06.12.2019 - 11:51 Uhr
KemnathOberpfalz

Toter Winkel und Handy

Ein arbeitsintensives Jahr liegt hinter der Gebietsverkehrswacht Kemnath. In der Jahreshauptversammlung blicken die Verantwortlichen zurück.

Seit 32 Jahren leitet Josef Krauß die Gebietsverkehrswacht Kemnath.
von Josef ZaglmannProfil

"Die Gebietsverkehrswacht Kemnath hat derzeit 56 Mitglieder", gab der alte und neue Vorsitzende Josef Krauß in der Jahreshauptversammlung der Gebietsverkehrswacht im Gasthof Kormann bekannt. Bei der Totenehrung gedachte er besonders Norbert Glowka aus Brand.

"Es war ein sehr arbeitsintensives Jahr." Es begann mit der Veranstaltung "Feuerdrachen" in Immenreuth mit der Bundespolizei und der PI Kemnath zum Thema "Sicherer Schulweg". Unter Federführung der Feuerwehr Immenreuth wurden 38 Kinder über die Gefahren des Toten Winkels theoretisch und praktisch in einer Werkshalle der Firma Markgraf aufgeklärt. Bei einer Zusammenkunft im März im Landratsamt Tirschenreuth wurde mit der Kreisjugendhilfe die Aktion "Könner durch Erfahrung" besprochen. Leider kam die Aktion nicht zustande. Sie soll aber 2020 wiederbelebt werden. Beim Kreisjugend- und Familientag in Kemnath war die Gebietsverkehrswacht mit einem Fahrsimulator der Bezirksverkehrswacht, einem Fahrradparcour und einem Infostand vertreten.

Die Aktion "Houst a Hirn loust as Handy lieng" wird ganzjährig bei Veranstaltungen vorgestellt und aktiv unterstützt. Elektromobilität und Verkehrsunfallgeschehen waren die Themen bei der Mitgliederversammlung der Landesverkehrswacht Bayern in Kulmbach.

Auch in diesem Jahr wurde auf Bitten von Bürgern und Kommunen das Temposys-Messgerät eingesetzt. "Das Gerät war bis heute 155 Tage an unterschiedlichen Messstellen in Kemnath und Ölbrunn immer nach Absprache mit den Gemeinden im Einsatz", berichtete Krauß. Die Messprotokolle, im Bedarfsfall mit Erläuterungen, erhielten die Kommunen. Der Einsatz dieses Geräts soll im nächsten Jahr forciert werden. Beschwerden über die Nichteinhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Geschwindigkeit gebe es in jeder Gemeinde.

Auch heuer leistete die Gebietsverkehrswacht wieder einen Beitrag zur finanziellen Entlastung der Eltern bei der Beschaffung der Schülerarbeitshefte und Testbögen zur Verkehrsausbildung in den Grundschulen. Finanziert wurden auch die Ausgaben für die Schulbuslotsenausbildung. Polizeihauptmeister Carsten Landgraf bildete in Ebnath 16 und in Kemnath 6 Schulbuslotsen aus. Beim Ausscheiden aus dem Lotsendienst am Schuljahresende erhalten die Schüler kleine Geschenke, unterstützt durch die Sparkasse Oberpfalz Nord.

Für ihre Präventionsarbeit im Bereich Alkohol werden der Polizeiinspektion Kemnath auch weiterhin Rauschbrillen zur Verfügung gestellt. Auch den Film "Ausgeträumt" kann die Polizei zum Thema "Drogen und Alkohol" einsetzen.

Im Oktober hat Krauß mit Josef Götz, Franz Zetlmeisl und Christiana Zaglmann an den Verkehrssicherheitstagen der Realschule teil genommen. "Dabei zeigten wir den Realschülern der fünften Jahrgangsstufe und einer Klasse der Mittelschule Kemnath theoretisch und praktisch die Gefahren des Toten Winkels auf."

Weiter gab Krauß bekannt: "Mit den Bauhöfen der Stadt Kemnath und der Gemeinde Neusorg betreute ich die Plakatständer an der B 22, der S 2665 und der S 2177."

Am Ende seiner Ausführungen dankte er allen, die die Arbeit der Gebietsverkehrswacht unterstützen. Sein besonderer Dank galt der Polizeiinspektion Kemnath, allen Spendern und allen Verkehrsteilnehmern, die durch ihr verkehrsgerechtes Verhalten zur allgemeinen Verkehrssicherheit beitragen.

In ihren Grußworten würdigten die drei Bürgermeister Werner Nickl (Kemnath), Günter Kopp (Kulmain) und Josef Etterer (Kastl) die Arbeit der Gebietsverkehrswacht: "Wir sind dankbar für Zahlen und Fakten, die uns das Temposys-Messgerät der Gebietsverkehrswacht für Bürgergespräche liefert."

Reibungslos gingen die Neuwahlen die Bühne. Vorsitzender bleibt für über die nächsten zwei Jahre Josef Krauß, Christiana Zaglmann ist weiterhin seine Stellvertreterin. Auch Schatzmeister Hubert Krauß und Schriftführer Josef Götz wurden einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. Beisitzer bleiben Rita Ponnath, Georg Heldmann, Hans Rauch, Andreas Scheuch und Franz Zetlmeisl. Gerhard Schultes und Georg Märkl prüfen weiter die Kasse. Bürgermeister Werner Nickl hatte als Wahlleiter ein leichtes Amt.

Josef Götz.
Info:

Neues aus der StVO

„Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung (StVO)“ lautete das Thema von Fahrlehrer Josef Götz in der Jahreshauptversammlung der Gebietsverkehrswacht. „Wer die Mobilität der Zukunft will, muss Anpassungen vornehmen, damit unsere Straßen noch sicherer, klimafreundlicher und gerechter werden“ steht als Leitziel in der neuen StVO-Novelle, die bald in Kraft treten soll. Für eine klimafreundlichere Mobilität sollen Fahrgemeinschaften besser gestellt werden. Wer die Rettungsgasse blockiert, soll härter bestraft werden: 240 bis 320 Euro Geldstrafe, zwei Punkte in der Verkehrssünderkartei und ein Monat Fahrverbot. Parksünder und Rettungsgassenverweigerer müssen mit einem Verwarnungsgeld von 55 Euro rechnen. Wenn Fahrzeuge durch unzulässiges Halten in der zweiten Reihe Radfahrer gefährden, wird das Bußgeld von 20 auf 80 Euro erhöht (vierfache Strafe). Wenn ein Radler durch Parken auf einem Radweg behindert wird, winken nicht mehr 30 Euro wie bisher, sondern 70 Euro und ein Punkt.

Die Zahl der Verkehrstoten ist in den vergangenen Jahren immer mehr gesunken. 2018 waren es „nur mehr“ 3275 Verkehrstote. Dagegen seien Radfahrer stark gefährdet: 448 Radfahrer kamen 2018 ums Leben. Hauptsächliche Unfallursachen: Abbiegeunfälle, Seitenabstand und unberechtigtes Parken auf Radverkehrsflächen. Durch Abbiegeassistenten könnten Gefahren beim Toten Winkel verringert werden. Oft würden Autofahrer diese aber abschalten. „Der Tote Winkel ist eine unsichtbare Gefahr, jährlich kommen rund 70 Zweiradfahrer ums Leben, weil sie im entscheidenden Moment für den Pkw- oder Lkw-Fahrer unsichtbar waren.“ In der neuen StVO ist das Nebeneinanderfahren von Radfahrern ausdrücklich erlaubt, wenn der Verkehr dadurch nicht behindert wird. Es werden Radschnellwege und Fahrradzonen eingeführt. Das Grünpfeilschild gilt auch für Radfahrer. Für Car-Sharing und Lastenfahrräder sind Sonderparkplätze möglich. Auf Schutzstreifen für Radfahrer ist Halteverbot. Für rechtsabbiegende Fahrzeuge über 7,5 Tonnen gilt innerorts Schrittgeschwindigkeit. Der Mindestüberholabstand zu Fußgängern, Radfahrern und E-Kleinstfahrzeugen beträgt innerorts 1,5 Meter, außerorts 2 Meter. Räder sind außerhalb von Seitenstreifen und Fahrbahnen abzustellen. Ausgenommen sind Lastenfahrräder und Räder mit Anhänger. In festgelegten Fällen können Radler in Einbahnstraßen in die Gegenrichtung fahren. Vorgeschriebene Notbremsassistenten müssen bei einer Geschwindigkeit bei mehr als 30 Kilometern pro Stunde eingeschaltet sein.

Carsten Landgraf.
Info:

Unfälle leicht rückläufig

„Die Zahl der Unfälle ist leicht rückläufig“ berichtete Polizeihauptmeister Carsten Landgraf. Der Verkehrssachbearbeiter bei der Polizeiinspektion Kemnath hatte noch weitere gute Nachrichten auf Lager. „Auch die Unfälle mit Verletzten sind weniger geworden“, erklärte er, „wir haben 30 Prozent weniger Unfallfluchten.“

Gleich geblieben sei die Zahl der Wildunfälle. Sie liege nach wie vor bei etwa 300. „Sie passieren hauptsächlich von 5 bis 7 Uhr am Morgen und zwischen 21 und 23 Uhr am Abend“, wusste Landgraf. Mehr geworden seien die Unfälle, in denen Senioren verwickelt waren. Die Zahl der Unfälle mit jungen Erwachsenen sei gleich geblieben. „Leider sind auch heuer drei Personen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen“, bedauerte der Polizeibeamte. Bei einem Schulwegunfall wurde ein Kind leicht verletzt.

In der Diskussion wurden Situationen angesprochen, in denen sich Kraftfahrer nicht richtig verhalten. Vor allem durch Geschwindigkeitsüberschreitungen werden andere Verkehrsteilnehmer gefährdet. „Durch Blinken beim Verlassen des Kreisverkehrs, an Kreuzungen und Einmündungen könnte die Verkehrssicherheit noch weiter verbessert werden“, gab Josef Krauß zu bedenken. Er erklärte auch den Unterschied zwischen einem Pedelec und einem E-Bike.

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