In das Mittelalter zurückversetzen ließen sich einige Siebtklässler beim Mittelaltertag an der Realschule. Lehrer Stefan Horvath und Matthias Hofmann waren die Experten, die mit der Historie seit langem vertraut sind. Unterstützung erhielten sie von Hans Rösch und Anna-Müller-Rösch vom Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreis Kemnath und Umgebung.
Als Pfalzgraf Matthias von Wallenrode erklärte Hofmann, wie im Mittelalter getafelt (gegessen) wurde. Dazu hatte er im Pausenhof ein Zelt aufgestellt und einen Tisch mit Geschirr gedeckt, so wie es im Mittelalter verwendet wurde. Ausführlich beantwortete er Fragen zur Sitzordnung an einer hochherrschaftlichen Tafel, Verhaltens- und Benimmregeln und zu den ritterlichen Tugenden.
Die damaligen Waffen stellte Horvath vor. Zur Veranschaulichung hatte er auch Rüstungen und Schilde mitgebracht. Den Mädchen und Jungs demonstrierte er die Handhabung von Kurzwaffen wie Sax, Axt und Schwert im Nahkampf. Der Umgang mit Langwaffen wie Speer, Ango (Haken, Stachel, Spitze) und Lanze war nicht einfach und musste oft geübt werden. Mit Hilfe des Lehrers konnten die Jugendlichen Polsterweste, Waffenrock, Kettenhemd und Polsterhaube anlegen. Im Pausenhof übte Horvath mit ihnen die Aufstellung eines Schildwalls. "Das war die Grundlage einer mittelalterlichen Schlachtaufstellung."
Caspar Erlbeck von Parkstein (Hans Rösch) und seine Magd Anna (Anna Müller-Rösch) nahmen die Siebtklässler mit zu einer historischen Stadtführung. Dabei erfahren sie Näheres über die Rechte und Privilegien, die Kemnath durch die Stadterhebung Mitte des 14. Jahrhunderts erhalten hat. Der Sicherheit der Bewohner dienten ein doppelter Stadtmauerring mit Türmen und Stadttoren sowie ein tiefer Graben. Schon früh erhielt Kemnath das Recht der niederen Gerichtsbarkeit. Kleinere Vergehen wie Streitigkeiten und Beleidigungen durften vor Ort bestraft werden. Für die hohe Gerichtsbarkeit, für sogenannte "Malefizfälle", war jeweils der Landrichter zuständig.
An der Sebastianssäule erzählte Anna Müller-Rösch, wie wehrlos die Menschen im Mittelalter gegen Krankheiten und Seuchen waren. "Ganze Landstriche fielen der Pest zum Opfer." Am Schmeltzlbrunnen sprach sie die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln an, bei den Totenbrettern in der Schulstraße die Bestattungsriten im Mittelalter. "Mehrmals musste die Bürgerschaft den Glauben wechseln, von der katholischen Lehre zur protestantischen, zur kalvinistischen und wieder zurück zum katholischen Glauben." Eine große Gefahr für die Städte waren Brände. "Bei den großen Stadtbränden 1572 und 1848 fiel ein Großteil der Stadt den Flammen zum Opfer", wusste die "Magd".














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