03.02.2021 - 10:47 Uhr
KirchendemenreuthOberpfalz

Ein Schatz der Region: Expositurkirche St. Johannes in Kirchendemenreuth wird saniert

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Für Pfarrer Pennoraj Thermakkan ist die Expositurkirche St. Johannes der Täufer in Kirchendemenreuth ein "wahrer Schatz". Das Gotteshaus wird seit fast einem Jahr innen saniert. Die Arbeiten schreiten planmäßig voran.

Die Expositurkirche St. Johannes der Täufer wird derzeit innen komplett saniert.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Trotz etlicher Alterserscheinungen versprühte die ehemalige Simultankirche in Kirchendemenreuth noch immer einen besonderen Charme, den es zu erhalten gilt. Pfarrer Pennoray Thermakkan freut sich, dass das Gotteshaus rundum erneuert wird: "Die über 300 Jahre alte Simultankirche ist eine Bereicherung für unsere Region". Allein die Bänke seien einzigartig und müssten unbedingt in ihrer Ursprünglichkeit bewahrt werden. In Zusammenarbeit mit Architekt Wolfgang Schultes vom Architektur- und Ingenieurbüro (AIB) aus Grafenwöhr, dem zuständigen Bauingenieur Matthias Stelzl, der "sehr, sehr fleißigen" Kirchenverwaltung und Kirchenpfleger Erwin Schindler werde die Sanierung bestimmt gut gelingen. "Das ist Teamwork. Nur so können wird das schaffen", betont der Geistliche.

Bei der Maßnahme handelt es sich um die umfangreichste Sanierung, die je in dieser Kirche ausgeführt worden ist. Die Jahrhunderte alte Kirche steht zudem unter Denkmalschutz, weshalb viele Fachplaner, unter anderem für Statik, Elektro, Kirchenmaler, künstlerische sowie holzsichtige Ausstattung, und Fachstellen (Amt für Denkmalschutz, Bistum Regensburg) am Projekt beteiligt sind.

Mehrere Förderprogramme

Ein so großes Unterfangen mit Gesamtkosten von knapp 1,3 Millionen Euro lässt sich nur mit mehreren Förderprogrammen realisieren. Beteiligt sind unter anderem der Bezirk Oberpfalz (40 000 Euro), die bayerische Landesstiftung (93 000 Euro) sowie das bayerische Landesamt für Denkmalpflege (40 000 Euro). Die Gemeinde Kirchendemenreuth bezuschusst die Sanierung mit 5 Prozent der Gesamtkosten (58 000 Euro). Das Bistum Regensburg fördert die Maßnahme mit 585 000 Euro. Den Rest (480 000 Euro) muss die Pfarrei übernehmen. Bürgermeister Dr. Gerhard Kellner weiß um die Bedeutung der Kirche: "Ich sehe das natürlich sehr positiv, dass dieses einzige Denkmal in unserer Gemeinde renoviert wird."

Nach der Außensanierung, die im Jahr 2018 mit einer Gesamtsumme von rund 450 000 Euro über die Bühne gegangen ist, steht seit dem Frühjahr 2020 die Innensanierung sowie die Neugestaltung des Altarraumes an. Bauleiter Stelzl gibt einen Überblick über den Sanierungsplan. Begonnen wurde zunächst mit der Demontage des gesamten Gestühls. Um Kosten zu sparen, wurden zum Teil auch Bänke im alten Feuerwehrgerätehaus zwischengelagert. Die eigentliche Sanierung der Bänke findet in der Werkstatt von Stefan Haberstock in München statt und ist bereits weitestgehend abgeschlossen.

Auch die Pfarrkirche in Leuchtenberg wird saniert

Leuchtenberg

Altar bekommt ein Fundament

Fast zeitgleich wurde die künstlerische Ausstattung - unter anderem Gemälde und Statuen - mit großer Vorsicht abgenommen. Diese wird derzeit bei den Werkstätten für Restaurierung „Preis & Preis“ in Parsberg restauriert beziehungsweise gelagert. Auch der prächtige Hochaltar und die Seitenaltäre wurden demontiert und aufbereitet. Der Altar wird anschließend nicht wieder auf bloßes Erdreich gesetzt, sondern auf ein betoniertes Fundament.

Bevor mit den baulichen Maßnahmen begonnen werden konnte, wurde noch die Orgel fachmännisch eingehaust und die Pfeifen ebenfalls im Feuerwehrhaus zwischengelagert. Die Firma Kutscher aus Altenstadt/WN, die bereits bei der Außensanierung beteiligt war, wurde mit den Baumeisterarbeiten beauftragt. Nachdem die Bodenplatten (Solnhofer Platten) sorgfältig abgenommen und für den späteren Wiedereinbau gelagert wurden, konnte mit den Erdarbeiten begonnen werden. Ein großes Problem der Kirche war beziehungsweise ist die hohe Feuchtigkeit innerhalb des Mauerwerks – diese führte bereits zu einer starken Algenbildung an den Wandflächen. Um die Wände trockenzulegen, wurde das anstehende Erdreich im Sockelbereich bis zum Fundament abgetragen und mit filterfähigen Bruchstein wieder aufgefüllt. "Es wird aber Jahre dauern bis die Mauern ganz trocken sind", erklärt der Bauingenieur.

Raumschale behält ihren Charakter

Zusätzlich wurde der alte Putz von den Wänden abgeschlagen. Im Bereich unter der Empore mussten außerdem statische Maßnahmen ergriffen werden. Hier wurden zum Beispiel die Fundamente der Stützen ertüchtigt. Nachdem eine Einkornbetonbodenplatte im Langhaus eingebaut worden ist, wurde das große Raumgerüst für die weiteren Maßnahmen an der Raumschale (Decke) und an den Wänden durch den Kirchenmaler der Firma Eis erstellt. "Die Raumschale soll ihren Charakter mit den Gemälden behalten. Die Bilder werden nur aufgefrischt und etwas ausgebessert", informiert der Planer.

Mit den Putzarbeiten im Deckenbereich des Altarraumes wurde noch vor Weihnachten begonnen. Diese Arbeit wird nun wieder aufgenommen. Die Elektroinstallation für Lautsprecher, Beleuchtung und Sitzheizung und der Einbau neuer und alter Solnhofer Platten sind dann die nächsten Punkte im Sanierungsplan. Stelzl erklärt, dass man sowohl was Kosten als auch zeitlichen Ablauf anbelangt, voll im geplanten Rahmen liege. Mitte des Jahres soll das Projekt abgeschlossen sein.

Hintergrund:

Geschichte der Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer

Die Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer ist zweifellos das bedeutendste Denkmal in der Gemeinde Kirchendemenreuth.

  • Ihre Anfänge reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück. Der Neubau des Langhauses der Kirche mit den heutigen Ausmaßen stammt aus dem Jahr 1709. Die Kirche war nach Abschluss der Arbeiten etwa doppelt so groß wie vorher.
  • 1717 folgte der Einbau der Holzdecke.
  • Ein besonderes Juwel in dem Gotteshaus, das lange Zeit (1643 - 1931) als Simultankirche diente, ist eine Kassettendecke mit szenischen, figürlichen und grotesken Darstellungen. Die unter Denkmalschutz stehende Kassettendecke haben Parksteiner Kapuziner in Auftrag gegeben. Ein unbekannter Künstler hat sie 1717 vollendet. Auf 52 Tafeln sind Szenen der Heiligen Schrift und der theologischen Überlieferung unter Verwendung traditioneller Symbolik illustriert.
  • In gleicher Weise wie die einmalig kunstvoll gestaltete Holzdecke ist auch die Balustrade der Empore arrangiert. An dem Geländer sind die Bilder von acht Aposteln dargestellt. Die Porträtzeichnungen stammen aus der Zeit um 1720.
  • 1766 wurde unter großem Arbeitsaufwand der Turm erneuert. Aus dieser Zeit stammen die schöne Kuppel und die elegante, luftige Säulengalerie.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.