28.10.2019 - 14:42 Uhr
KemnathOberpfalz

Tauschen statt Kaufen

Die erste Kleidertauschparty im Gesellenhaus in Kemnath kommt bei den Besuchern gut an. Bei einer lockeren Atmosphäre stöbern vor allem Frauen durch gebrauchte Klamotten und finden neue Stücke für den Kleiderschrank.

von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Susanne Herold wandert durch das Gesellenhaus der Kolpingfamilie Kemnath. Ihr Blick wandert durch den Raum. Jacken, Kleider und Röcke hängen nebeneinander auf Kleiderständern. Pullover, Hosen und Shirts liegen sauber zusammengelegt auf Tischen. Zur Beratung hat Susanne Herold ihre Freundin Karin dabei. Beim Stöbern entdeckt sie ein Kleid, hält es an ihren Körper und fragt: "Meinst du das passt zu mir?"

Lockere Atmosphäre

Zum ersten Mal veranstaltete die Steuerungsgruppe Fair-Trade-Stadt Kemnath gemeinsam mit dem Frauenbund, Kolping und dem Familienzentrum Mittendrin eine Kleidertauschparty. Gemeinsam mit 20 Helfern versucht Barbara Weismeier von der Steuerungsgruppe, am Sonntag eine lockere Atmosphäre zu schaffen. Am Samstag gaben etwa 40 Leute gebrauchte Kleidung aus ihren Schränken ab. Maximal 15 Sachen durfte jeder mitbringen. Obwohl auch Männer mitmachen konnten lieferten vor allem Frauen Klamotten. Die Helfer sortierten die Stücke nach Größen. Für den Kleidertausch haben sie Umkleiden vorbereitet und Spiegel aufgestellt.

Im Mittelpunkt steht der Nachhaltigkeitsgedanke. "Jeder hat mal das Bedürfnis, etwas Neues haben zu wollen. Beim Kleidertausch findet man etwas, ohne es gleich kaufen zu müssen", sagt Heidrun Schelzke-Deubzer. Ihr persönlich gefalle daran: "Ich gebe Sachen her, die wertig sind. Kleidung, die mir nicht mehr passt oder zu schade für die Altkleidersammlung ist."

Auch die Geselligkeit spiele eine Rolle: "Wir haben für die Party Kaffee und Kuchen vorbereitet. Und jeder, der am Samstag etwas mitgebracht hat, bekam einen Gutschein für einen Drink", sagt Weismeier. "Die Kleidung die am Ende übrig bleibt, spenden wir an die Weidener Rot-Kreuz Kleiderkammer."

"Ich finde das cool"

Das Konzept geht auf: Am Sonntag kommen Familien, Frauen, Freunde - von jung bis alt ist alles dabei. Gespräche und Gelächter schallen durch den Raum. Susanne Herold nutzt die Chance zum Kleidertausch. "Ich brachte ein paar Oberteile von mir und meiner Schwester mit." Was sie von der Party erwartet? "Ich lasse mich überraschen", antwortet die 48-Jährige. Eine Freundin habe ihr bereits von Kleidertauschpartys in Stuttgart erzählt. "Ich finde das cool, ich wollte das schon lange ausprobieren." Im Gesellenhaus arbeitet sie sich Stück für Stück durch. Schaut was ihr passen könnte: "Ich habe lange Arme und Beine. Ich tu mich da schwer, was Passendes zu finden." Zwei Kleider, einen Poncho, eine Strickjacke und ein Dirndl nimmt sie sich in die Umkleidekabine mit.

Oben zu weit

Ihr selbst gefällt es zu stöbern und umweltbewusst zu sein: "Ich kaufe seit zehn Jahren 'Second-Hand'." Susanne Herold probiert ein Dirndl mit grüner Schürze. "Das ist zu groß", sagt ihre Freundin Karin. An der Taille sitzt es, nur oben rum ist die Bluse zu weit. Die 48-Jährige schlüpft in das nächste Stück. Ein Kleid mit floralem Muster. Es sitzt. "Erfolgreich", sagt sie stolz. Sie will das Kleid und zwei Schals mit nach Hause nehmen. Zum Schluss lässt sie den Nachmittag mit ihrer Freundin bei einer Tasse Kaffee ausklingen.

Tipp: Kursreihe "Plastikfrei":

Auch das Familienzentrum Mittendrin beteiligte sich an der Kleidertauschparty. "Das Thema passt momentan ganz gut zu uns", sagt Leiterin Jessica Wöhrl-Neuber. Auch sie merkt, dass das Thema Nachhaltigkeit viele Interessierte findet. So beginnt diese Woche die zehn-monatige Kursreihe "Plastikfrei". "Der erste Abend am Dienstag ist schon ausgebucht." Für den nächsten Termin am Dienstag, 26. November, seien aber noch Plätze frei. "Silvia Gottinger referiert um 19.30 Uhr über das plastikfreie Einkaufen."

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