"Erst nach einer genauen Diagnose kann die individuelle Situation des Wirbelsäulen-Patienten geklärt und die richtige Therapie eingeleitet werden", erklärte Dr. Marc Schmidt den zahlreichen interessierten Zuhörern im Foyer der Mehrzweckhalle. "Viel Wirbel um die Säule" war das Thema des Neurochirurgen beim vierten Vortrag der sechsteiligen Vortragsreihe 2018/19 der Kliniken Nordoberpfalz. Er leitet eine Praxis im MedCenter und ist Kooperationsarzt beim Krankenhaus Kemnath.
Ausführlich erklärte der Facharzt neue Therapiemöglichkeiten bei chronischen Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose. "Rückenschmerzen können durch Abnutzung der Bandscheiben (am häufigsten in den beiden unteren Abschnitten) oder durch Knochenveränderungen entstehen", erklärte er. Die Ursachen können altersbedingt (meistens zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr) oder anlagebedingt sein (familiäre Häufung, Bindegewebsschwäche). Sie können aber auch die Folge der Lebensführung (Beruf, wenig körperliche Betätigung, Übergewicht, Lebensführung) sein. "Bei Rückenschmerzen fällt der Verdacht häufig auf einen Bandscheibenvorfall", wusste der Facharzt. Doch der ist weitaus seltener der Auslöser für die Beschwerden als weithin angenommen. Da ein Bandscheibenvorfall allerdings in manchen Fällen schnelles Handeln erfordert, ist es wichtig, die Symptome eines Bandscheibenvorfalls zu kennen und zu wissen, worauf es ankommt. "Unsere Bandscheiben dienen als Stoßdämpfer zwischen den Wirbelkörpern." Durch die natürliche Abnutzung, durch Bewegungsmangel oder Übergewicht wird ein Bandscheibenvorfall begünstigt - und das kann mitunter ernste Folgen haben. Ein Bandscheibenvorfall ist ein Durchbruch des Gallertkerns einer Bandscheibe durch ihren Faserring. In der Folge kann er auf Nerven drücken und Schmerzen oder Lähmungen auslösen.
"Ein Bandscheibenvorfall muss nicht zwingend operiert werden", betonte der Facharzt, "häufig kann bereits die Kombination aus Medikamenten und Physiotherapie den gewünschten Erfolg bringen."
Beim Bandscheiben- oder Rückenleiden zeigen sich verschiedene Schmerzbilder. Diese lassen sich durch die Nervenversorgung erklären. Je größer der Druck auf die Nervenwurzel, desto länger das Schmerzband. Bei leichtem Druck reicht der Ischiasschmerz nur bis zur Hüfte oder zum Oberschenkel, bei starkem Druck bis zur Großzehe oder zur Fußsohle. Die Schmerzausstrahlung kann ziemlich genau einer Nervenwurzel und damit einer Bandscheibenetage zugeordnet werden.
Gute Aufnahmen für eine optimale Diagnose liefert die Magnet-Resonanz-Tomographie (Kernspin-Untersuchung). Zusätzlich zum MRT werden häufig konventionelle Röntgenaufnahmen der Lendenwirbelsäule benötigt. Die Computertomographie (CT) sollte nur noch für spezielle Fragestellungen, beispielsweise zur Beurteilung des Gesamtzustandes (Osteoporose), eingesetzt werden.
Erst nach der Diagnostik kann der Arzt entscheiden, welche Therapie für den Patienten infrage kommt: eine konservative Therapie, eine Schmerztherapie (minimal invasiv), eine Nukleoplasty oder eine endoskopische Operation. In bestimmten Fällen kann auch eine Bandscheiben-Prothese implantiert werden.
Zweiter Bürgermeister Hermann Schraml dankte Dr. Marc Schmidt für seine Ausführungen. Er beantwortete noch Fragen der Zuhörer.















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