlich. Auch die Douglasie und die Roteiche seien nicht mehr kategorisch auszuschließen.

Abschließend dankte er den Mitarbeitern der Geschäftsstelle und dem Vorstand für die gute Zusammenarbeit. Auch kündigte er wieder Kurse über Fälltechniken an. Die Termine werden in Rundscheiben bekannt gegeben.

Derzeit macht es nur Sinn, das Käferholz aufzuarbeiten und kein Frischholz zu schlagen.

Walter Ehlich

 
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