22.07.2018 - 09:47 Uhr
Oberpfalz

Kinderpflegeberuf bleibt Frauendomäne

Wie schwer traditionelle Berufsbilder in der Gesellschaft verfestigt sind, zeigt die Abschlussfeier des Sozialpädagogischen Seminars: 29 Absolventen, darunter ein Mann.

Man muss einige Zeit suchen, um außer dem Schulleiter Karlheinz Binner (ganz oben rechts) noch den einen männlichen Absolventen der Kinderpflegeausbildung zu finden.
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) Mit einem von den Seminarteilnehmern selbst gestalteten Wortgottesdienst endete das Ausbildungsjahr am Sozialpädagogischen Seminar für Kinderpfleger innerhalb der Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik Weiden.

Dekan Johannes Lukas verabschiedete zusammen mit Fachakademieleiter Karlheinz Binner die 29 Absolventen. Der Wortgottesdienst stand unter dem Motto „nicht ohne mein Team“. Dokumentiert werden sollte damit, dass in der Ausbildung und im Arbeitsleben jeder Einzelne durch seine Person und Arbeit zu einem Gesamtergebnis beiträgt. „Gedanken auf den Lebensweg“ formulierte Schulleiter Binner für die Absolventen. Ausgehend von immer schneller und komplexer werdenden Arbeitsabläufen empfahl der Schulleiter: „Suchen Sie nach Resonanz“.

Resonanz bedeute eine Sache auf sich einwirken zu lassen und sie zu spüren. Sie sei nicht mit Harmonie zu verwechseln. Die Empfehlung sei aus der Soziologie abgeleitet und werde als Antwort auf die zunehmende Beschleunigung im gesellschaftlichen Leben betrachtet. Um Resonanz zu spüren, solle man sich auch öfters auf Unbekanntes einlassen und dabei „den Mut zum Scheitern haben“.

Im Anschluss an seine zur Nachdenklichkeit animierenden Worte überreichte Binner zusammen mit Klassenleiterin Rita Piehler an 28 junge Frauen und einen jungen Mann das Abschlusszeugnis der Kinderpfleger-Ausbildung. Viel Aufmerksamkeit und Beifall unter den Besucher gab es für die Zeugnisübergabe an den einzigen männlichen Seminarteilnehmer. Eine namentliche Nennung der Prüfungsbesten wollte der Schulleiter ausdrücklich nicht vornehmen.

„Auch die Dreier-Noten mussten sich anstrengen, vielleicht sogar noch mehr“, wurde als Begründung genannt. Als statistisches Ergebnis nannte Binner: „Neun Absolventen haben eine Eins vor dem Komma.“ Die beste Note sei 1,33. Als „Markenzeichen der Schule“ sei, dass mehr als die Hälfte der Ausbildungszeit in der Praxis erfolgte.

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