Brennendes Thema war dazu die Frage, wie die vom trockenen Sommer leeren Silos durch andere Futtermittel ausgeglichen werden können, um den Tierbestand zu erhalten. Nüchterne Zahlen präsentierte Vorstandsvorsitzender Stefan Schleicher. So sanken demnach die Besamungen in den drei Landkreisen Hof, Wunsiedel und Tirschenreuth 2017 auf 101 520 - ein Minus von 4,9 Prozent. Ein weiteres Absinken in diesem Jahr kündigte er an. Ausgelöst werde dies durch Schlachtungen aufgrund des Wetters und des erhöhten Wildfleischangebotes. Abgeflacht habe sich die Kurve bei den Betriebsaufgaben. Die meisten Höfe weist dabei der Landkreis Tirschenreuth auf.
Innerbetrieblich gab es einen Geschäftsführerwechsel: Dr. Knut Springmann schied aus, ihm folgte Dr. Henning Wendt. Bei den Investitionen der Genossenschaft sprach Schleicher den Ankauf eines Schlepper New Holland T6.120, die Dachsanierung, die neue Webseite und EasyBull 2.0 an. Auf die beiden letzten Punkte ging Wendt näher ein. Das österreichische Stier-Marketing-Portal hat nunmehr auch die BG Wölsau erworben. Auf Knopfdruck seien jetzt online alle aktuellen Daten zahlreicher Rinderzuchtorganisationen über die neue Homepage der BG Wölsau abrufbar.
Die rückläufigen Besamungszahlen forderten neue Möglichkeiten, die Vermarktung von Samen zu suchen, betonte Wendt. Dazu gehörte nach seinen Worten der Zukauf von 26 Bullen im vergangenen Jahr. 20 könnten es vielleicht heuer werden. Der Bestand an Bullen allerdings verringerte sich von 99 im Jahr 2015 auf nunmehr 69. "Immer noch zuviel", ließ der Geschäftsführer wissen. Mit dem erworbenen Bullen "Highway" hat die BG Wölsau "einen Kracher an Land gezogen". Einen Gesamtzuchtwert von 135 habe der, informierte Wendt stolz. Gleichzeitig nannte er Preise für einen Stier von 150 000 Euro als unanständig. "Highway" sei wesentlich billiger, ließ er wissen.
Neu im Angebot der BG Wölsau ist "gesextes Sperma". Das Sperma wird dabei nach Geschlecht getrennt. Damit stehen mehr weibliche Kälber zur Verfügung und Kühe mit guter Gentechnik können gezielt kostbare weibliche Nachkommen hervorbringen. Das "gesexte Sperma" wertete Wendt als züchterischen Fortschritt. Die Kehrseite der aufwendigen Technik zur Trennung der Spermien seien hohe Kosten und eine niedrigere Trächtigkeitsrate.
Rudolf Traxinger aus Schwandorf brachte die neuesten Zahlen des Rinderzuchtverbands Oberpfalz mit. So stieg der Verkauf von Jungrindern. Eine enorme Steigerung erfuhren Jungkühe. Eingebrochen ist dagegen der Export in die Türkei. Bedingt durch die dortige hohe Inflation verteuern sich dort die Importe. Hintergrund
Auf die Frage, was nach dem trockenen Jahr mit leeren Silos zu machen sei, versuchte Stefan Pickel von der Milchviehspezialisierungsberatung VFR GmbH aus Neustadt/Aisch zu antworten. eine Antwort zu geben. Ausgangslage ist ein nasser Herbst 2017. Er hinterließ Strukturschäden. Seit dem Frühjahr herrscht trockenes Wetter mit schlechtem Ertrag beim Grasschnitt und führte zu einer sehr frühen Maisernte. Gering fiel ebenso die Strohernte aus, Zwischenfrüchte brachten nicht viel.
Damit stellte sich für Pickel die Frage, wie man mit den Vorräten über den Winter kommen kann, ob Futter zugekauft oder der Tierbestand reduziert werden soll. Als wichtig bezeichnete er es, Milch- und Transitkühe sowie Kälber unter sechs Monaten optimal zu versorgen. „Bei anderen kann gespart werden.“ , betonte er.Der Landwirt müsse wissen, was die Tiere fressen und eine Luxusfütterung beim Jungvieh bedarf es nicht. Anhand von Beispielen rechnete er vor, wie Kühe satt gebracht werden können sowie die Versorgung mit Energie, Mineralstoffen, Vitaminen und Nährstoffen sicher gestellt werden kann. Er zeigte Möglichkeiten von Sparrationen für Rinder bis zu stopfenden Kraftstofffuttermitteln auf. Von zu hohen Maisanteilen allerdings riet er ab. „Die Tiere werden zu fett.“, warnte Pickel.
Probleme allerdings gibt es schon beim Futtermittelzukauf. Saftfuttermittel sind teilweise ausverkauft und Kraftfutter ist vom Weltmarkt abhängig. Der Preis pro Tonne Futterzukauf ist gerade noch bei 60 bis 70 Euro sinnvoll, betonte er. In einem zweiten Teil beleuchtete Stefan Pickel die Dürrehilfen. Das Bund-Länder-Programm wertete er als sei unrealistisch. Die bayerische Dürrehilfe dagegen empfahl er. Im nordbayerischen Raum erfüllen alle Landwirte die Voraussetzungen. Die Anträge müssen bis 15. November beim AEFL gestellt werden.

















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